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Segeberg Der Oldie und das alte Eisen
Lokales Segeberg Der Oldie und das alte Eisen
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Technische Raritäten: Oldtimer auf zwei Rädern sind die Leidenschaft von Heinz Franz (86) aus Hasenmoor. Seine Gorsky, Baujahr „wahrscheinlich so 1925“, wurde einst von Carl Gorsky in Itzehoe erbaut und dürfte in Deutschland das einzige noch fahrbereite Exemplar sein – wenn nicht sogar weltweit. Quelle: Fotos: Hiltrop
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Hasenmoor

Mit sicherem Griff schiebt Heinz Franz das schwarz lackierte Zweirad mit dem geschwungenen, rotgoldenen Schriftzug auf dem Tank und den ungewöhnlichen Messing-Armaturen aus der Garage. Geübt stellt er es auf den Zentralständer und kickt den Starter. Ein-, zweimal, dann hat die Zündung der Raleigh ihren Dienst getan. Das alte Motorrad schnurrt zwar nicht wie ein Kätzchen, sondern blubbert wie ein Kochtopf, aber das soll so sein. Das Bike ist aus dem Stand startklar. Sonntag geht der 86-Jährige mit ihm auf die 115 Kilometer lange Strecke der ADAC-Oldtimerfahrt des AMSC. Ältester Fahrer, ältestes Fahrzeug.

Heinz Franz aus Hasenmoor liebt seine betagten Zweiräder, die er selbst wieder flott gemacht hat.

Das hat ihm in den vergangenen Jahren schon viel Beachtung eingebracht. Den Maschinenschlosser, Ingenieur und ehemaligen Prüfer für Luftfahrtgeräte, der in seinem Berufsleben Flugzeuge und Hubschrauber kontrollierte, treibt jedoch viel mehr die Liebe zur alten Technik und die Geschichte dahinter an. Die Drehbank steht in einer zur Werkstatt umgebauten Ecke der Garage. Im Keller gibt es einen zweiten Arbeitsplatz, der an eine Maschinenschlosserei erinnert. Franz’ jüngste Errungenschaft, eine MZ 250 Trophy von 1972, wartet bereits darauf, wieder flottgemacht zu werden.

„Es gibt keinen Schrott, nur altes Eisen“, lautet die Maxime des Zweiradkenners. Der Hasenmoorer ist schon Jahrzehnte vor Harry Potter auf einem, besser gesagt einer Nimbus – ein dänisches Modell von 1939 –, durch die Straßen gefegt.

Einem Haufen Altmetall, der 1993 auf seiner Auffahrt lag, hauchte er wieder Leben ein. 500 Arbeitsstunden hat die Reanimation gedauert. Was anfangs aussah wie undefinierbare Bruchstücke, ist heute wieder straßentauglich: eine Gorsky. „Es dürfte die einzige noch fahrbare weltweit sein“, schätzt Franz. Gebaut wurde die Maschine in Itzehoe von Carl Gorsky, „wohl so 1925“, schätzt der Eigentümer und blättert in einem dicken Ordner. Fotos vom Vater des Erbauers, der einst in Wilster Fahrräder und Automobile vertrieb.

Das kaputte Motorrad habe er von einem Landwirt bekommen, dessen Sohn das Bike wohl bei einer Spritztour über einen Acker zerlegt hatte. Der rasante Filius des Bauern ist heute Norddeutschlands bekanntester Regisseur und Schauspieler. „Das war Detlev Buck.“ Heinz Franz lacht und klappt die Akte wieder zusammen.

In diesem Jahr wird er sich den handgearbeiteten Lederhelm mit dem Aufprallschutz für die Oldtimerfahrt jedoch zu seiner britischen Raleigh Modell 14, Baujahr 1924, schnappen. „Zweieinviertel HP“

steht darauf. „Horse Power“, erklärt der Experte die englische Abkürzung. „Aber ob das so stimmt, bezweifle ich, sie bringt es auf 60 km/h.“ Und er glaubt nicht, dass britische Pferde schneller seien. Heinz Franz freut sich auf die Sonntags-Tour. Auf lange Strecken verzichtet er mittlerweile. Allein fährt er auch nicht mehr: „Ich bin ja sonst noch fit, aber da gehe ich auf Nummer sicher.“

106 Starter bei der 37. ADAC-Oldtimerfahrt

Der Automobil- und Motorclub Bad Segeberg (AMSC) hat zu seiner 37. ADAC-Oldtimerfahrt gerufen und so gehen am kommenden Sonntag, 25. Juni, 106 fahrende Liebhaberstücke mit mindestens 30 Jahren auf dem Buckel an den Start. Vor ihnen liegen 115 Kilometer, die mit einer den betagten Fahrzeugen angemessenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 Kilometern pro Stunde abgefahren werden, wie AMSC- Sportleiter und Cheforganisator Arno Wiechmann ermittelt hat.

Ab 9.30 Uhr wird im Minutentakt am Autohaus Senger in Bad Segeberg (Lindhofstraße) gestartet, moderiert von den Oldtimer-Experten Wolfgang Büttner und Hugo Schoer. Es geht über Blunk, Gnissau, Strukdorf, Nütschau nach Leezen (sihe Grafik). Auf dem Dorfplatz ist von 12 Uhr an Pause. Um 14 Uhr geht es weiter über Wahlstedt zurück in die Kreisstadt, wo die Teilnehmer ab 16 Uhr auf dem Martplatz erwartet werden. Da die Fahrt auch ein Wertungslauf ist, gibt es dort Punkte und Preise. hil

 Heike Hiltrop

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