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Segeberg Das Geheimnis der Meerjungfrauen
Lokales Segeberg Das Geheimnis der Meerjungfrauen
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10:47 08.01.2018
Vanessa Reder (28) als Mermaid Lille: Die echte Flosse wird mit einer Menge Olivenöl angezogen, da dauert der Rollenwechsel schon ein wenig länger. Quelle: Foto: Irene Burow
Bad Segeberg

Auf Englisch meldet sich Vanessa Reder, als wir zum ersten Mal telefonieren. Da steigt sie gerade in Amsterdam aus dem Flieger. Sie kommt aus Singapur, wo sie zwei Wochen lang auf einem LuxusKreuzfahrtschiff Kurse gegeben hat. Heute gibt sie im Segeberger Hallenbad den ersten Meerjungfrauenkurs. Ein Crashkurs.

Die Hände parallel über dem Kopf oder eng am Körper, dann ausladend die Hüften bewegen – die Technik beim Meerjungfrauenschwimmen ist schnell erklärt. In der Praxis ist das aber nicht ganz so einfach. „Das braucht Routine“, sagt die 28-Jährige. Einem sind regelrecht die Beine gebunden. Ganz ungefährlich ist das nicht. Unter Wasser muss man Ruhe bewahren, darf keine Panik bekommen. Oder zumindest muss man – so wie sie – wissen, was zu tun ist. Deswegen führt Vanessa, die den Meerjungfrauennamen „Lille“ trägt, sehr behutsam an das Thema heran. Sie fragt, was eine Meerjungfrau eigentlich ist – halb Mensch, halb Fisch? Sie erzählt von der ersten Meerjungfrauenschule der Welt, die 2012 von Katrin Gray gegründet wurde, und für die sie arbeitet. Seit einem halben Jahr gibt sie ihr Wissen an Nachwuchsnixen weiter.

Der Trend schwappt nach Schleswig-Holstein: Schwimmen wie eine Meerjungfrau, dieser Fantasiesport lässt ab sofort Mädchenherzen in Bad Segeberg höher schlagen. Das Hallenbad ist eines der ersten im Land, weitere Einrichtungen sollen folgen.

„Augen auf und lächeln, es geht um Inspiration. Vanessa Reder Meerjungfrauentrainerin

Die Flosse wird am Beckenrand angezogen, Stück für Stück. Sie lässt sich an jedem Fuß einzeln festziehen. Der Bikinistoff ist schnell angezogen, langsam gleiten wir ins Wasser. Auf dem Rücken liegend lässt sich die wellenförmige Bewegung sicher ausprobieren, bevor es unter Wasser geht. Und auch dort ist die Schwimmtechnik nicht das Problem. Das Luft anhalten schon eher. „Lille“ ist Profi:

Problemlos taucht sie 25 Meter, dreht sich um ihre eigene Achse, verteilt Küsse in die Kamera und posiert auf dem Grund für Fotos. Ihre monatelange Übung zeigt, worum es beim „Mermaiding“ außerdem geht. „Augen auf und lächeln, es geht um Inspiration. Unser Alltag ist schon trist genug. Meerjungfrau ist man aus dem Herzen heraus“, sagt sie, als würde sie den ganzen Tag nichts anderes tun, als wie Arielle durchs Wasser schweben und Freude vermitteln. „Uns kann nichts herunterziehen, außer die Flosse, wenn man sie nicht richtig bewegt“, sagt sie lachend. Und damit das nicht passiert, hat sie inzwischen nicht nur Kurse im Frei- und Streckentauchen absolviert. Sie ist auch Rettungsschwimmerin. „Eine Voraussetzung, um mit Kindern arbeiten zu können. Ich möchte nicht in einer Situation kommen, die ich nicht händeln kann.“ Und mit ein bisschen Übung, kann man schon nach einer Stunde ein Stück mit ihr parallel durchs Wasser tauchen.

Als das Hallenbad vor Kurzem sein 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, war zum ersten Mal eine Meerjungfrau zu Gast. „Die Nachfrage war so überwältigend, dass wir uns nach einer Trainerin umgesehen haben“, sagt Hallenbadleiterin Bianca Lobsien. Über die Meerjungfrauenschule wurden sie mit Vanessa Reder schnell fündig, die im bürgerlichen Leben im Lübecker Rathaus arbeitet. Die ersten Kurse in Bad Segeberg sind schon ausgebucht. „Das ist erst der Anfang“, sagt die Nixentrainerin. „Wir hoffen sehr bald, auch in weiteren Schwimmbädern im Norden unterrichten zu können.“

Meerjungfrauenschwimmen hat sich in den letzten Jahren zu einem Trend entwickelt. Mermaiding sei die ideale Kombination aus Fantasie und Fitness, sagt Vanessa Reder. Kinder haben Spaß im Wasser und verlieren die Angst vorm Schwimmenlernen. Die professionellen Nixen setzen sich zudem für den Schutz der Meere ein. Die Gründerin der Nixenschule, Katrin Gray oder „Mermaid Kat“, arbeitet weltweit als professionelle Meerjungfrau und Unterwasser-Stuntfrau. In Thailand hatte es einst begonnen, inzwischen werden Workshops in Malaysia, auf den Philippinen, in Indonesien, Österreich, Deutschland, der Schweiz, Ägypten, Schottland und Australien gegeben. Über 6000 Nachwuchsnixen wurden bereits ausgebildet.

Und die hübsche blonde Meerjungfrau Lille, die in Deutschland übrigens die Wahl zur Miss Mermaid 2015/2016 gewonnen hat, freut sich auf die Teilnehmerinnen und sowie angehende Meermänner in Bad Segeberg. 2014 hatte sie selbst zum ersten Mal eine Flosse an. Seitdem lässt sie der Mädchentraum nicht mehr los. Für besondere Anlässe holt sie dann ihre maßgeschneiderte, ganz eigene Flosse hervor.

„Andere kaufen sich ein Auto, ich hab eben eine Flosse“, sagt sie. Mehr als zwölf Kilo wiegt diese, Kosten: 2500 Euro. Wer ihr sagt, das mit dem Meerjungfrauenleben sei alles Quatsch, dem entgegnet sie: „Ich war in Malaysia, auf Java und Bali und habe so viel erlebt. Und das nur, weil ich meinem Herzen gefolgt bin.“

Und was ist sie nun die Meerjungfrau, mehr Mensch oder mehr Fisch? Das wird im Kurs verraten. Nur so viel: Weder noch.

Ein Video vom Crashkurs gibts auf www.ln-online.de/Videos

Die Termine

Jeden ersten Sonntag im Monat, je um 9.30 Uhr, findet ein Kurs im Hallenbad statt. Er dauert etwa 1,5 Stunden. Nächste Termine sind am 4. Februar, 4. März, 8. April (wegen Ostern), 6. Mai und 3.

Juni. Anmeldung unter www.meerjungfrauen-schule.de. Die Kosten betragen 40 Euro pro Tag plus 5 Euro Flossenleihgebühr. Im Hallenbad ist eine Eintrittskarte zu lösen. Weitere Infos unter Telefon: 04551/968909.

 Irene Burow

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