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Das Jesuskind heute — Karton statt Krippe

Bad Segeberg Das Jesuskind heute — Karton statt Krippe

Bad Segeberg - Für sie ist es die fordernste Zeit des Jahres. Die LN fragten fünf Pastorinnen und Pastoren aus dem Kirchenkreis Plön-Segeberg: „Wie gestalten Sie ihre Predigt zum Heiligen Abend? Wie lautet Ihr wichtigstes Thema?“

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Nicht zu Hause zu sein, das kennen auch Krankenhaus- patienten.“Krankenhaus-Pastorin Luise Müller-Busse

Bad Segeberg. Das Jesuskind läge heutzutage in einem Pappkarton in einer schmucklosen Garage. Manche Menschen besuchen ausschließlich am Heiligabend ihre Kirche, doch auch die sollte der Pastor in der Heiligen Nacht nicht beschimpfen. Für Josef war die Geburt von Jesus eigentlich eine ungewollte Vaterschaft — all das sind einige der Gedanken von Pastoren aus dem Kirchenkreis zum Heiligabend. „Wie werden Sie diese Weihnachten ihr Predigtthema gestalten?“ fragten die LN stellvertretend fünf Pastorinnen und Pastoren.

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Pastorin Gabriele Dreßler, hier vor der Krippenausstellung in St. Marien, will in Neuengörs über Josef und Jesus reden.

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Der Bad Segeberger Pastor Kristian Lüders hat es sich nicht leicht gemacht für seine Christvesper von 18 Uhr an in St. Marien und zuvor ab 15 Uhr zur „Kunterbunten Kinderweihnacht“ in der Versöhnerkirche. Er hat sich zuvor lange mit Mark Zielinski, dem Bad Segeberger Feuerwehrchef, unterhalten. Der Gemeindewehrführer war dabei, als das Kostüm der damals siebenjährigen Lena beim Krippenspiel am Heiligabend 2011 in St. Johannes Feuer fing. Das Mädchen war in Lebensgefahr, überlebte nur aufgrund des mutigen Einsatzes eines Ersthelfers, musste hernach drei schwere Operationen überstehen.

„Das Licht der Weihnacht verbrennt ein Kind — das zerreißt das Herz und verschließt den Mund“, sagt Pastor Lüders, der dieses Thema zum Inhalt seiner Weihnachtspredigt machen will. Und noch ein Krippenspiel beschäftigt Lüders: Seit Jahren hat er mit Müttern ein Spiel entwickelt, bei dem alle Kinder mitspielen können. Das geschieht seit Jahren in Groß Rönnau — nun findet das Krippenspiel am Heiligabend ab 15 Uhr in der Versöhnerkirche statt. Ob der Umzug gelingen wird?

Überhaupt, Krippen: Pastor Lüders denkt an die wunderschöne Ausstellung mit über 130 Krippen in St. Marien und stellt sich vor, wie Jesus heute zur Welt kommen würde. In einer Krippe würde Gottes Sohn sicher nicht liegen — die sind außer Mode. Wo aber würde man das Jesuskind betten? „Ich glaube, in einem Pappkarton, oder in einer Bananenkiste aus dem Supermart, in einer Garage“, sagt Lüders.

„Gott wird groß im Elend dieser Welt. Darüber möchte ich dieses Jahr im Weihnachtsgottesdienst reden.“

Mit der Krippe hat auch der Wahlstedter Pastor Alf Kristoffersen am Heiligabend zu tun: „Das Krippenspiel ist in Wahlstedt seit Jahren der ,Straßenfeger‘ schlechthin“, sagt Kristoffersen. Die erste Aufführung zum Thema „Weihnachtskarawane“, vorbereitet vom Kirchenmusiker Daglef Polzin mit dem Kinderchor, ist bereits übermorgen am 4. Advent zu erleben, und am Heiligabend wird es ab 14.30 Uhr in der Christuskirche erneut aufgeführt.

