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Das Spiel, das Alzheimer vorbeugt

Kaltenkirchen Das Spiel, das Alzheimer vorbeugt

Bridge-Experte und Trainer Ronald Kalf aus Kaltenkirchen über das wohl anspruchsvollste Kartenspiel der Welt.

Kaltenkirchen. Für den Laien ist es ein Buch mit sieben Siegeln. Für den geübten Spieler die Erfüllung seiner Kartenträume, die weit über die Kunst anderer beliebter Kartenspiele hinausgeht. „Bridge verhält sich zu Skat wie Schach zu Dame“, sagt Ronald Kalf (63) aus Kaltenkirchen. „Es ist das anspruchsvollste Kartenspiel der Welt.“

Der gebürtige Niederländer Kalf ist Vorsitzender eines Bridgeclubs. Zweimal die Woche treffen sich die 56 Mitglieder zum Spielen. Beim Montagsturnier messen sich die erfahrensten Bridge-Kenner im Viererspiel. Am Donnerstag haben auch schwächere Spieler eine Chance mitzuspielen. Beide Abende enden erst, wenn 28 Partien, Boards genannt, gespielt sind. Bridge erscheint wie eine Mischung aus Skat und Doppelkopf, ist aber viel komplizierter. Als Vorläufer gilt das englische Kartenspiel Whist aus dem 16. Jahrhundert. Dabei müssen die Spieler genau vorhersagen, wie viele Stiche sie bekommen wollen. Es gewinnt, wer richtig getippt hat.

Das heute weltweit geläufige Kontrakt-Bridge gehe auf den US-amerikanischen Milliardär Harold S. Vanderbilt zurück, erzählt Kalf. Der Enkel des Schiffs- und Eisenbahn-Tycoons Cornelius Vanderbilt soll das Kartenspiel 1925 auf einer Kreuzfahrt entwickelt haben, damit sich die Gäste auf seiner Yacht nicht langweilen. Diese Art des Bridgespiels wird heute von weltweit 700 000 Spielern gepflegt, etwa die Hälfte davon lebt in den USA, Frankreich und den Niederlanden. Der deutsche Bridgeverband zählt 28000 Mitglieder.

Wie beim Doppelkopf spielen immer jeweils zwei Paare gegeneinander. Diese wechseln aber nicht wie beim Doppelkopf von Spiel zu Spiel, erläutert Kalf. „Es spielen immer die beiden Spieler zusammen, die sich gegenüber sitzen.“ Meist spielten diese Paare sogar über Jahre zusammen, weil der Mitspieler die vielen Ansagen und Absprachen seines Partners erst lernen und über Hunderte Partien verinnerlicht haben müsse, damit das Team erfolgreich sein kann.

Ziel des Spiels, bei dem jeder Spieler 13 der 52 ausgeteilten Karten erhält, ist es, möglichst viele Stiche zu bekommen, deren Anzahl vorab genau angekündigt sein muss. Gewinnen kann nur, wer mindestens sieben der 13 Stiche erhält. Gereizt wird danach, wer ein höheres Gebot an Stichen und Farben abgibt. Darüber wird dann sozusagen ein Vertrag, der Kontrakt, für ein Spiel abgeschlossen.

Wie spektakulär Bridge verlaufen kann, verdeutlicht Kalf an der berühmtesten Bridgespielszene der Filmgeschichte. Geheimagent James Bond düpiert in „Moonraker“ den Filmbösewichten Hugo Drax mit der auch als „Duke of Cumberland-Hand“ bekannten Kartenverteilung. Dabei hat Drax bei drei Farben die jeweils höchsten Karten (As, König, Dame, June) und ist sicher, dass er alle Stiche bekommt. Als Bond, der nur zwei Farben (Pik und Kreuz) auf der Hand hat, dies nun seinerseits von sich behauptet, gibt ihm der Bösewicht Kontra — und verliert. Denn da Drax alle Farben auf der Hand hat, muss er immer bedienen, während Bond abwerfen oder einstechen kann und so alle 13 Stiche bekommt.

Der Verweis auf den Herzog von Cumberland rührt daher, dass Ernst August, Sohn von King George III, Mitte des 18. Jahrhunderts bei einer Partie nicht glauben wollte, dass er mit einem so hervorragenden Blatt verlieren könnte und 20000 Pfund dagegen wettete. Seine Mitspieler belehrten ihn eines Besseren — der Duke verlor.

Heute gilt Bridge als ein Spiel für Senioren. Viele Spieler seien über 70, was aber nicht verwunderlich sei, weil man viel Zeit haben müsse, die komplizierten Regeln zu lernen, erklärt Johanna von Spreckelsen, zweite Vorsitzende des Bridgeclubs. Das enorme Gedächtnistraining, das hier durch das ständige Zählen der Trümpfe und Behalten der Absprachen zu Höchstleistungen getrieben wird, beuge Krankheiten wie Alzheimer vor. „Meine Mutter hat erst mit 70 mit dem Bridgespiel angefangen und ist bis zu ihrem Tod mit 89 geistig voll auf der Höhe geblieben“, sagt von Spreckelsen (77), die selber erst im Rentenalter mit dem Spiel begann. „Es ist eine Art Gehhirn-Jogging“, so Schatzmeisterin Gerda Wildauer. Wer Kontakt zu den Bridgefreunden sucht, erreicht Ronald Kalf per Mail:

r-h.kalf@t-online.de

Burkhard Fuchs

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