Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Das Container-Dorf wächst
Lokales Segeberg Das Container-Dorf wächst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:47 06.01.2016
Container an Container werden an befestigten Wegen auf Betonsockel gestellt. Jeder der Kästen hat ein Fenster und eine Tür. Am Ende sollen in drei großen Bereichen auf dem ehemaligen Kasernen-Sportplatz bis zu 2000 Flüchtlinge leben können. <QM> Quelle: Heike Hiltrop

Geschäftiges Treiben herrscht bei klirrender Kälte auf dem Gelände des Levo-Parks an der B 206. Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge wächst, doch bezugsfertig ist sie frühestens in sechs Wochen.

Bagger schieben Erdreich beiseite, um Wege vorzubereiten. An der Hauptachse stehen etliche Stromverteilerkästen bereit, um positioniert zu werden. Ein Tieflader mit zwei von später 625 Wohn- und 375 Funktionscontainern rangiert durch das große Tor im neuen Holzzaun. Der trennt den Unternehmerpark vom Flüchtlingsdorf für 2000 Menschen mit Schulungsräumen, Kindergarten, Büros, ärztlichem Dienst, Isolier- und Polizeistation. Ein Hubfahrzeug wartet darauf, die großen Metallkästen mit Tür und Fenster auf den Haken zu nehmen, um sie auf ihre endgültige Position, ein paar Betonsockel, zu setzen.

Eigentlich sollten die ersten Flüchtlinge schon im Dezember eingezogen sein. Ein Wunsch des Landes, der sich nicht erfüllte. „Nach jetzigem Stand wird es nichts vor Anfang März“, sagt Dietrich Könnecke. Der Segeberger Polizist und seine Kollegin Karina Grün gehören   der „BAO-Flüchtlinge“ (Besondere Aufbauorganisation) des Landespolizeiamtes an. Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen ist seit Monaten der Job der beiden. Dass es in Bad Segeberg zu Verzögerungen kommt, sehen sie gelassen: „Derzeit ist die Lage im Land entspannt. Unsere Erstaufnahmen haben freie Kapazitäten.“ Der Unterbringungsdruck sei momentan nicht so groß, „aber die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass sich das von einen auf den anderen Tag ändern kann“.

Seit Mitte 2015 sind der 53-Jährige und die 41-Jährige mit der Aufgabe betraut, gehören einem Fachteam an. Zuvor hatten sie beim G7-Gipfel der Außenminister in Lübeck ein Containerdorf für 1000 Beamte gemanagt. Objektrecherche im ganzen Land, innerhalb von Stunden eine Unterbringung für Hunderte von Menschen schaffen mit allem, was notwendig ist — für sie Alltag. Die beiden sind stresserprobt. Noch gut erinnert sich Karina Grün an das „Kampfshoppen“ von Betten, Matratzen und anderen für die Unterbringung notwendigen Dingen, als es nur noch darum ging, so schnell wie möglich zu reagieren. Das Organisationsteam ist größer geworden, in der Einrichtung in Boostedt wurde inzwischen ein großes Zentrallager eingerichtet.

„Wir sind jetzt die Manager und Macher vor Ort, aber später ist hier die halbe Landesverwaltung vertreten“, sagt Dietrich Könnecke und lenkt den Polizeiwagen, das fahrende Büro für ihn und seine Kollegin, durch den Levo-Park Richtung künftiger Erstaufnahme. Deren Eingang wird später an der Kreisstraße 102 liegen. Drei Bereiche für das Wohnen und Leben sind geplant. Zwei werden eingeschossig, einer doppelstöckig errichtet. Gerade habe es die Zusage für die Nutzung von zusätzlich drei mehrgeschossigen Gebäuden am Jaguarring gegeben. Könnecke und Grün loben die gute Zusammenarbeit mit dem Levo-Park-Management.

In der ehemaligen Kleiderkammer, einem Flachdachbau, entsteht die Polizeistation. Die Trockenbauer legen gerade letzte Hand an. Über 20 Paletten Gipskarton hätten sie verbaut, sagt Michael Beuthner.

„In Hochgeschwindigkeit!“ Und der Elektriker einer örtlichen Firma rechnet vor, dass er allein hier fünfeinhalb Kilometer Leitungen verlegt habe. Etliche Handwerksbetriebe aus der Region arbeiten an der künftigen Infrastruktur. Das Rote Kreuz stellt sich darauf ein, die Betreuungsaufgaben zu übernehmen, bestätigt ein Sprecher. Für 2000 Flüchtlinge sei eine Plangröße von 70 bis 80 hauptamtlichen Mitarbeitern vorgesehen.

Wenig Schlaf, hoher Druck, immer wieder neue Situationen — Dietrich Könnecke und Karina Grün sind sich einig: Sie hätten in den vergangenen Monaten ihre Grenzen kennengelernt. „Wenn die Familie nicht 100-prozentig hinter einem stehen würde, könnte man das gar nicht machen.“

Heike Hiltrop

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige