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Segeberg Damals war‘s — Ernte 23 und der Kommissar in schwarz-weiß
Lokales Segeberg Damals war‘s — Ernte 23 und der Kommissar in schwarz-weiß
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23:15 21.09.2013
Das Buch ist zu Anfang für Heinz Strunk reine Dekoration, vor der Lesung fliegt es auf den Boden. Quelle: Foto: ark

Ein Autor liest im Bürgersaal und alles lacht sich schlapp. Beinahe eine ganze Generation von Lesern hat sich schon ausgeschüttet vor Lachen über die Versuche des jungen Mathias, mit 23 Jahren vom Tanzmucker zum Star aufzusteigen und doch immer nur Dorfsaal um Dorfsaal zu erleben und immer wieder „An der Nordsee-küüühüüüste“ spielen zu müssen. „Fleisch ist mein Gemüse“ heißt dieses erfolgreich verfilmte Buch von Heinz Strunk, dem alter Ego von Mathias Halfpape.

Wie aber hat das alles mit dem jungen Mathias mal angefangen? Wie erlebte ein Kind die „Zwergensiedlung“? Darauf gibt „Junge rettet Freund aus Teich“ Antwort — Strunks fünfter Roman und in der autobiographischen Abfolge doch der erste. Freitagabend gastierte Strunk auf Einladung der Agentur Meier & Konsorten zum dritten Mal in Bad Segeberg, das neue Buch im Gepäck, und man kann nur sagen:

Er hat sein Stammpublikum nicht enttäuscht und dazu noch so manchen Anhänger im voll besetzten Auditorium hinzugewonnen.

Heinz Strunk auf der Bühne, das ist keine Lesung. Strunk-Halfpape verachtet nach eigener Aussage jene Autoren, die auf der Bühne aus gebundenen Büchern lesen. Er hingegen hat ganze Kapitel zu einer Kurzgeschichte verdichtet, liest von losen Blättern, stets unterbrochen von passenden Anekdoten, schlägt mit schweren Ringen an seinen Fingern mit flacher Hand auf den Tisch — kurz:

Dieser Mann zelebriert seine Lesung, macht einen Mucker-Auftritt daraus. Am Ende sogar mit handgemachter Musik auf der Querflöte, und nicht erst da war zu merken, wie viel Spaß der Autor selbst an solchen Auftritten hat. Bereits im ersten Teil hatte Strunk erklärt, für wie albern er das Getue mit dem Glas Wasser auf der Bühne halte. Man könne doch wohl eineinhalb Stunden durchhalten ohne gleich zu dehydrieren: „Und ich habe auch vorgetrunken, und zwar keinen Gänsewein. Auch ich möchte doch an diesem Abend ein bisschen Freude haben.“

Mühelos wirkt das, sehr locker, sehr cool, sehr zufällig. Ist es aber nicht. Um diese Form von Lesung so locker erscheinen zu lassen, bedarf es viel Disziplin und eines guten Timings. Für beides haben Strunk die Jahre als „Dorfmusiker“ sicher nicht geschadet, seine breite Palette an verschiedenen Lese- Stimmen aber habe er nach eigener Aussage von den gut 250 sinn- wie erfolglosen Kurzhörspielen, die er in der Vergangenheit als einziger Darsteller selbst aufgenommen habe. Im Rathaussaal quatscht da Kumpel Manfred im norddeutschen Slang den zehnjährigen Mathias an: „Du rauchst ja gar nicht Lunge, Mann.“ Derselbe Manfred wird von seinem Vater, einem Bauern, mit dem Trecker über das ganze Feld gehetzt und zur Auflösung der Szene mit grässlicher Jähzorn-Kommandostimme zusammengefaltet. Nicht zu vergessen die herrlichen je zwei Oma- und Opa-Stimmen des Abends.

Dieser fünfte Roman mag für die ganz jungen Leser/Hörer den Nachteil haben, dass Strunk viel mit Dingen hantiert, die heutige Generationen nicht mehr kennen. Für uns aber, die wir — eine qualmende Ernte 23 in der Hand — in schwarz-weiß Kommissar Keller im ZDF verfolgten, war dieser Abend ein schieres Abtauchen in die eigene Jugend. Jaja, so war das damals.

Das Strunk-Prinzip
Spätestens seit sein Buch „Fleisch ist mein Gemüse“ 2007 verfilmt wurde, kennt ihn jeder: Heinz Strunk, 1962 in Hamburg als Mathias Halfpape geboren, ist Autor, Musiker und Moderator. In den späten 80ern gehörte Halfpape zur Band von Michy Reincke („Valerie Valerie“, „Mit einem Taxi nach Paris“). Von 2003 bis 2004 moderierte er die Viva-Sendung „Fleischmann TV“ . Sein Durchbruch als Autor kam 2004 mit „Fleisch ist mein Gemüse“, in dem er weitgehend die eigene Geschichte eines erfolglosen Musikers schildert und gekonnt die norddeutschen Provinz auf den Arm nimmt. Als Erstauflage wurden 4000 Exemplare gedruckt — inzwischen ist das Buch über 400 000 Mal verkauft worden.

Vier Jahre später legte Strunk mit dem Roman „Die Zunge Europas“ nach: Ein Comedy-Autor beschreibt eine Woche seines skurrilen und doch recht trostlosen Lebens. Im Deutschen Schauspielhaus wurde 2005 die Operette „Phoenix — Wem gehört das Licht“ uraufgeführt, die auf dem Bestseller Strunks basiert. In der Verfilmung von Christian Görlitz ist Strunk selbst als Kommentator zu erleben. Seit Frühjahr 2012 schreibt er für das Satire-Blatt Titanic die Kolumne „Das Strunk-Prinzip“. Quelle: Wikipedia

Lothar Hermann Kullack

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