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Der Einbrecher verschwindet — die Angst bleibt

Bad Segeberg Der Einbrecher verschwindet — die Angst bleibt

Die Anzahl der Wohnungseinbrüche steigt. Für Mittwoch lädt die Polizei zu einem Info-Abend über Prävention ein.

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Oft wird es dem Einbrecher leicht gemacht. Doch Hausbesitzer und Mieter von Wohnungen können einiges unternehmen, um ihm den schnellen Zutritt zu erschweren. Denn ein Einbrecher will schnell und lautlos wieder weg.

Quelle: Fotos: *Dirk Silz/Polizei/Christian Spreer

Bad Segeberg. Schränke sind durchwühlt, Schubladen herausgerissen, Wäsche, Bücher und Papiere liegen verstreut auf dem Fußboden: Der Anblick nach einem Einbruch bleibt unvergesslich. Das Chaos in der Wohnung ist bald beseitigt, jenes im Kopf und in der Seele hingegen bleibt, manchmal nur für eine bestimmte Zeit, mitunter auch für immer. In einer Befragung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von Einbruchsopfern klagten 75 Prozent der Betroffenen über psychische Belastungen nach der Tat.

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Oft wird es dem Einbrecher leicht gemacht. Doch Hausbesitzer und Mieter von Wohnungen können einiges unternehmen, um ihm den schnellen Zutritt zu erschweren. Denn ein Einbrecher will schnell und lautlos wieder weg.

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Wie kann sich der Einzelne vor potenziellen Einbrechern schützen? Wer gibt Tipps und wer berät kompetent? In jedem Fall die Polizei, daneben auch zertifizierte Sicherheitsfirmen, die mit der Polizei zusammenarbeiten.

Zum Thema Einbruchsschutz hat Polizeioberkommissar Stefan Scholz (45), bei der Polizeidirektion Segeberg zuständig für Prävention, eine große Informationsveranstaltung für kommenden Mittwoch vorbereitet. Kein Aspekt bleibt unerwähnt. Warum gerade jetzt? Der Grund liegt auf der Hand: Mit der beginnenden dunklen Jahreszeit werden Einbrecher wieder aktiver, denn das Risiko, entdeckt zu werden, ist im Herbst und Winter relativ gering. Doch auch tagsüber kommen Einbrecher; sie nutzen die Abwesenheit der Haus- und Wohnungseigentümer, um einzusteigen. Und sie kennen alle Tricks und Kniffe, um in ein Objekt einzudringen.

„Man kann sich mit technischen und präventiven Maßnahmen vor Einbrechern schützen“, sagt Stefan Scholz. Ganz wichtig: eine gut funktionierende Nachbarschaft. Den Schlüssel bei Nachbarn abgeben, sie bitten, Haus oder Wohnung im Auge zu behalten, den Briefkasten zu leeren, auch mal ihr Auto auf den Parkplatz zu stellen und die Jalousien zu öffnen und zu schließen. „Wenn die Rollläden 14 Tage ‘runtergelassen sind, weiß jeder, dass der Hausbesitzer verreist ist“, unterstreicht Scholz.

Ein weiterer Tipp: Bewegungsmelder installieren und Energiesparlampen per Zeitschaltuhr programmieren. „Neuere Lampen geben blaues flackerndes Licht wie beim Fernseher“, sagt er weiter. Das suggeriert ein bewohntes Haus. Vorsicht vor allzu viel Information per Internet: Wer auf Facebook postet, dass er die nächsten zwei Wochen auf Malle verbringt, darf sich nicht wundern, wenn Haus oder Wohnung nach der Rückkehr leer geräumt sind. Achtung Hobbygärtner: Noch läuft die Gartensaison, bis in den November hinein werden Äpfel geerntet. Da liegt es nahe, die Leiter am Baum stehen zu lassen. „Ganz falsch“, sagt Stefan Scholz. „Die Leiter nach der Arbeit wegräumen und die Regentonne unter einem vielleicht noch gekippten Fenster entfernen.“ Denn Einbrecher steigen blitzschnell auf und ein. Selbst im Hochsommer bei heißen Temperaturen sollten bei Abwesenheit Fenster im zweiten und dritten Stock nicht gekippt werden. „Ich würde sie schließen“, betont Scholz. Auch wer kurz mal um die Ecke zum Bäcker geht, sollte die Tür nicht nur zuziehen, sondern auch abschließen. „Und die Fenster schließen“, ergänzt Stefan Scholz. Jeder zweite würde das nicht tun. Je mehr Hindernisse dem Einbrecher in den Weg gelegt werden, um so eher gibt er auf. Denn Einbrecher scheuen Zeit und Lärm. Eine Studie zur Wirksamkeit technischer Einbruchsprävention hat ergeben, dass in den meisten Fällen der Einbrecher nach fünf Minuten aufgibt.

