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Segeberg Das Mostmobil am Schrebergarten
Lokales Segeberg Das Mostmobil am Schrebergarten
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09:00 26.10.2016

„Beim Reinbeißen muss es ein Gefühl sein, als nehme man einen ordentlichen Schluck Saft mit ein bisschen Fruchtfleisch dabei“, sagt Ulrich Bultmann und lässt sich einen der frisch geernteten Äpfel aus der Kiste neben sich schmecken. Wohl ein Boskoop, vermutet er. „Vielleicht aber auch ein Rubinette oder so.“ An der Kleingartenkolonie „Seeland“ in Bad Segeberg herrscht geschäftiges Treiben. Quer über die Streuobst-Wiese haben die Männer und Frauen Äpfel probiert und alle Sorten, die geschmeckt haben zusammengetragen. Apfelsaft soll aus ihnen werden. Um das eigene Obst verarbeiten zu können, haben sich die Laubenpieper erstmals Richard Rau mit seiner mobilen Mosterei eingeladen.

Mit einer generatorbetriebenen Hightech-Presse hat Richard Rau in Bad Segeberg Station gemacht.

Schon seit 1946 ist das Möllner Familienunternehmen im Saftgeschäft. 2006 hat der 43-Jährige den elterlichen Betrieb übernommen. Koch habe er mal gelernt. Neben der Mosterei produziert er Bier, zusammen mit einem schottischen Braumeister und zusätzlich toure er seit zwei Jahren mit seinem Mostmobil – einer generatorbetriebenen Hightech-Presse. „Das ist mein Baby, sozusagen das Flaggschiff der Firma“, sagt er stolz.

Per Knopfdruck setzt Rau ein Laufband in Bewegung. Es befördert die Äpfel aus dem sogenannten Elevator weiter zum Zerkleinern. Gleichzeitig wird das Obst, das zuvor ein Wasserbad genommen hat, noch einmal abgeduscht. Nach dem Schreddern geht es in die Siebfiltration, Saft und Trester werden getrennt. Das bestmögliche Aroma wird im Vakuum erreicht, bevor die Zentrifuge Schwebstoffe aussortiert.

„Für die Kosmetik“, sagt Rau und zeigt auf zwei Edelstahltanks. Die nächste Station ist der Pasteurisierer, bei dem der Saft auf 80 Grad Celsius erhitzt wird, bevor er in die vollautomatische Abfüllung geht – entweder in Ein-Liter-Glasflaschen oder Tetrapaks mit einem, drei oder fünf Liter Fassungsvermögen.

„Der schmeckt einfach lecker“, schwärmt Ilona Münter, die Vorsitzende des Kleingartenvereins. Davon dürfen sich auch all diejenigen, die um das Mostmobil herum stehen und warten, bei einem Schluck überzeugen. „Gar kein Vergleich mit dem süßen Kram, den man üblicherweise im Geschäft kaufen kann“, urteilt Ulrich Bultmann, der es schätzt, zu wissen, wo ein Lebensmittel herkommt und wie es produziert wurde. „Am besten aus der Region“, sind sich die Umstehenden einig. Und eigentlich am besten aus dem eigenen Garten. Kein Wunder also, dass so mancher die Einladung der Laubenpieper gerne angenommen hat, mit der eigenen Apfelernte zum Mosten vorbeizukommen. Zumal die Aktion kostenlos war, nur für die Verpackung musste gezahlt werden. „So um die 20 Leute waren über den Tag wohl hier.

Sogar jemand aus Reinfeld ist mit seinen Äpfeln vorbeigekommen“, freut sie sich über den Zuspruch, der aber aus ihrer Sicht größer gewesen wäre, wenn man sich nicht die Herbstferien für die Aktion ausgeguckt hätte.

1800 Liter frischen Apfelsaft hat Richard Rau mit seiner mobilen Mosterei am Ende aus gut zwei Tonnen Obst herausgeholt.

„An apple a day . . .“

1000 Apfelsorten gibt es insgesamt – obwohl in den Obstabteilungen der Lebensmittelgeschäfte und Discounter gerade einmal eine Handvoll davon zu finden ist. Der Apfel gilt als das liebste Obst der Deutschen.

Pomologen, so nennt man die Fachleute aus der Obstkunde. Das Wort leitet sich ab vom lateinischen Wort „Pomum“, die Baumfrucht. Es gibt sogar einen Deutschen Pomologen-Verein, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert und in Niedersachsen gegründet wurde. Das Ziel seiner mehr als 1000 Mitglieder ist es, sich für den Erhalt der genetischen Obstgehölz-Vielfalt einzusetzen. Der Verein wählte in diesem Jahr den „Horneburger Pfannkuchen“ zum Apfel des Jahres. Die robuste Sorte mit der gelbroten Schale – die Sorte wird im Oktober geerntet – zeichnet ein feinsäuerlicher Geschmack aus.

Ungewaschen und unpoliert (das schützt die apfeleigene Wachshaut) ist ein Apfel über den ganzen Winter haltbar. Dafür sollte er trocken und kühl gelagert werden.

„An apple a day keeps the doctor away“, heißt es. Zurecht, denn die Frucht enthält die Vitamine A, B und C. Außerdem enthalten Äpfel organische Säuren und die Spurenelemente Eisen, Kupfer, Mangan sowie die Mineralstoffe Kalium, Natrium und Kalzium.

 Heike Hiltrop

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