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„Das ist der helle Wahnsinn, absolut irre“

Bad Segeberg „Das ist der helle Wahnsinn, absolut irre“

A 20-Südumgehung gekippt: Jubel bei Naturschützern und Klein Gladebrüggern, große Betroffenheit bei Politikern und Wirtschaftsexperten nach dem Sensations-Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig.

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Die Stadt Bad Segeberg wird weiter unter Staus und dem starken Durchgangsverkehr leiden. Bis auf Weiteres darf die A 20 nicht weitergebaut werden. Die Trassenführung muss neu geprüft werden.

Quelle: Heike Hiltrop

Bad Segeberg. Während die Naturschützer gestern jubelten und von einem „Riesenerfolg für die Natur und die Menschen in der Region“ sprachen, zeigte sich Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld betroffen von dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, das die A 20-Planung mitsamt der Südumgehung für rechtswidrig erklärt hat: „Das ist für unsere Stadt eine katastrophenähnliche Situation.“ In diesem „schlimmen Ausmaß“ habe er das Urteil nicht erwartet. „Das wird die Stadtentwicklung über Jahre erheblich erschweren und ist nicht förderlich für die Wirtschaft.“

Immerhin haben die Richter festgestellt, dass die Troglösung mit einer Stadtautobahn durch Bad Segeberg damals „in zulässiger Weise verworfen wurde“. Das sei ein „wichtiger Teilerfolg“. Außerdem sei die jetzt gewählte Trasse noch nicht aus dem Rennen. Die Bad Segeberger müssten es mit Staus und Umwegen ausbaden. Sie seien die Leidtragenden einer offensichtlichen Fehlplanung. Schönfeld sehe mit Sorgen, dass die Straßenbauverwaltung und -planung nicht genügend Kapazitäten habe: „Es darf nicht passieren, dass jetzt zwei Jahre gewartet, dann drei Jahre geplant und dann noch fünf Jahre durch alle Instanzen geklagt wird.“

Arne Hansen, Bürgermeister der erfolgreich klagenden Gemeinde Klein Gladebrügge, die durch die A-20-Riesenbrücke verschandelt worden wäre, hatte nicht mit dem Sieg beim Prozess gerechnet. „Das ist der helle Wahnsinn, absolut irre.“ Er habe „inständig gehofft“, dass es für die Naturschutzverbände reiche. Schon beim Linienbestimmungsverfahren vor neun Jahren seien Fehler gemacht worden, erklärte Hansen. Der Untersuchungsraum für die A-20-Trassenvarianten sei viel zu eng gefasst worden: „Man hätte weiter südlich bis nach Leezen schauen müssen“. Das jetzt alles neu aufzurollen, werde Jahre dauern. Auch der weitere Anschluss der A 20 bei Wittenborn sei völlig in Frage gestellt.

Stefan Lüders vom erfolgreich klagenden Naturschutzbund (Nabu) freute sich „ein Loch in den Bauch, dass das Gericht unserer Kritik gefolgt ist. Das Kapitel A 20 wird jetzt neu geschrieben.“

Alle möglichen Linien würden neu geprüft. „Für uns ist die Autobahntrasse durch die Stadt immer noch die beste Lösung.“ Die jetzige Trennung der Stadt durch die vielbefahrene Bundesstraße werde von Jahr zu Jahr unerträglicher: „Eine gedeckelte Straße wäre dort nicht nur für die Fledermäuse, sondern auch für die Menschen die sinnvollste Variante.“

Der Chef des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV) in Lübeck, Jens Sommerburg, der maßgeblich mit der A 20-Planung befasst ist, wollte sich gestern noch nicht gegenüber den LN zum Urteil äußern. Zunächst sei das Ministerium in Kiel am Zug.

Für ihr Dorf habe das Urteil keine unmittelbare Auswirkungen mehr, sagte Weedes Bürgermeisterin Gretel Jürgens: „Wir sind durch mit der Autobahn.“ Allerdings: „Als Anwohnerin ist mir das Urteil nicht egal, weil ich auch immer in Bad Segeberg im Stau stehe. Das ist eine Situation, mit der ich überhaupt nicht leben kann.“ Ist eine Ortsdurchfahrt durch Bad Segeberg eine vorstellbare Option für sie?

Antwort: „Auf jeden Fall überlegenswert.“

Thorsten Lange, Bürgermeister von Wittenborn, tun die Bad Segeberger leid. Die müssten „nun noch länger mit dem Provisorium leben“. Grundsätzlich sei die Ortsdurchfahrt durch Bad Segeberg für ihn eine Alternative, „aber ob es machbar wäre, ist eine andere Geschichte“.

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft des Kreises Segeberg (WKS), Ulrich Graumann, sieht das Urteil als kein wirtschaftsfreundliches Signal. Das werde jetzt bundesweit durch alle Medien gehen. Er kritisierte die Planungsbehörden: „Das ist ein Schlag ins Kontor, da sind die Hausaufgaben nicht gemacht worden.“ Es dürfe nicht sein, dass solche Planungen schon aus formalen Gründen nicht zulassungsfähig seien. In der Konsequenz sei es für Bad Segeberg außerordentlich bedauerlich.

Gero Storjohann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, fordert, die „Planungskapazitäten zur A 20“ schnellstmöglich hochzufahren. Er plädiere dafür, mit Planung und Bau des Elbtunnels und der beiden Zuläufe anzufangen. „Dort kriegen wir problemloser einen Planfeststellungsbeschluss“, ist sich der Sether sicher.

„Um Gottes Willen“, war die erste Reaktion des CDU-Faktionschefs im Kreistag, Claus Peter Dieck. Die zeitliche Verzögerung durch neue Gutachten und Planungen lasse sich nun nicht absehen: „Mit der Forderung nach Nachbesserungen hatte ich gerechnet, nicht aber mit einem solchen Urteil“, sagte er.

„Völlig überrascht“ zeigte sich SPD-Fraktionschefin Edda Lessing von der Leipziger Entscheidung. Sowohl wirtschaftlich als auch für den Verkehr sei die Ablehnung der A 20 eine Katastrophe.

Andererseits sei es bedauerlich, dass den Planern Mängel nachgewiesen werden konnten: „Man musste damit rechnen, dass die Richter das Fledermausrevier ernst nehmen.“

Linken-Fraktionschef Heinz-Michael Kittler hatte das Urteil erwartet. Er verwies auf die Nähe seiner Fraktion zu den Grünen in Sachen A 20. Wolfgang Schnabel (Fraktionsvorsitzender der FDP) sprach von einem Urteil, das außerordentlich schlimm sei für die Wirtschaft der Region. Jetzt sollte man eine A-20-Tunnellösung durch Bad Segeberg anstreben. Das habe die Kreis -FDP schon 1998 angeregt.

„So schlimm habe ich das nicht erwartet. Das ist eine katastrophenähnliche Situation für die Stadt.“


Dieter Schönfeld (SPD), Bürgermeister

Wolfgang Glombik, Christian Spreer und Lothar Kull

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