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Der Dirigent der Karl-May-Spiele

Bad Segeberg Der Dirigent der Karl-May-Spiele

Er hat noch keine Vorstellung ausgelassen: Seit 17 Jahren ist Stefan Tietgen Chef im Kalkberg-Stadion.

Produktionsleiter Stefan Tietgen leitet seit 18 Jahren jede einzlene Vorstellung.

Quelle: Oliver Vogt

Bad Segeberg. Die dicken, grünen Placken auf der Schleswig-Holstein-Karte machen wenig Hoffnung auf Besserung. Regen tropft an das Bürofenster von Stefan Tietgen – und das Wetterradar auf seinem Monitor zeigt, dass es für die kommenden zwei Stunden auch so bleiben wird. „Könnte tatsächlich besser sein – aber nichts, was die Vorstellung in Gefahr bringt“, sagt Tietgen.

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Er hat noch keine Vorstellung ausgelassen: Seit 17 Jahren ist Stefan Tietgen Chef im Kalkberg-Stadion.

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Draußen am Fenster pilgern derweil viele Menschen mit Schirmen und in bunten Regencapes in Richtung Stadioneingang vorbei. Für sie, so viel ist klar, wird es eine überaus feuchte Vorstellung werden.

Tietgen greift sich sein Handy und wirft eine Jacke über. Eine halbe Stunde vor Beginn der Nachmittagsaufführung am Freitag wird es Zeit für seinen Rundgang. Schauen, wie die Verhältnisse der Reitwege sind, sich nach technischen Problemen erkundigen, „aber vor allem mal hören, wie alle so drauf sind“, erklärt der 47-Jährige.

Über schmale Holztreppen und durch einen Tunnel geht es zur Hinterbühne, wo die Darsteller und Bühnentechniker auf ihren Einsatz warten. Viele scheinen ein wenig im Schlechtwetter-Blues, geredet wird nicht viel. Mathieu Carrière raucht in der Uniform des General Douglas gemeinsam mit zwei seiner „Soldaten“ eine Zigarette, der böse Medizinmann Tibo-taka alias Ben Bremer und Kollege Stephan A.

Tölle, der auf Seiten der Guten den Pitt Holbers gibt, relaxen einträchtig auf einer Bank. Tietgen wird überall mit Handschlag begrüßt, ein bisschen Smalltalk, dann wendet sich jeder wieder seinen eigenen Dingen zu. Nur der junge „Apanatschka“-Darsteller Max König scheint nicht zu bremsen. „Regen? Egal! Macht doch Spaß“, motiviert er seine Mitstreiter im Vorbeigehen. „Winnetou“ Jan Sosniok kommt vorbei und drückt Tietgen einen Energy-Drink in die Hand. Der Häuptling aller Apachen ist unzufrieden mit dem Wetter, das „ein bisschen matschig macht im Kopf“, sagt er. Ansonsten aber sei alles in Ordnung. Nach einem unglücklichen Fall während einer Kampfszene am Vortag schmerze ihm die Hand etwas. Kein Drama. Indianerherz kennt keinen Schmerz.

Tietgen ist zufrieden und macht sich auf den Weg zu seinem eigentlichen Arbeitsplatz, dem Leitstand hoch über der Bühne. Winnetou mag in der Arena der Häuptling sein, bei den Karl-May-Spielen ist es Stefan Tietgen. Ohne seine Ansagen würde im Stadion nicht viel passieren. 18 Spielzeiten lang ist Tietgen Produktionsleiter. 1296 Vorstellungen werden es für ihn am Ende der Saison 2017 sein.

Angefangen hat der Segeberger allerdings auf der Bühne. 1984, Intendant der Spiele war damals noch Klaus-Hagen Latwesen, ist Tietgen das Mal als Komparse dabei gewesen, die folgenden drei Jahre als Reiterstatist. Davon geträumt, selbst mal eine der großen Rollen zu übernehmen, hat er aber nicht. „Ich habe mich schon immer mehr für das interessiert, was hinter der Bühne passiert“, sagt der Vater einer dreijährigen Tochter. Diese Kenntnisse eignete er sich vor allem selbst an, arbeitete für die Spiele zunächst als Tonassistent, dann als Inspizient. 1992 wechselte er zum TV-Sender Sat.1, wo er Producer für Box-Übertragungen und die Fußballshow „ran“ wurde. 2000 kam dann der Anruf von Ute Thienel und das Angebot, die Leitung in Bad Segeberg zu übernehmen. „Damals dachte ich, das mache ich vielleicht ein oder zwei Jahre – und jetzt bin ich in der 18. Spielzeit dabei.“ Nicht sein einziger Job: Außerhalb der Saison arbeitet Tietgen noch immer fürs Fernsehen, produziert unter anderem Kochshows beim ZDF.

Draußen ertönt die dritte Kavallerie-Fanfare – 15 Uhr, Vorstellungsbeginn. Von Tietgen und seine beiden Mitarbeiter Thomas Fuß am Ton-Schaltpult und Zuspieler Piet Bühring ist jetzt höchste Konzentration gefordert. Anhand seines Szenenbuchs, weiß Tietgen immer genau, welcher Schauspieler wann an der Reihe ist, was er zu sagen, wo er zu stehen hat, welche Musik den Auftritt begleiten muss oder wann ein Spezialeffekt einsetzt. Natürlich kennt jeder im Team seinen Job auch ohne ihn. Tietgen ist aber ihr Dirigent. Spricht er nicht im richtigen Moment ein „Winnetou ab“ in sein Funkgerät, reitet Winnetou auch nicht los. „Mir ist es einmal tatsächlich passiert, dass ich einen Einsatz vergessen hatte“, erinnert sich Tietgen. Zehn Sekunden sei es auf der Bühne damals sehr still geblieben – für Theaterverhältnisse eine kleine Ewigkeit.

Heute läuft hingegen alles genau nach Drehbuch. 20 Minuten nach Vorstellungsbeginn wird die Stimmung im Leitstand gelöster. Im Stadion tritt gerade Patrick L. Schmitz als Koch Francois mit seiner Comedy-Nummer auf. Aus Spielleitersicht ein Selbstgänger. „Wir sind immer froh, wenn jeder Darsteller einmal aufgetreten ist und mit der Tontechnik alles geklappt hat“, sagt Tietgen. Danach seien alle entspannter.

Draußen ist der kräftige Regen einem andauernden Nieseln gewichen. Die Nachmittagsvorstellung geht nach zwei Stunden routiniert zu Ende. Kurze Pause für alle, was Essen, einen Kaffee trinken. Um 20 Uhr zu Abendvorstellung heißt es dann: auf ein Neues.

 Oliver Vogt

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