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Cyberbetrug: Segeberger zockte Ebay-Kunden ab

Bad Segeberg Cyberbetrug: Segeberger zockte Ebay-Kunden ab

Ob es Langeweile war, Unterforderung oder die Übertragung einer Computerspielsucht ins reale Leben? Das Jugendschöffengericht in Bad Segeberg konnte am Donnerstag keine Antworten finden. Ein 21-jähriger Segeberger ist wegen Computerbetrugs angeklagt worden. Ein besonderer Fall von Internetkriminalität – mit überraschendem Ausgang.

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Das Darknet ist eine Plattform für illegale Geschäfte, zu der der normale Nutzer keinen Zugang hat.

Quelle: Foto: Hfr

Bad Segeberg. Allein die Anklageschrift vorzulesen, hat gestern im Bad Segeberger Amtsgericht fast 20 Minuten gedauert. Der Jugendliche Daniel K. (Name geändert) hat in 14 Fällen zwischen August 2015 und Februar 2016 Privatpersonen und Versandhändler um Geld und Ware betrogen und diese teilweise weiterverkauft. „Gewerbsmäßiger Computerbetrug in besonders schwerem Ausmaß in Tateinheit mit Urkundenfälschung“

konstatierte das Gericht. Daniel K. hatte sich zuvor im sogenannten Darknet Personaldaten beschafft, darunter unter anderem von gehackten Paypal- und DHL-Kundenkonten, um unter falschem Namen einzukaufen, Ware zu bezahlen und zu erhalten sowie anschließend weiterzuverkaufen. Er hat alle Taten gestanden und zur Aufklärung der Fälle beigetragen. Der entstandene Schaden liegt bei über 8000 Euro. Das Urteil: 100 Sozialstunden gemeinnütziger Arbeit.

Das Besondere: Die Gerichtsverhandlung lieferte nicht nur einen Einblick in die Machenschaften Cyberkrimineller. Daniel K. hatte die Ware weder gebraucht noch das erhaltene Geld ausgegeben. Tausende Euro wurden bei der Durchsuchung seiner Wohnung durch die Polizei beschlagnahmt. „Das Geld ist immer noch vorhanden und kann zur Wiedergutmachung verwendet werden. Das habe ich noch nie erlebt“, sagte der Vorsitzende Richter Martin Jochems. Das Motiv blieb bis zum Schluss ein Rätsel.

Der Betrug verlief in der Regel so: Die Geschädigten hatten in Ebay-Kleinanzeigen Iphones zum Verkauf angeboten. Daniel K. nahm unter Verwendung fremder Personaldaten Kontakt auf und forderte die Geschädigten auf, die Ware zu einer Packstation in Bad Segeberg zu senden. Die DHL-Accounts anderer waren zuvor gehackt worden. Diese Daten hatte sich K. im Darknet beschafft, ebenso wie Zugänge zu Paypal-Konten, mittels welcher er die Bezahlung ausgelöst hatte. Als das Geld im Namen anderer überwiesen war, hatten die Opfer die Ware versandt. Zwar wurden sie von Paypal wenig später über die gehackten Konten informiert und die Zahlung storniert. Doch das Geld war zumeist weg – und die Ware auch. Teilweise hatte K. sie weiterverkauft, bei Übergabe gegen Bargeld in Neumünster. Mehrfach war er aber auch von der Polizei auf frischer Tat ertappt und vorläufig festgenommen worden, als er die Pakete an der Packstation abholen wollte.

Wie Daniel K. dem Jugendschöffengericht erklärte, sei er durch Bekannte, übers Internet und durch Videos auf diese Art der Kriminalität aufmerksam geworden. Das Darknet sei eine andere Seite des Internets, das man mit einem speziellen Browser benutzen kann. „Es ist nicht schwer, da reinzukommen. Die Daten werden einem dort hinterhergeschmissen“, sagte er. Hacker würden diese anbieten, verkaufen und gar verschenken, weil sie zu viel davon haben. Daten eines gehackten Paypal-Kontos gibt es für drei Euro, für eine DHL-Packstation für etwa 20 Euro. Bezahlt wird mit der virtuellen Währung Bitcoin. Dafür hatte sich der Jugendliche ein Konto zugelegt.

Der Grund für das alles? „Das kann ich nicht sagen, ich weiß es selbst nicht“, sagte K. und wiederholte mehrfach in der Verhandlung, dass er mit dieser Zeit abgeschlossen habe. Und das Gericht ging davon aus, dass das stimmt. Der junge Mann hat zwar viel Zeit vor dem Computer verbracht und zwei Jahre vor den Taten seine Mutter verloren. Das habe ihn in eine Krise gestürzt. Doch er wurde nicht weiter aus der Bahn geworfen, ganz im Gegenteil: Er hat seinen Realschulabschluss nachgeholt, ist dabei, seine Fachhochschulreife zu erlangen. Er will nach eigener Aussage sein Abitur nachholen und später etwas in Richtung Wirtschaft studieren. Er war zuvor nicht straffällig gewesen und umfassend geständig. „Das aufzuarbeiten ging erstaunlich schnell“, sagte Staatsanwältin Ina Nentwig. Daniel K. habe seither „einen erstaunlichen Weg zurückgelegt, der Bedarf an Erziehungsmitteln ist äußerst gering“. Ein Bericht des Jugendamtes bestätigte das; es sei erstaunlich, wie gut er sein Leben organisiert habe. Der Reiz der Taten habe wohl darin gelegen, „für später etwas auf der hohen Kante zu haben“. Die Anonymität des Internets habe das erleichtert. Er habe große Kompetenzen im schulischen Bereich. „Scheinbar war das nur eine Phase“, hieß es.

Staatsanwältin, Verteidiger und Gericht waren sich im Strafmaß einig, zumal das Geld noch vorhanden ist. Und unklar ist, um wie viel der Wert der noch vorhandenen Bitcoins inzwischen gestiegen ist.

Daniel K. will helfen, den Beamten Zugang zur Technik zu verschaffen. Richter Martin Jochems: „Die Schadenshöhe und die Vielzahl der Fälle sind nicht unerheblich. Ich hoffe, dass das nicht wieder vorkommt.“

 Von Irene Burow

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