Hat die Menschwerdung

Folgen fürs konkrete Leben?

Alf Kristoffersen predigt aber schon vorher, nämlich um 10 Uhr bei einem Gottesdienst im Pflegeheim mit 40 dementen Bewohnern und ihren Angehörigen. Dass Gott die Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen begleitet, soll hier sein Thema sein. Dann die Christmette ab 23 Uhr: Pastor Kristoffersen will hier zur Lesung der Weihnachtsgeschichte und einiger prophetischer Texte Hesekiel 37, 24 - 28 in den Vordergrund stellen: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein.“ Hat es Folgen für das persönliche Leben, dass Gott Mensch geworden ist? Ist das ein Anspruch oder eine Aufgabe?

Das sind einige der Fragen, die Kristoffersen stellen, aber auch beantworten will: „Gott stärkt uns, wenn wir unser Leben gestalten, wenn wir für unsere Kinder und Kindeskinder, für die Menschen, die uns begegnen und die uns anvertraut sind, gestalten.“

„Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“: Diesen Halbsatz aus der Weihnachtsgeschichte will Luise Müller-Busse, Krankenhauspastorin in den Segeberger Kliniken und in der Bad Oldesloer Asklepios-Klinik, in den Mittelpunkt ihrer Predigt stellen. Dabei, so die Pastorin gehe es nicht allein um die Heimatlosigkeit des Jesus Christus: „Nicht zu Hause sein, das haben die Patienten mit Maria und Joseph und dem Christkind gemein, sondern an einem fremden Ort sein, in diesem Fall im Krankenhaus.“

Gibt es für manche Menschen so etwas wie ein Fremdheitsgefühl gegenüber dieser Welt generell, die Umwelt im ganzen? Und wo ist eigentlich unser Zuhause, unsere eigene Heimat? fragt Pastorin Müller-Busse. Gott in Gestalt von Christus helfe da den Menschen: „Er kommt zu uns in unsere Welt, hält mit uns gemeinsam diese Heimatlosigkeit aus, dieses Fremdsein, und damit sind wir dann nicht allein in dieser Welt, wo wir auch sind in dieser Heiligen Nacht: Gott ist mit uns.“

In Neuengörs werden die Gottesdienstbesucher von einer ungewollten Vaterschaft und dem ausgelieferten Kind oder auch von der Veränderung eines Männerherzens hören: „Josef aber gedachte, sie heimlich zu verlassen . . .“ ist der Bibelabschnitt, den sich Pastorin Gabriele Dreßler für die Christvesper um 17 Uhr herausgesucht hat. Zur Christmette ab 23 Uhr geht es dann um das Zitat „Sich geschätzt wissen“: Gabriele Dreßler wird über das Schätzen und Schätzungen predigen und so meditative Impulse zu den Bibelworten Johannes 1,14, Matthäus 2,11 und Lukas 2,1 setzen.

Pastor Diethelm Schark predigt von 23 Uhr an in der Christmette in der Bad Oldesloer Peter-Paul-Kirche. Im Gegensatz zu der großen Umsicht, mit der das Weihnachtsfest im Familien- und Freundeskreis vorbereitet wird, hat er beobachtet: „Dagegen ist das Treiben in den Geschäften und in den Auslagen in den Tagen und Stunden davor geprägt von Mühe und Unruhe. Wir haben die Weihnachtsfreude vielerorts durch den Weihnachtsstress ersetzt.“

Hier regt Diethelm Schark an, sich die Krippendarstellungen anzusehen: „Die Figuren schauen immer auf die Mitte, auf die Krippe mit dem Kind. Sie zeigen darauf, worauf es doch immer nur ankommt: Gott liebt diese Welt. In aller Unruhe leuchtet hier die Ruhe auf.“ So will der Geistliche seine Zuhörer während der Christmette anregen, sich wieder auf den eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes zu besinnen.

Lothar Hermann Kullack

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