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Segeberg „Dem Singen verdanke ich, dass ich noch sprechen kann“
Lokales Segeberg „Dem Singen verdanke ich, dass ich noch sprechen kann“
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17:54 08.10.2016
Dr. Eva Koch (Gemeinnützige Hertie-Stiftung) überreichte Bernd Braun Urkunde und Blumen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert, Bernd Braun erhält ihn für sein Konzept des Fördervereins „Parkinson bewegt.“ Quelle: Fotos: Sd

Etwa 250 000 bis 400000 Menschen sind in Deutschland an Morbus Parkinson erkrankt. Einer von ihnen ist der Bad Segeberger Bernd Braun; bei ihm wurde die neurodegenerative Erkrankung 2005 diagnostiziert. Nach dem ersten Schock und dem Fall in ein tiefes Loch stand für ihn irgendwann der Entschluss fest, ein Konzept zu entwickeln, das den Patienten direkt zugute kommen sollte. In den künstlerischen aktivierenden Verfahren wurde Braun fündig. Er gründete den Förderverein „Parkinson bewegt“, der sich für nicht medikamentöse Therapieverfahren bei Parkinsonsyndromen einsetzt.

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Bernd Braun, Vorsitzender des Fördervereins „Parkinson bewegt“ und Leiter der Parkinson-Selbsthilfegruppe Segeberg, hat den Hertie-Preis erhalten.

Musizieren, singen, tanzen und Theaterspiel werden als künstlerische aktivierende Tätigkeiten angesehen, die sich auf Parkinson-Patienten positiv auswirken. Um auf diese Verfahren aufmerksam zu machen, hatte Braun die Idee zum Bad Segeberger Parkinson-Symposium „Medizin trifft Kunst“. Gerade findet das dritte statt, auf dem der Initiator Braun gestern von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung für sein großes Engagement ausgezeichnet wurde. Dr. Eva Koch, Leiterin der Multiple-Sklerose-Projekte der Hertie-Stiftung, überbrachte Glückwünsche, Urkunde und Blumen.

Sie ging kurz auf die Stiftung ein, die besonderes Engagement in den Bereichen Bildung, gesellschaftliche Innovationen und Neurowissenschaften fördert. Seit 25 Jahren wird der Preis vergeben. „So schnell habe ich noch nie einen Preis überreicht, die Jury hat erst vergangene Woche darüber entschieden.“ Die Kriterien Eigeninitiative, ein Modell zu schaffen und Nachahmer zu finden, erfülle Bernd Braun mit seinem Förderverein „Parkinson bewegt“. „Wer singt, kann nicht traurig sein, heißt es“, sagte Eva Koch, was sie mit „Jein“ vermerke. Musik mache glücklich, könne aber auch eigene dunkle Pforten öffnen. „Ich denke, Ihr Konzept, würde auch vielen anderen Kranken helfen“, sagte Eva Koch an Bernd Braun gerichtet. Mit stehenden Ovationen zollten die etwa 120 Symposium-Teilnehmer dem Initiator Anerkennung und Dank.

Braun selbst hat sich für das Singen entschieden. „Für mich ist Musik ein Bestandteil des Menschen, dem Singen verdanke ich, dass ich noch sprechen kann.“ Er bewies beides, begrüßte das Publikum, sang die Ballade „Die Uhr“ und wurde dabei von Zaure Salykova am Klavier begleitet.

Das Symposium ist wieder in drei Teile gegliedert: Wissensvermittlung, Praxis und Auswertung. Schwerpunktthema ist dieses Mal „Angehörige“. Eine kurze Einführung gab Professor Dr. Björn Hauptmann von den Segeberger Kliniken. Der pflegende Angehörige unterstütze den Kranken, ermögliche ihm die Teilhabe am sozialen Leben und entlaste die Gesellschaft auf vielerlei Art. Das könne zu positiven und negativen Erfahrungen des Angehörigen führen. Überwiegen die negativen, spreche man von subjektiver Belastung, die sich in allen Bereichen des Lebens äußern könne und auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen sei. Wie man damit umgehen kann, soll in den Fachvorträgen des Symposiums thematisiert werden.

Mitspieler gesucht

Die Parkinson Theatergruppe, die sich neu gegründet hat, sucht noch händeringend nach weiteren Mitspielern. Jeder kann mitmachen. Derzeit wird an „Die Stufen“ von Hermann Hesse gearbeitet . Ab 2017 wird an einem Dienstag im Monat ab 10 Uhr in der Jugendakademie geprobt. Die Termine für dieses Jahr sind bei Bernd Braun unter Telefon 04551/823

54 oder 0173/691 4264 zu erfragen. sd

 Silvie Domann

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