Was rät Scholz für den Fall eines nächtlichen Einbruches, bei dem Hausbesitzer oder Mieter anwesend sind? „Auf keinen Fall den Helden spielen“, betont er. „Sich ruhig verhalten und unter der Bettdecke die Polizei anrufen. Ans Bett gehört immer ein Telefon.“ Ein Einbrecher sei vorrangig am Diebstahl und an schneller Flucht interessiert. Würde ihm jemand den Fluchtweg abschneiden, könnte er durchaus gewalttätig werden.

Wer sich über technische Prävention informieren will, kann sich kommenden Mittwoch von so genannten Fach-Errichtern — vom Landeskriminalamt Schleswig-Holstein anerkannt — beraten lassen. Mit dabei sind Gemeindewehrführer Mark Zielinski und die Segeberger Firmen Mebo Sicherheit GmbH, BM Land Sicherheitssysteme, TIB-Tischlerei Innenausbau Bartholi. „Sie kommen zu einem kostenlosen Beratungsgespräch nach Hause und schauen sich alles gründlich an“, sagt Stefan Scholz.

Wohnungseinbruchsdiebstähle gehören zu den Delikten mit steigender Tendenz. Die Kriminalstatistik für das vergangene Jahr listet dieses Delikt 832 Mal auf, die Aufklärungsquote beträgt hier 4,4 Prozent (2011: 7,6). Hinzu kommen 238 Tageswohnungseinbrüche (2011: 164), hier beträgt die Aufklärungsquote 2,9 Prozent (2011: 8,5).

Infoveranstaltung zum Einbruchsschutz: Polizei und andere Experten geben Tipps, Mittwoch, 19 Uhr, Bürgersaal im Rathaus. Der Eintritt ist kostenlos.

Tatort Wohnung: Die Opfer leiden lange
Ein Einbruch ist ein Anschlag auf das Sicherheitsbedürfnis, es ist ein massiver Eingriff in die Intimsphäre. Der materielle Schaden ist bald ersetzt, doch die seelische Verletztheit dauert an. Jeder Dritte, so eine Befragung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover, fühlte sich noch einen Monat nach dem Einbruch in seiner eigenen Wohnung nicht sicher, jeder Fünfte wechselte sogar die Wohnung. Jeder sechste Betroffene litt nach der Tat unter Schlafstörungen, auch psychische und psychosomatische Beschwerden traten auf.

Eine Anlaufstelle ist der Weiße Ring, er hilft Menschen, die Opfer von Kriminalität und Gewalt geworden sind und kümmert sich auch um die Angehörigen. „Wir finanzieren den Opfern eine Erstberatung beim Therapeuten mit 150 Euro“, sagte Horst Schulze (77), stellvertretender Leiter der Außenstelle Segeberg. Dafür greift der Weiße Ring auf sein Spendenkonto zurück. Die Opferschutzorganisation gibt auch Kontaktdaten für die Trauma-Ambulanzen, die schnell an Therapeuten vermitteln. Bei Bedarf kann Kontakt zu einem Sicherheitsberater der Polizei hergestellt werden. Einen Anstieg der Anzahl von Einbruchsopfern in den letzten Monaten kann Schulze nicht feststellen.

Die Außenstelle liegt in Bad Bramstedt, Johanna-Mestorf-Straße 23 b. Leiter ist Wolfgang Schürer, Telefon 0 41 92/ 819 02 69, Internet: www.weisser-ring.de

Ursula Kronlage

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