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Damals in der Kreutzkampsiedlung

Bad Segeberg Damals in der Kreutzkampsiedlung

Die Geschichtswerkstatt der Bad Segeberger Volkshochschule sammelte Fakten und Geschichten aus alter Zeit.

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Freundinnen aus Kindertagen: Gisela Hille, Irmgard Möhlenbrock und Elke Deffert. Irmgard Möhlenbrock ist eines der Mädchen auf dem Foto zum Siedlungsfest und war zum Vortrag eigens aus Buchholz in der Nordheide angereist.

Quelle: Fotos: Silvie Domann

Bad Segeberg. Wohnungsnot in der NS-Zeit, Siedlungsbau und das Leben von Siedlern stehen derzeit im Fokus der Geschichtswerkstatt der Volkshochschule. Knapp vier Jahre haben die etwa zehn Mitglieder Informationen zur Kreutzkampsiedlung zusammengetragen. Zusätzlich zu Ausstellung und Buch trugen nun Dr. Ulrich Altner, Elke Deffert, Joachim Geppert, Ingrid Greve, Karin Jensen, Manfred Quaatz, Dr. Christopher Schumacher, Volker Zarp und Peter Zastrow die Ergebnisse vor. Und Stadtgeschichtler Peter Zastrow erläuterte die Namensgebung der Siedlung: Ein Galgen hatte einst auf dem Feld zwischen der heutigen Lübecker und Oldesloer Straße gestanden.

Die über 100 Zuhörer bekamen nicht nur einen kompakten Überblick über Entwicklung und Entstehung der Kreutzkampsiedlung, sondern auch ein Gefühl für das damalige Leben. Auf der einen Seite war es geprägt durch Arbeit und Überleben, auf der anderen Seite durch nachbarschaftliche Hilfe und weniger Reglementierungen. So hatten zum Beispiel 1955 die Bewohner des Wiesengrundes innerhalb von vier Monaten in Wochenendarbeit die eigene Kanalisation verlegt, die Straße gepflastert und einen Gehweg angelegt.

Nach dem 1. Weltkrieg fehlten 1,5 Millionen Wohnungen in Deutschland. Auch in Bad Segeberg herrschte Wohnungsnot: 5295 Einwohner lebten in 709 Gebäuden mit insgesamt 1353 Wohnungen, in 35 davon wohnten 266 Personen. Diese Wohnsituation musste sich verbessern — leichter gesagt als getan, denn durch die Inflation waren Grundeigentümer mit einem Schlag entschuldet. „Für ein Ei konnte man ein Haus abzahlen“, betonteZarp und erklärte: Ein Ei kostete 18 Millionen Reichsmark, war noch eine Hypothek von 3000 Reichsmark auf einem Haus, konnte die mit dem Verkauf eines Eis getilgt werden. Als Gegenmaßnahme wurde die Hauszinssteuer eingeführt,eine Abgabe für vor 1918 erbaute Gebäude. So wurden Hauseigentümer für die Kosten des öffentlich geförderten Wohnungsbaus herangezogen.

Auf die verschiedenen Siedlungsgebiete und Bedingungen für den Erwerb eines Hauses mit Grundstück gingen Manfred Quaatz, Dr. Ulrich Altner und Dr. Christopher Schumacher ein. Gesund, NSDAP-linientreu und kinderreich mussten die Bewerber sein. Von jedem wurden 2000 Arbeitsstunden in Eigenleistung erwartet. Das konnten nur gesunde Arbeitslose erbringen. „Meine Mutter hat davon berichtet, dass sie beim Kelleraushub mitgearbeitet hat“, erzählte Elke Deffert, die 1939 in der Kreutzkampsiedlung geboren wurde. Alle Kinder seien damals Hausgeburten gewesen. Es habe so viele Kinder gegeben, dass man ein eigenes Kindervogelschießen gefeiert habe. Ebenso wurden eigene Karl-May-Spiele aufgeführt: „Fünf und zehn Pfennig Eintritt haben wir genommen, alle Eltern sind gekommen“, sagte Elke Deffert.

Es war eine beschwerliche, aber auch eine schöne Zeit, fassten die Zuhörerinnen Gisela Hille und Irmgard Möhlenbrock zusammen. „Wir konnten noch wild sein, ich habe die Freiheit als Kind sehr genossen“, schwärmte Irmgard Möhlenbrock, die in der Kreutzkampsiedlung aufgewachsen ist. Und nun reiste die Alt-Segebergerin extra zum Vortrag aus Buchholz in der Nordheide an.

Buch zur Ausstellung
5 Euro kostet das begleitende Buch zu der Ausstellung. Zu kaufen ist es in der Poststelle des Rathauses oder bei der Volkshochschule. Die sehenswerte Ausstellung „Die Kreutzkampsiedlung in Bad Segeberg“ läuft noch bis zum 13. März mit zahlreichen Fotos und Dokumenten im Rathaus.

Silvie Domann

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