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Das Leben mit „Tini“ angenommen

Bad Segeberg Das Leben mit „Tini“ angenommen

Die Behinderung ihrer Tochter brachte Marlis Stagat an ihre Grenzen, jetzt hilft sie anderen Betroffenen.

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Marlis Stagat und ihre Tochter Christina. Zehn Monate nach der Geburt wurde die Diagnose „Pachygyrie“, eine angeborene Gehirnfehlbildung, bei dem Mädchen gestellt. Heute ist sie eine äußerst fröhliche junge Frau mit einer Vorliebe fürs Shoppen.

Quelle: Foto: Dreu

Bad Segeberg. Wer Marlis Stagat kennenlernt, kommt unweigerlich zum dem Schluss: Diese Frau kann so schnell nichts erschüttern. Das jedoch war nicht immer so, denn hinter der quirligen Frau liegen schwere Zeiten, die, so sagt sie heute, sie oft verzweifeln ließen. Nur fünf Monate nach dem Tod ihrer Mutter brachte sie 1995 ihre behinderte Tochter Christina, die alle nur „Tini“ nennen, zur Welt. Zwei Jahre später ihren Sohn Nico, der ebenfalls mit einer Behinderung leben muss, die allerdings nicht so ausgeprägt ist wie bei seiner Schwester. So manch einer hätte angesichts dieser Situation vielleicht resigniert – nicht so Marlis Stagat, die heute noch dem Verein „Lebenshilfe“ und der Traveschule für deren Unterstützung dankbar ist: „Sie waren immer für mich da, manchmal auch nur dafür, dass ich mich bei ihnen ausheulen konnte.“

Die Versicherungskauffrau sprüht vor Tatendrang und weiß neben ihren Kunden und Mitarbeitern auch die oberste Führungsebene ihres Unternehmens hinter sich. Seit vergangenem Jahr ist sie zudem Vorsitzende der Unternehmervereinigung „Wir für Segeberg“ und IHK-geprüfte Generationenberaterin, die Kunden und Nicht-Kunden darüber berät, im Notfall gerüstet zu sein. Was alles dazugehört und wie schwer der Kampf gegen Windmühlen sein kann, weiß sie aus eigener Erfahrung.

Sie und ihr Noch-Ehemann Dirk glaubten, nach der Geburt von „Tini“ ein kerngesundes Mädchen in den Armen zu halten. Mit zehn Monaten jedoch bekam das Mädchen seinen ersten epileptischen Anfall und die Diagnose „Pachygyrie“, eine angeborene Gehirnfehlbildung. Für die jungen Eltern brach eine Welt zusammen. Sie, Freunde und auch ihre Familien waren mit der Diagnose völlig überfordert.

„Wir haben weitere ärztliche Meinungen eingeholt, sind sogar im Kinderzentrum in München gewesen. Damals hatten wir eine Diagnose, die uns nichts sagte, und eine Prognose, die uns auch eine Weile den Kopf in den Sand stecken ließ“, denkt Marlis Stagat an die schwere Zeit vor 22 Jahren zurück. Die Ärzte hätten ihnen erklärt, dass ihre Tochter weder krabbeln noch frei sitzen können werde, dass sie lebenslänglich gefüttert und gewickelt werden müsse, nicht sprechen könne und stets auf Hilfe angewiesen sein werde. „Wir haben uns dennoch entschieden, die Aufgabe, die wir mit der Geburt von Christina bekommen haben, selbst anzunehmen. Wir haben uns zu Hause um sie gekümmert und sind auch heute noch als Eltern ein tolles Team. Trotz Trennung unterstützen wir unsere Kinder und uns gegenseitig so gut es geht“, erzählt Marlis Stagat. Froh und dankbar ist sie dafür, dass sich die düsteren Prognosen für „Tini“ nicht ganz bewahrheitet haben. „Christina läuft sehr sicher und benötigt weder Gehilfe noch Rollstuhl. Sie kann manche Lebensmittel sehr gut selbst essen, spricht sogar einige Worte und hat ein gutes Wortverständnis“, freut sich die Mutter. Trotz der vielen kleinen Erfolgserlebnisse ist „Tini“ dennoch rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen und kann nicht einfach mal alleine zu Hause bleiben.

Mit der Pflege ihrer Tochter seien sie und ihr Ehemann gelegentlich an ihre Grenzen und darüber hinaus gegangen. Weitaus schlimmer jedoch sei die Bürokratie mit einem Wust an Formularen gewesen.

„Allein für die Verwaltung könnte ich einen Minijobber beschäftigen“, sagt die Generationenberaterin. „Wenn ich die Lebenshilfe nicht gehabt hätte, hätte ich vieles gar nicht gewusst“, sagt Marlis Stagat. Durch „Tini“ habe sie gelernt, wie man sich durch einen Paragraphen- und Formular-Dschungel kämpfen müsse. „Ich habe aber auch gelernt, nie den Kopf in den Sand zu stecken. Hätten wir ihre Prognose damals verinnerlicht, könnte sie heute nicht laufen und wäre keine fröhliche, junge Frau, die mit Vorliebe shoppen geht und am liebsten im Reitstall bei den Pferden ist“, sagt Stagat.

„Ohne Tini wäre ich sicher nicht die, die ich heute bin. Viele Dinge, die ich in den vergangenen Jahren lernen musste, kann ich heute als Generationenberaterin weitergeben“, sagt sie. Um ihre eigenen Erfahrungen anderen Menschen zu vermitteln, hat Marlis Stagat inzwischen den Podcast „Schutzengel on Air“ ins Leben gerufen. Dort sollen Interviews mit Steuerberatern und Juristen, aber auch viel Persönliches aus dem Leben mit Behinderungen veröffentlicht werden.

Infos und Podcast

Weitere Informationen sind auf der Internetseite www.generationenberatung-segeberg.de zu finden. Dort stehen auch die nächsten Termine für Informationsveranstaltungen, die unter anderem am 31.

August, 18. September, 12. Oktober und 30. November jeweils um 18 Uhr stattfinden. Anmeldungen sind dafür erforderlich.

Zum Podcast „Schutzengel on Air“ gelangt man über die Adresse https://itunes.apple.com/de/pod cast/schutzengel-on-air/id12617336 44?mt=2. Über YouTube können sich Interessierte in den nächsten Tagen die Inhalte auf der Seite „Provinzial am Kalkberg“ auch direkt anhören.

Petra Dreu

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