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Segeberg Der Mann, der die „Banklady“ fasste
Lokales Segeberg Der Mann, der die „Banklady“ fasste
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21:59 16.12.2017
Der pensionierte Bad Segeberger Polizist Hermann Bauer (79) hat viele Zeitungsartikel zum Fall der „Banklady“ Gisela Werler gesammelt. Das Foto vorn zeigt ihn als jungen Beamten. Quelle: VOGT

Am Freitag des 15. Dezembers 1967, dem Tag des letzten Überfalls des Gauner-Duos Gisela Werler und Hermann Wittorff, hatte Jungpolizist Bauer eigentlich Unfalldienst geschoben. „Wir waren gerade mit unseren Berichten fertig und wollten noch auf Streife zu den Banken ’raus“, erinnert sich der 79-Jährige. Banküberfälle waren zu jener Zeit geradezu Mode in Deutschland, die „Banklady“-Serie war dabei nur die bekannteste. „Anders als heute hatten die Banken damals meist große Bargeldvorräte, besonders in der Vorweihnachtszeit“, sagt Bauer. Die Polizei war deshalb vorbereitet.

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Für die beiden Räuber war es insofern ein unglücklicher Zufall, dass Bauer bereits in voller Montur und mit laufendem Motor auf dem Hof des Polizeireviers in der Hamburger Straße wartete, als in der Kreissparkasse um 18.10 Uhr Überfall-Alarm ausgelöst wurde. „Zwei andere, die eigentlich schon Feierabend hatten, sind dann noch mit ’reingesprungen und wir sind los.“

Schon auf der Fahrt zur Sparkasse sahen der 29-jährige Polizist und seine Kollegen gerade ein Auto vom alten Kohlenplatz, dem heutigen Zob, wegfahren. Es war der VW Käfer, den Werler und Wittorf vor dem Überfall gestohlen hatten. Der Diebstahl des VW war der Polizei zwar bereits kurz vorher gemeldet worden. „Mit dem Funk war das aber noch nicht soweit her damals“, erzählt Bauer. Deshalb hätten die Beamten in dem Bus zunächst nicht gewusst, nach welchem Auto sie suchen mussten.

Bei der anschließenden Fahndung begegneten die Polizisten dem Käfer kurz darauf auf der B 206 aber wieder. „Er ist da immer hin und her gefahren, hatte den Blinker gesetzt und wollte anscheinend wenden“, blickt Bauer zurück. Was die Polizisten damals noch nicht wussten: Wittorff hatte sein eigentliches Fluchtfahrzeug, einen schwarzen Volvo, an der Schwimmhalle in Bad Segeberg geparkt, wollte nun dorthin zurück.

In Rotenhahn lenkte Hermann Bauer seinen Bus jedoch schräg vor den Käfer, schnitt ihm den Weg ab. Sein Kollege sprang heraus und hielt den Fahrer in Schach. Dass dabei niemand verletzt oder getötet wurde, ist nach Bauers Meinung nur darauf zurückzuführen, dass Wittorff in der Hektik das Magazin aus seiner Maschinenpistole gesprungen war. Den späteren Beteuerungen des Bankräubers, die Waffe nicht gegen die Polizisten benutzt zu haben, hat Bauer nie geglaubt. „Er wollte schießen. Und er hat auch abgedrückt.“

Mit wem sie es zu tun hatten, war den vier Beamten an diesem Abend noch nicht klar. Erst glaubten sie auch nur an einen einzelnen Täter. „Bis mein Kollege dann rief: ,Da ist ja noch jemand drin!‘.“ In der Hoffnung, ihrer Festnahme zu entgehen, hatte sich Gisela Werler in den Fußraum zwischen Vordersitzen und Rückbank gezwängt.

Seinen eigentlich dienstfreien Sonnabend zusammen mit seiner schwangeren Ehefrau konnte Bauer dann vergessen. Noch ohne Ahnung, wen man festgenommen hatte, rief am nächsten Tag der Revierleiter bei ihm zu Hause an. „Dann hat es geheißen: Sofort herkommen, ihr müsst Interviews geben. Hier steht ein Presseaufgebot.“

Von Oliver Vogt

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