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„Das ist hier wie ein eigener Stadtteil“

Wahlstedt „Das ist hier wie ein eigener Stadtteil“

Servicewohnen nennt sich eine Wohnform, bei der ältere Menschen sich in eine Anlage einmieten und bei Bedarf Pflegeangebote, Essen oder Ähnliches dazubuchen können. Ob Seniorenwohnanlage, Betreutes Wohnen oder Residenz: Es ist beliebt, hat aber seinen Preis.

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Joachim Schach (71, v. l.), Brigitte von Götz (82) und Bernd Neese (79) ist eine größtmögliche Selbstständigkeit im Alter besonders wichtig. In der Seniorenanlage haben sie ihre eigenen Wohnungen, können aber, wenn sie wollen oder es nötig ist, zusätzliche Angebote wahrnehmen.

Quelle: Fotos: Hiltrop

Wahlstedt. Der idyllische Hof mit seinen Bänken, Blumeninseln und dem Wasserspiel, das aus einem Findling blubbert, lädt geradezu ein, es sich gemütlich zu machen. Für Außenstehende kaum einsehbar bildet der Flecken den Mittelpunkt der Seniorenwohnanlage am Birkenweg in Wahlstedt. Eigentümer ist der Landesverein für Innere Mission. Der ließ die Anlage mit ihren 33 barrierefreien Wohnungen vor fünf Jahren bauen. In einer von ihnen lebt Joachim Schach: zwei Zimmer, Küche, Bad, Abstellraum und kleine Terrasse auf gut 60 Quadratmetern. „Ganz autonom“, wie der 71-Jährige betont.

LN-Bild

Ob Seniorenwohnanlage, Betreutes Wohnen oder Residenz: Servicewohnen ist beliebt, hat aber seinen Preis.

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Servicewohnen nennt sich diese Wohnform, bei der ältere Menschen sich in eine Anlage einmieten und bei Bedarf Pflegeangebote, Essen oder Ähnliches dazubuchen können. „Die eigenen vier Wände plus Extras nach Wunsch“, nennt Schach es. „Hier schließe ich ab und brauche mich um nichts zu kümmern. Das ist ein großer Vorteil“, ergänzt der jüngste Mieter des Wohnkomplexes.

Und wendet sich seinem Nachbarn Bernd Neese (79) zu. Der Witwer hat sich mit seinem Rollator zu Schach gesellt, wie auch die 82-jährige Brigitte von Götz. Manche hier in der Anlage seien für sich, aber wer Kontakt haben wolle, der könne den auch haben, sagen die Senioren unisono. Alle eint der Wunsch nach größtmöglicher Selbstständigkeit. „Die ist das Wichtigste. Ich kann frei entscheiden, was ich mache“, sagt Joachim Schach, während die anderen zustimmend nicken. Und trotzdem gebe es so etwas wie einen sozialen Rahmen. Beispielsweise den Gemeinschaftsraum im ersten Stock, in dem die Mieter regelmäßig Spielenachmittage oder Feste organisieren. „Wir fühlen uns hier wohl, so zu wohnen, gibt Sicherheit“, denn man sei zwar mitten in der Stadt, nahe an medizinischer Versorgung, an den Geschäften, am Theater, aber dennoch für sich: „Die Anlage ist wie ein ,Dorf im Dorf’. Wie ein eigener Stadtteil, in dem die Nachbarschaft noch wichtig ist.“

Um die 800 Euro würden sie dafür monatlich zahlen, so Schach und Neese. Als sehr reell empfänden sie das. Die Kaltmiete betrage 7,80 pro Quadratmeter, so Stephan Kühn, Leiter des Paul-Gerhardt-Hauses, dem die Anlage angeschlossen ist. In einem Miet-Begleitvertrag sind zusätzliche Leistungen, die mit einem pauschalen Monatszuschlag von 90 Euro berechnet werden, geregelt. Etwa die Teilnahme an Veranstaltungen im Paul-Gerhardt-Haus, die Versorgung bei vorübergehender Erkrankung (für 14 Tage) sowie die Vermittlung von Hilfsdiensten, eine 24-Stunden-Notfallhilfe und andere Dinge mehr.

Doch wer sich im Alter für Servicewohnen in einer Seniorenanlage, einer Residenz oder im Betreuten Wohnen entscheidend, der sollte ganz genau hinsehen. Längst haben auch Spekulanten Senioren als „Renditeobjekt“ erkannt und wissen, dass für größtmögliche Eigenständigkeit mit der Option auf größtmögliche Hilfe im Alter tief in die Tasche gegriffen wird. Irene Fuhrmann von der „Koordinierungsstelle für innovative Wohn- und Pflegekonzepte im Alter“, kurz KIWA, mahnt, sich bei der Auswahl Zeit zu lassen und alles genau zu hinterfragen. Fuhrmann: „Die Unterschiede sind enorm.

Bei Servicepauschalen gibt es Spannen von 60 bis 700 Euro, da ist es wichtig zu wissen, was sich genau hinter ihnen verbirgt und was nicht enthalten ist.“ Etwa wenn das teure Schwimmbad im Keller, die eigene Bibliothek gar nicht genutzt, aber mitfinanziert werden muss.

Das Problem haben weder Bernd Neese noch Joachim Schach. Zum Schwimmen gibt es das Hallenbad in der Stadt, und die Bücherei ist gleich um die Ecke. Sie sind sich sicher, genau das Richtige getan zu haben: „Und machen wir uns nichts vor, diese Wohnform ist die Zukunft.“

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Die Beratung im Pflegestützpunkt ist kostenlos. Zentren gibt es in Bad Segeberg, Bornhöved, Kaltenkirchen, Bad Bramstedt, Norderstedt. Infos im Netz unter www.pflegestuetzpunkt-se.de.

Die Koordinierungsstelle für innovative Wohn- und Pflegekonzepte im Alter bietet neutrale Beratung zur Förderung besonderer Wohn-Pflegeformen im Alter. Mehr unter www.kiwa-sh.de.

 Heike Hiltrop

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