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Der Neue will Itzstedt „sanft weiterentwickeln“

Bornhöved Der Neue will Itzstedt „sanft weiterentwickeln“

Peter Reese möchte ein Bürgermeister zum Anfassen sein. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Einführung der Bürgersprechstunde.

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Hinter der Produktionshalle entsteht derzeit das Betonmischwerk. Unter anderem drei große Silos müssen dafür montiert werden. Am Ende soll alles hinter einer Isolierverschalung verschwinden.

Quelle: Fotos: Materne

Bornhöved. Kein Schild weist auf das Büro des Itzstedter Bürgermeisters hin — seit Jahren schon. Und so hängt es auch nicht an Peter Reeses Haus. „Man kennt mich hier — warum dafür Geld ausgeben?“, fragt er. Seit der Kommunalwahl ist der 66-Jährige „Dorfchef“ von Itzstedt. Was hat er vor in seinem neuen Amt?

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Unterirdisch entsteht ein Lager für Kies, Sand und Split. Die Betonkomponenten werden per Steilförderband zum Mischwerk transportiert.

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Reese (CDU) ist seit 18 Jahren kommunalpolitisch aktiv, er weiß, wie der Hase läuft. Mit seinem Vorgänger Freerk Fischer (SPD) habe er immer vertrauensvoll zusammengearbeitet. „Ich hätte nicht kandidiert, wenn er weitergemacht hätte.“ Es gibt in Itzstedt also keine gravierenden Differenzen zwischen den Fraktionen — und das ist Reese recht. Er will ein „Bürgermeister zum Anfassen“ sein. Er weiß, dass man keine unrealistischen Pläne schmieden darf. Er will nicht „das Lied der Armut singen“, aber die Haushaltslage der 2370 Menschen zählenden Gemeinde lasse nun mal keine großen Sprünge zu. Das verbiete großspurige Ankündigungen. „Was aber kommen muss“, stellt er klar, „ist in den nächsten drei, vier Jahren ein neues Feuerwehrlöschfahrzeug.“ Brandschutz sei ein wichtiges Thema: „Wir haben zwei Altenheime im Ort, zwei Campingplätze, die eine besondere Brandlast darstellen, die Firma Reisemobil-Reimers und die Biogasanlage, da braucht man adäquate Löschmittel.“ Das sei der Gemeindevertretung längst klar. Reibungen sind da nicht zu erwarten. Das wäre auch kurios. Denn nicht nur Reese ist neu im Amt, auch sein Sohn Stefan — er ist neuer Wehrführer. „Jetzt bist Du ja schon wieder mein Chef“, habe der zum Papa gesagt, berichtet seine Mutter.

Der neue Bürgermeister will die Schulen in Nahe und Sülfeld attraktiv halten und „versuchen, eine Oberstufe zu integrieren, eventuell in Kooperation mit einer anderen Schule“. Das sei aber noch nicht spruchreif. Reese will, dass sich sein Itzstedt, dem er sich eng verbunden fühlt, „sanft weiterentwickelt“. Größere Neubaugebiete seien jedenfalls nicht geplant, dafür die Schließung von Baulücken, wie beispielsweise im ehemaligen Seck-Bau-Gelände. Reese: „Wir wollen, dass die Bevölkerung nicht überaltert. 600 Menschen im Ort sind über 60 Jahre. Wir versuchen, für junge Familien attraktiv zu sein.“ Man setze auf Innenbereichsentwicklung statt Außenbereichsentwicklung. Was so sperrig klingt, bedeutet: „Wir wollen die vorhandene Infrastruktur im Innenbereich des Ortes nutzen, nicht an der Peripherie neue Wohngebiete erschließen.“ Da ist ohnehin die Landesplanung vor. Sie verhindert im Prinzip auch die Ausweisung neuer Gewerbegebiete.

Warum wollte Reese Bürgermeister werden? „Ich fühle mich mit Itzstedt sehr stark verbunden, bin hier aufgewachsen“, sagt der freundliche Mann. Er will etwas für den Ort erreichen. Dass dieser Job mit einem derartigen „Riesenzeitaufwand“ verbunden ist, hat ihn aber überrascht. Seine Frau Hilke: „Er sagt morgens: ,Ich geh‘ mal kurz zum Amt‘ — und dann kommt er stundenlang nicht wieder.“ Eine seiner ersten Maßnahmen: Er hat eine Bürgersprechstunde eingerichtet — donnerstags von 17 bis 18 Uhr im Amtsgebäude. Reese: „Beim ersten Mal ist keiner gekommen, beim zweiten Mal schon vier.“

Für den 31. September lädt Reese zur Einwohnerversammlung ein. Thema: Die Versorgung der Gemeinde mit Glasfaser. Man habe zwar keine 60-Prozent-Anschlussquote erhalten, so der Bürgermeister, die Firma „Unser Ortsnetz“ werde aber dennoch etwa drei Viertel aller rund 900 Haushalte ans Internet anschließen.

