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Dämpfer für die Wertstofftonne

Mözen/Bad Segeberg Dämpfer für die Wertstofftonne

Wege-Zweckverband kritisiert geplantes Verpackungsgesetz – Anzahl der Plustonnen in Testgemeinden rückläufig.

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„Es wäre kein Problem, eine Tonne mehr zu leeren“, sagt Torsten Höppner vom WZV, doch die flächendeckende Wertstofftonne bleibt eine Vision.

Mözen/Bad Segeberg. Eigentlich ist Jürgen Molzahn zufrieden mit seiner orangefarbenen Plustonne, in die er seine gelben Säcke mit dem Verpackungsmüll unterbringen kann.

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Wege-Zweckverband kritisiert geplantes Verpackungsgesetz – Anzahl der Plustonnen in Testgemeinden rückläufig.

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Der Mözener wohnt am Dorfrand, viele Tiere stromern hier herum und haben früher die dünnen Säcke zerfleddert. „Das sieht viel gepflegter aus mit der Tonne“, findet der stellvertretende Bürgermeister.

Müllreste nach jeder größeren Windböe einsammeln, muss er auch nicht mehr. Warum er jedoch den Joghurtbecher nicht gleich in die Tonne werfen darf, sondern nur in den gelben Sack, leuchtet dem älteren Herren nicht ein. Wie vielen Kunden des Wege- Zweckverbandes (WZV), die die Plustonne in sechs Modellgemeinden versuchsweise testen. Mit bescheidenem Erfolg. Denn von einer echten Wertstofftonne ist die Plustonne weiter entfernt denn je, nachdem das Wertstoffgesetz gescheitert ist.

Seit vielen Jahren setzen sich die kommunalen Entsorgungsbetriebe – darunter auch der WZV – auf politischer Ebene für ein Wertstoffgesetz ein, um die Entsorgung und Verwertung von Verpackungsmüll und sogenannter stoffgleicher Nichtverpackungen (zum Beispiel Babybadewannen aus Kunststoff) zurück in die Verantwortung der öffentlichen Hand zu legen. „Doch dafür gab es im Bundesrat keine Mehrheit“, sagt WZV-Chef Jens Kretschmer, gleichzeitig Landesgruppenvorsitzender im Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Im Juni wurde das Wertstoffgesetz abgelehnt. Stattdessen wird nun ein Verpackungsgesetz diskutiert, zu dem auch der WZV bis September eine Stellungnahme abgeben wird. Für Kretschmer ist es „eine unbefriedigende Minimallösung“.

Verpackungen mit dem Lizenzzeichen „grüner Punkt“ darf der WZV auch in Zukunft nicht einsammeln, die Plustonne muss deshalb ein Aufbewahrungsbehälter bleiben. Stattdessen vergeben zehn privatwirtschaftliche Träger des Dualen Systems die Sammlung per Ausschreibung. Ein knallharter Wettbewerb, in dem öffentliche Unternehmen keine Chancen hätten, so Kretschmer. Nur der billigste Anbieter gewinnt. Da werde gespart, wo es geht, sagt Torsten Höppner, Leiter der Abfallwirtschaft beim WZV.

Derzeit ist es die Firma Gollan, die im Kreis Segeberg die gelben Säcke einsammelt. Doch ab 1. Januar 2017 wird es die Elbe Containerdienst GmbH aus Wedel sein. „Das ist das dritte Mal in Folge, dass der bisherige Dienstleister die Ausschreibung nicht erneut gewinnen konnte“, so Höppner. Er vermutet, dass die Erstbewerbung jedes Mal zu niedrig kalkuliert gewesen sei und die zweite drei Jahre später mit realistischen Zahlen dann über dem günstigsten Angebot gelegen habe.

„Auf die Vergabe haben wir keinen Einfluss“, betont Kretschmer, der mit dem Wechsel zu einem Dienstleister, der den Kreis nicht kennt, die typischen Probleme erwartet. Demnächst werde es daher ein erstes Abstimmungsgespräch mit dem Unternehmen geben. Denn wenn etwas schieflaufe, so Kretschmer, würden die Kunden beim WZV anrufen, weil sie diesen für zuständig halten. Wenn es etwa keine gelben Säcke mehr gibt – wie vor einem Jahr. Oder wenn Säcke stehen gelassen werden, weil der Inhalt nicht stimmt. Denn eigentlich dürfen nur solche Verpackungen in den gelben Sack, deren Hersteller die Lizenz für den grünen Punkt erworben hat – also für die Entsorgung zahlen. „Auf vielen Milchkartons gibt’s gar keinen grünen Punkt mehr“, nennt Höppner ein Beispiel für die Widersprüchlichkeiten des Systems. Dabei sei das alubeschichtete Material eine gut verwertbare Verpackung. Andere Verpackungen wiederum, zum Beispiel Chipstüten, die zwar über den gelben Sack eingesammelt werden, landen schließlich doch in der Verbrennungsanlage, weil sie nicht mehr verwertet werden können. Wie 60 Prozent des Mülls im gelben Sack.

Kretschmer und Höppner sind sich sicher, dass kommunale Entsorger, die ohne Gewinnabsicht arbeiten, verwertbare Verpackungen besser einsammeln könnten mit der Wertstofftonne.

Die Plustonne in den Testgemeinden allerdings wird bisher eher bescheiden genutzt. Die Auslieferungsquote liegt im Durchschnitt bei nur 14,4 Prozent. Spitzenreiter ist Schmalfeld (15,8 Prozent).

Mözen mit 10,2 Prozent ist Schlusslicht. Warum? „Die Leute wollen dafür kein Geld zahlen“, sagt Jürgen Molzahn nach Gesprächen mit Einwohnern im Dorf. Acht Euro kostet die Tonne im Jahr. Nicht viel, findet er. Die Beobachtung deckt sich mit denen Höppners: „Nachdem wir nach einem Jahr die Rechnungen verschickt haben, hatten wir einige Abbestellungen.“ Insgesamt stehen in den Testgemeinden 2100 Tonnen.

Man sei trotzdem nicht unzufrieden, sagt Kretschmer, der das Trennverhalten der Tester lobt. Die Tonne werde nicht zweckentfremdet. Auch wolle man das Angebot aufrecht erhalten. Das kann jedoch noch nicht garantiert werden. Mit Gollan hatte sich der WZV über die Leerung der Tonnen geeinigt. Mit dem neuen Entsorger müsse man darüber erst noch sprechen.

Knapp 2100 Plustonnen

14,4 Prozent der Haushalte nutzen die Plustonne des WZV in den sechs Testgemeinden im Kreis Segeberg. Henstedt-Ulzburg mit gut 1300 Plustonnen auf 8400 Restmülltonnen (15,5 Prozent) und Schmalfeld mit gut 100 Plustonnen auf 650 für Restmüll (15,8 Prozent) gehören zu den Spitzenreitern. Nach Wiemersdorf (14,5 Prozent), Kisdorf (14 Prozent) und Kaltenkirchen (12,4) bildet Mözen das Schlusslicht mit 16 „Wertstofftonnen“ bei fast 160 Behältern für Restmüll. Erstaunlich findet WZV-Chef Jens Kretschmer, dass die Plustonne entgegen den Erwartungen in der Stadt mehr Anklang als auf dem Land findet.

Nadine Materne

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