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Der Mann auf dem Dach wird teurer

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1. Januar 2013: Die Bezirksschornsteinfeger sind keine „Monopolisten“ mehr – jeder Haus- oder Wohnungseigentümer darf seinen Schornsteinfeger frei wählen. Brechen nun goldene Zeiten für die Kunden an? Wird alles billiger? „Eher wird es teu

Segeberg. 1. Januar 2013: Die Bezirksschornsteinfeger sind keine „Monopolisten“ mehr – jeder Haus- oder Wohnungseigentümer darf seinen Schornsteinfeger frei wählen. Brechen nun goldene Zeiten für die Kunden an? Wird alles billiger? „Eher wird es teuer“, sagt Gerhard Möller aus Westerrade, Innungsmeister der Schornsteinfeger für den Bezirk Lübeck.

Möller selbst – Innungsmeister für die 165 Betriebe südlich des Nord-Ostsee-Kanals – betreut als eigenen Bezirk die Großgemeinde Ahrensbök. Er rechnet vor: „Das sind 2500 Grundstücke mit bis zu 6000 Besuchen pro Jahr“. Wenn er nun als „Wunsch-Schornsteinfeger“ andere Kunden, etwa in Geschendorf und Bad Segeberg und dann noch einige im eigenen Bezirk betreuen würde, dann würde ein Geselle vielleicht fünf Haushalte pro Tag schaffen. Die bisherigen Gebühren betragen als Beispiel 20 Euro für das Kehren bei einem Kaminofen in einem Einfamilienhaus. Bruttoverdienst in unserem Beispiel: 100 Euro. Der Geselle koste den Meister aber 300 Euro pro Tag.

Deshalb sei nach Ansicht des Innungsmeisters kaum zu erwarten, dass Kollegen es sich leisten könnten, mit „Dumpingpreisen“ über große Entfernungen zu arbeiten – schon die Fahrtkosten stünden dagegen. Auch für Heizungsbauer, die künftig ebenfalls messen dürften, lohne die gesonderte Zusatzausbildung (jeder Geselle müsste mit der Schornsteinfeger-Qualifikation in die Handwerksrolle eingetragen werden) kaum. Rentabel sei die Arbeit für die bisherigen Bezirksschornsteinfegermeister nur deshalb, wenn man fünf, sechs oder mehr Haushalte pro Tag in einer Straße versorgen könne.

Entstanden ist die Neuregelung nach einer fünfjährigen Übergangsphase aufgrund von neuen Anforderungen durch das europäische Recht. Theoretisch dürften nun auch „wandernde Schornsteinfeger“ aus anderen europäischen Ländern hierzulande arbeiten. Dass dabei Minderqualifizierte Schaden anrichten, sei kaum zu erwarten: Zum einen müsse jeder in diesem Sicherheitsberuf seine Qualifikation nachweisen; zum anderen führe der Bezirksschornsteinfeger weiterhin die Kehrbücher (Siehe Beistück auf dieser Seite). Und der Bezirksbevollmächtigte würde bei Auffälligkeiten auf den Formblättern unverzüglich die Kammer und die Ordnungsbehörde verständigen. „Insgesamt“, so zieht Möller ein Fazit, „ist es positiv, dass der Kunde künftig frei wählen kann. Der Bürokratismus, der damit verbunden wurde, dürfte aber dazu führen, dass nicht viele Menschen wechseln werden.“ Er nennt seinen eigenen Bezirk als Beispiel: Von seinen 2500 Kunden habe bisher ein einziger Wechselabsichten geäußert.

Der Staat habe bei der Gesetzesänderung bewusst davor zurückgeschreckt, eigene Kontrollmechanismen zu schaffen und diese Aufgabe bei den Bezirksschornsteinfegern belassen. „Aus gutem Grund“, sagt Möller, „denn wie viel fachkundige Kräfte müssten die Ordnungsämter einstellen oder fortbilden, wollten sie wirklich die Sicherheit aller Heizanlagen garantieren?“

In Brass geraten kann der Westerrader Schornsteinfegermeister, wenn er die Kritik der Ofenbauer daran hört, dass inzwischen auch Schornsteinfeger Kaminofen verkaufen dürfen. Zum einen, so Möller, würden von 265 Bezirksschornsteinfegern im Lande vielleicht zehn ein Ofenstudio betreiben. Zum anderen sei es unverantwortlich, seinen Kollegen zu unterstellen, sie würden sich bei der Abnahme von Kaminöfen gegenseitig „Gefälligkeitsgutachten“ erstellen. Es sei überhaupt nichts Ehrenrühriges daran, wenn ein Schornsteinfegermeister außerhalb seines Bezirks für Kunden einen Kamin setze und der für diesen Bezirk zuständige Kollege dann die Abnahme vornehme: „Der Name des Bevollmächtigten steht schließlich drunter. Und wenn hinterher etwas passieren sollte, wandert der Unterzeichner notfalls ins Gefängnis.“

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