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Segeberg Den Krebs besiegt: Jetzt träumt Lisa-Marie von Olympia
Lokales Segeberg Den Krebs besiegt: Jetzt träumt Lisa-Marie von Olympia
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21:35 19.04.2016
Lisa-Marie Seele (16) betreibt Taekwondo. Ihr größter Erfolge bisher: Deutsche Vizemeisterin. Quelle: Hiltrop

Die Augen fixieren konzentriert einen Punkt im Nichts. Die Hände sind zu Fäusten geballt. Ein Arm angewinkelt vor der Brust, der zweite nach unten gestreckt, sind beide bereit, um zielgenau einen Hieb vorzubereiten. Der ganze Körper steht unter Spannung, das sieht selbst der Laie. Dann folgt ein schneller, gekonnter Tritt in die Höhe. In Kopfhöhe eines imaginären Gegners. Lisa-Marie Seele ist voll in ihrem Element. Und das heißt Taekwondo. Die 16-jährige Bad Segebergerin ist Norddeutsche Meisterin und amtierende Deutsche Vizemeisterin in dem koreanischen Kampfsport, der übersetzt „Fuß-Faust-Weg“ heißt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Fußtechniken.

„Mein Vater hat das vor 25 Jahren gemacht. Als ich mir überlegt hatte Sport zu treiben, dachte ich erst an Fußball, aber dann habe ich mich doch für Kampfsport entschieden“, erinnert sich Lisa-Marie, wie einst alles begann. Sie zupft an ihrem Tobok, dem weißen Trainingsanzug und nimmt die Grundstellung, Chunbi, für eine kurze Demonstration ein.

Judo habe sie sich angesehen, aber es sei nichts für sie gewesen, da man sich dabei anfasst. „Und dann sagte mein Vater: ,Probier doch mal Taekwondo‘.“ Das war 2007, und die Zehntklässlerin hatte gerade den größten Kampf ihres Lebens hinter sich. Die Diagnose Lymphdrüsenkrebs traf ein Jahr zuvor die ganze Familie wie ein Schlag. Es folgte eine langwierige Therapie. „Nach dem vierten Chemoblock wuchs das Bedürfnis, mich zu bewegen. Das war im Frühjahr. Im Herbst fing ich schließlich an.“ Seinerzeit startete sie in der Taekwondo-Sparte von Eintracht Segeberg und galt schon mit zehn Jahren als hoffnungsvolles Talent. Gesundheitlich lief es bestens. 2010 wechselte sie nach Hamburg zur Sportschule „Tangun“, denn aus den verschiedenen Taekwondo-Richtungen hat sie sich für Vollkontakt entschieden. Das ist für Mädchen eher selten und wurde im Segebergischen nicht angeboten.

Eine ganze Vitrine voller Pokale, Medaillen und Auszeichnungen schmückt das elterliche Wohnzimmer.

Wenn Lisa-Marie im Kampf einen Kihap, den Kampfschrei, ausstößt, trägt sie dabei Schutzweste, Helm und Mundschutz, denn dann geht es zur Sache. „Es sieht schon gefährlich aus, wenn die Gegnerin taumelt, aber Sorgen mache ich mir nicht. Es ist ein Sport wie jeder andere“, wirft ihre Mutter ein. „Viele Mädchen tanzen oder reiten, sie hat sich eben das ausgesucht.“

Bei großen Turnieren steht die Familie oft am Rand der Wettkampf-Fläche. So auch vor einigen Tagen in Bonn beim Präsidenten-Cup, als Lisa-Marie mit zweifachem Bänderriss aus dem Kampf ausscheiden musste. Die German Open am 23. und 24. April in Hamburg fallen also für das junge Talent flach. „Aber sie ist eine echte Kämpfernatur“, betont ihre Mutter. „Und im Sommer klappt es hoffentlich mit dem Internationalen Turnier in Luxemburg, und im Herbst geht es nach Warschau.“

Dennoch habe Schule Priorität, unterstreicht sie, denn mit Taekwondo lasse sich nunmal kein Lebensunterhalt finanzieren — und die berufliche Zukunft dürfe nicht auf der Strecke bleiben. Der große Traum von Lisa-Marie Seele spielt dann aber doch wieder in der Sportarena: „Ich würde gerne einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen.“

Kicks in Kopfhöhe

Der Fuß-Faust-Weg, das ist die Übersetzung für „Tae-Kwon-Do“. Es umreißt die Technik des aus Korea stammenden Kampfsports. Er besteht aus Kicks in Kopf- oder Bauchhöhe, die gedreht, gesprungen, doppelt oder dreifach vollführt werden. Dazu kommen Fauststöße zum Angriff und in Blöcken zur Verteidigung. Taekwondo präsentierte sich erstmals bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul (1988) und Barcelona (1992) als Demonstrationswettbewerb. Seit 2000 bei den Spielen im australischen Sydney ist der dynamische Sport olympische, seit vergangenem Jahr auch paralympische Disziplin.

Die Deutsche Taekwondo Union ist Deutschlands Fachsportverband für olympisches Taekwondo. hil

Von Heike Hiltrop

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