Das Betonwerk in Bornhöved wächst
Ein Betonstandort war Bornhöved einst, bald wird die Gemeinde es wieder sein. Das neue Werk der Lithonplus GmbH & Co. KG an der Segeberger Landstraße (wir berichteten) nimmt Formen an. Die ersten Mitarbeiter sind bereits eingestellt, der Probebetrieb soll noch in diesem Jahr anlaufen.

Von der alten Produktionshalle auf dem zuletzt brachliegenden Gelände ist nichts mehr zu sehen. Einige Gebäudeteile wurden abgerissen, die alte Haupthalle ist saniert und mit hellgrauen Paneelen verkleidet worden. Ein Bauzaun grenzt eine metertiefe Grube an der Südseite ab. Der Boden ist bereits befestigt. „Hier werden noch Betonwände hochgezogen“, erklärt Ralf Siebrecht, Regionalleiter Nord bei Lithonplus. Dann sollen hier unterirdisch Sand, Kies und Split gelagert werden. „Der Lkw kippt das Material einfach dort rein“, so Siebrecht. Das vermindere Staub und Lärm. Über Steilförderbänder gelangt das Material dann zur Rückseite der Produktionshalle, wo derzeit das Mischwerk montiert wird.

Das erste von drei Silos für Flugasche, Grau- und Weißzement steht bereits. Zwei weitere liegen auf dem Acker zur Montage bereit. Inmitten eines Gewirrs aus Stahlträgern sind schon Teile des Mischers und Förderbänder zu erkennen. „Das wird alles noch hinter einer Isolierung verschwinden“, verspricht Siebrecht, während ein Kran weitere Trägerteile zu den Bauarbeitern nach oben bringt. Bei Schweißarbeiten fliegen Funken. Am Ende sollen nur noch die obersten eineinhalb Meter der Silotürme zu sehen sein. Die Betonmischung wird dann in der Halle weiterverarbeitet. Die riesige Maschine zur Steinproduktion ist extra schallisoliert. Von der zentralen Steuerung aus kann später die Produktion durch eine doppelt verglaste Scheibe beobachtet werden. Aus zwei Trichtern läuft zuerst der Kernbeton für die Tragschicht in die jeweilige Steinform, dann folgt der Vorsatzbeton für die Verschleißschicht. Ein Stempel in Form des gerade produzierten Steines drückt den Beton durch die Form auf ein Brett. Alle 15 Sekunden entsteht so ein Quadratmeter Pflasterstein.

Über ein Förderband und eine Schleuse werden die feuchten Steine in die Trockenkammer am anderen Hallenende transportiert. Diese wird vom Rest der Halle abgetrennt sein, erklärt Siebrecht. „Hier wird über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen.“ Das Hochregal steht schon. 14 Reihen, 22 Lagen. 6000 Bretter belegt mit frisch geformten Steinen können hier zeitgleich eingelagert werden. Umluft soll hier für ein konstantes Klima sorgen, damit jeder Stein am Ende die gleiche Qualität hat.

Die Steine werden vollautomatisch über einen Elevator in die Regale einsortiert. Nach 24 Stunden Trocknung holt er die Steinpaletten wieder raus, sie verlassen die Kammer wieder per Schleuse. Auf der Verpackungsstrecke dahinter werden die Steine für die maschinelle Verlegung in gängige Muster verschoben, gestapelt und verpackt, bevor sie dann mit dem Förderband nach draußen auf die enorme Lagerfläche gebracht werden. Alles vollautomatisch.

7,5 Millionen Euro investiert Lithonplus in das Werk, das mit 14 Mitarbeitern auskommt. Zehn seien bereits eingestellt, so Siebrecht. Acht für die Produktion, zwei im Vertrieb. Gesucht werden noch ein Werksleiter, zwei Mitarbeiter in der Produktion und einer für den Innendienst. Bis Jahresende soll das Werk seinen Betrieb aufnehmen.

Expansion im Norden

100 000 Tonnen Steine jährlich soll das neue Betonsteinwerk der Lithonplus GmbH & Co. KG ab 2014 in Bornhöved produzieren.

7,5 Millionen Euro investiert das Unternehmen in sein erstes Werk in Schleswig-Holstein. Bisher betreibt Lithonplus 17 Werke in Deutschland, vier sind es im Norden, vorwiegend in Mecklenburg-Vorpommern.

Lithonplus mit seiner Zentrale in Lingenfeld bei Speyer ist Teil der Heidelberg Cement Gruppe.

„Wir wollen, dass die Bevölkerung im Ort nicht überaltert.“
Bürgermeister Peter Reese

Christian Spreer Nadine Materne

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