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Segeberg Den „Deutschen Gruß“ gezeigt: Geldbuße gegen 47-Jährigen
Lokales Segeberg Den „Deutschen Gruß“ gezeigt: Geldbuße gegen 47-Jährigen
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20:22 14.06.2016

Nein, ein kleiner, dummer Nazi ist Sven Heiner H. (Name von der Redaktion geändert) wohl nicht. Klein, nun ja. Dumm – gewiss nicht. Immerhin hat Sven H. das „Abitur mit großem Latinum“ gemacht, wie er vor Richterin Sabine Roggendorf betont. Ein Nazi sei er nicht – was ihn aber nicht davon abhielt, im Januar auf dem voll belebten Bad Segeberger Marktplatz fortwährend „Heil Hitler“ zu grölen und dazu den – gleichfalls verbotenen – „Deutschen Gruß“ zu zeigen. Wenig später war Sven Heiner H. im Kaufland-Markt nicht zu überhören. Die Parole dieses Mal:

„Sieg Heil“. Gegen eine Geldbuße von 240 Euro (sechs Mal 40 Euro) wurde das Verfahren gestern eingestellt.

Und das nicht, weil Sven Heiner H. auf dem Marktplatz außer „Heil Hitler“ (verboten) auch „Allah akbar“ (erlaubt) geschrien hatte. Dass er nicht vorbestraft ist und dass man ihm abnehmen kann, nicht aus tiefbrauner Gesinnung gehandelt zu haben, hat ihm eher geholfen. Außerdem braucht der 47-Jährige einen Betreuer von Amts wegen, der die Verhandlung auch verfolgte. Sven Heiner H. gilt als schwerbehindert, hat eine attestierte Persönlichkeitsstörung und muss fortwährend Psychopharmaka nehmen.

Am Tag seiner Nazi-Bekundungen habe er zudem psychisch unter Stress gestanden. Er habe seine Großmutter im Altenheim besucht. „Und die war so krank, dass ich dachte, ich sehe sie zum letzten Mal“, bekannte er nun vor Gericht.

Noch bevor sein Bus damals in Bad Segeberg hielt, stieg ein Freund hinzu. Der hatte Bier und Boonekamp dabei – eine ungesunde Mischung, wenn man Psychopharmaka nimmt. Als in der Stadt noch ein dritter Freund nebst einer FlascheWodka hinzukam, war die Enthemmung perfekt.

„Rufen Sie nächstes Mal ,Guten Abend ’ oder ,Guten Morgen’ oder rufen Sie meinetwegen auch ,Allahu akbar’“, sagte die Richterin zum Abschluss mahnend. „Cool“ und durchaus passend fand es H. hingegen, als die Richterin ihm den Adressaten seiner Geldbuße nannte: die Jüdische Gemeinde in Bad Segeberg.

Lothar Hermann Kullack

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