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Segeberg Der Arzt, dem die Vögel vertrauen
Lokales Segeberg Der Arzt, dem die Vögel vertrauen
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21:44 28.07.2016
Bernd Nowak (56) mit seinem Steinadler „Bim“. Der Raubvogel drehte jetzt einen Clip mit der Eishockeymannschaft „Crocodiles Hamburg“.

Sein Steinadler „Bim“ hatte bereits einen großen Auftritt mit Stefan Tillert, dem Torwart des Eishockeyclubs „Crocodiles Hamburg“. Und die kleine Schleiereule „Hermine“ seiner Tochter Jule (16) war jüngst nicht nur der Star in der Kindertagesstätte Goldenbek, sondern hat zudem die Werbemacher von Ikea so sehr für sich eingenommen, dass sie die Mini-Eule für einen Werbeclip engagiert haben. Heute sind die beiden fliegenden Werbestars zusammen mit ihrem „Herrchen“ Bernd Nowak in einer Reportage des NDR über die Filmtier-Zentrale Hamburg zu sehen.

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Bernd Nowak aus Pronstorf hat seinen Chirurgen-Job an den Nagel gehängt – Jetzt ist er Falkner.

Heute Abend im Fernsehen

Die Reportage über die Filmtier-Zentrale Hamburg („Hollywood im Hühnerstall“) mit der Sequenz über den Pronstorfer Falkner Bernd Nowak wird am heutigen Freitag um 20.15 Uhr im Fernsehprogramm des NDR ausgestrahlt. Weitere Informationen gibt es auf der Facebookseite „Bernd Schiwago“, über die zudem eine Kontaktaufnahme möglich ist. pd

Dabei ist Bernd Nowak (56) alles andere als ein Tiertrainer, der seine Greifvögel für Filmaufnahmen dressiert. Als Arzt wollte er Menschen helfen. Zuletzt hat er in der Unfallchirurgie eines Hamburger Krankenhauses gearbeitet. 37 Stunden Dienst an einem Stück und 100 Stunden in der Woche waren keine Seltenheit. 2003 hat er die Reißleine gezogen. „Viele Kollegen sind durch den Stress krank geworden. Herzinfarkte, Schlaganfälle – mir wurde der Job zu ungesund. Außerdem: Meine Lebensarbeitszeit habe ich erreicht“, sagt Nowak überzeugt. Inzwischen ist er sein eigener Herr, er schreibt Beurteilungen und Gutachten für Krankenkassen.

Statt Menschen direkt zu helfen, hat er sich der Natur verschrieben und hilft ihnen damit indirekt. Die Falknerei ist neben Kitesurfen an der Ostsee sein größtes Hobby. In Fachkreisen ist er anerkannt, sogar der amerikanische „Falkner-Papst“ Patrick Morel hat eine Freundschaftsanfrage auf seiner Facebookseite „Bernd Schiwago“ an ihn gerichtet. „Der ist richtig bekannt und gut. Darüber freue ich mich sehr“, sagt Bernd Nowak.

Auf der Seite sind Bilder seiner zwölf Großvögel zu sehen, wie sie fliegen und jagen und sogar, wie sich Küken aus dem Ei befreien. Besonders Araber interessieren sich für seine Jungvögel, die dort nicht nur Statussymbol sind und für die Jagd genutzt werden. „Die Jagd von Kragentrappen ist dort bereits verboten, weil diese Wüstenvögel fast ausgestorben sind. Aber es gibt dort ein neues Hobby: Speedrennen. Der Vogel, der am schnellsten fliegt, hat gewonnen“, erzählt Bernd Nowak, dessen gezüchtete Vögel in der Regel von England aus in die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft werden.

Auch die Filmtier-Zentrale Hamburg ist über Facebook auf seine Peales-Wanderfalken, Steinadler, Harris Hawks (Wüstenbussarde) und auch auf Jules Schleiereule aufmerksam geworden. Die ist als Handaufzucht besonders zutraulich und es liebt, gekrault zu werden. „Dafür hält sie sogar extra den Kopf hin“, so Nowak. Seine Vögel fürs Filmgeschäft trainieren will er nicht. „Ich bin froh, dass der Clip für die Crocodiles Hamburg in der Eishalle Farmsen sofort geklappt hat. In 15 Minuten waren wir damit durch“, erzählt der Pronstorfer, der kommt, wenn seine Hilfe gebraucht wird.

Vergrämungsaktionen von Krähen auf Mülldeponien, Flughäfen und in muschelverarbeitenden Betrieben hat er bereits vorgenommen. Auch Vorstellungen auf der Freilichtbühne Lübeck hat er mit seinen Greifvögeln bereichert. Und wenn wie vor Kurzem der Kindergarten in Goldenbek anfragt, ob die Kinder mal vorbeischauen dürfen, sagt er nicht nein. Dem Kindergarten stattete er zum Abschluss der letzten Projektwoche mitsamt Greifvögeln und Tochter Sophie (17) sogar einen Besuch ab.

Das, was ihn am meisten antreibt, ist jedoch der Naturschutz. Die moderne Landwirtschaft, der immer größer werdende Maisanbau und die stetig zunehmenden Windkraftanlagen seien ihm ein Dorn im Auge.

„Gifte werden gespritzt, um Insekten fernzuhalten. Die aber sind die Nahrungsgrundlage für das Niederwild“, erklärt der Falkner. Auch die Überdüngung zu kleiner Flächen sei wie die immer weniger werdenden Grünflächen, die dem Maisanbau weichen, ein großes Problem. Bernd Nowak: „Die Auswirkungen für die Tierwelt sind gravierend. Greifvögel finden nicht mehr genügend Nagetiere. Das hat schon dazu geführt, dass die Brut eines ganzen Jahres ausfällt.“

Petra Dreu

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