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Segeberg Der Theologe — ein Philosoph am Kochtopf
Lokales Segeberg Der Theologe — ein Philosoph am Kochtopf
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22:18 05.07.2013
Von Silvie Domann

Die Schürze umgebunden und los geht es. Pastor Wolfgang Stahnke steht an der Spüle und wäscht Salat. „Ich trockene Salat auf die traditionelle Art“, sagt er, nimmt ein Tuch, geht auf die Terrasse und schleudert den Salat im Freien. „Das spart ein Haushaltsgerät“, sagt er und fügt hinzu, dass er gerne kocht. Allerdings nicht mehr so regelmäßig wie früher. Als er noch Pastor in Bargfeld-Stegen gewesen sei, habe er mit der Familie im Pastorat gewohnt und sei deshalb mittags zu Hause gewesen, so habe er meist für das Mittagessen gesorgt. „Obwohl das mühsam bei den Schulzeiten der drei Kinder war, das war frustrierend für die Küche“, erzählt der 51-Jährige. Deshalb wird meist abends gekocht, denn ein gemeinsames Essen ist der Familie wichtig. „Das ist unsere Zeit zum Austauschen, hören, wie der Tag vom anderen war. Außerdem ist Essen mehr als nur den Hunger zu stillen, es ist eine kleine Feier“, erklärt der Pastor.

„Während des Studiums habe ich angefangen zu kochen“, sagt der gebürtige Goslarer. Er habe ein Jahr in Amsterdam studiert und dort zur Untermiete gewohnt, mit einer Küche. „Ich habe Gemüse in allen Varianten ausprobiert. Zu Hause gab es immer Fleisch, ich hatte das satt, so habe ich das reichhaltige Gemüseangebot der Amsterdamer Märkte genutzt. Ich habe Jahre lang nur Gemüse gegessen.“

Gebraten, gedünstet, roh, als Suppe oder Auflauf. Selten gekocht, denn gekochtes Gemüse sei etwas für Kranke. Lauch, Rote Beete, Sellerie, Steckrübe und verschiedene Kohlsorten hat er so verarbeitet.

„Kartoffeln und Wurzeln finde ich einfach wunderbar“. Und so gibt es auch heute Kartoffeln und Wurzeln. Die Kartoffeln sind bereits geschält und garen im Dampfkochtopf. Ein Bund Mohrrüben ist gewaschen, geschält, geraspelt und brutzelt mit ein wenig Knoblauch in der Pfanne. Es gibt Seelachsfilet auf Frühlingszwiebeln und unter Wurzeln. Gerade schneidet Pastor Stahnke die Frühlingszwiebeln in Ringe und legt sie in die Auflaufform. Dann rührt er die Möhrenschnitzel in der Pfanne. „Soll ich die Pfanne hochheben, so wende ich viele Dinge“ sagt er und schmunzelt. Das Fischfilet wird gewaschen, mit Salz und Pfeffer gewürzt und auf die Frühlingszwiebeln gebettet, darüber kommen die Mohrrübenraspel. Das ganze mit süßer Sahne bedecken und bei 200 Grad im Ofen backen und bräunen.

„Alltags gibt es bei uns eine einfache Küche, Braten gibt es zu besonderen Anlässen, auch gerne Wild. Das sind die glücklichsten Tiere, bis es knallt“, sagt er und schält eine Gurke für den Salat.

Noch ein wenig Olivenöl, Salz, Pfeffer, Zucker und Essig dazu, fertig ist der Salat. So bleibt Zeit, zu plaudern. Medizin oder Theologie habe er damals als Jugendlicher studieren wollen. Medizin in Leiden, deshalb habe er holländisch gelernt. Doch während der Bundeswehrzeit habe er sich dann für Theologie entschieden. Erst in Göttingen, dann Amsterdam und Heidelberg. „Amsterdam war beeindruckend, es gab dort viele jüdische Mitmenschen, so dass ich viel über das Judentum direkt erfahren habe.“ Über das Alte Testament und die Betrachtungsweise und mit welch positiver Phantasie und Kreativität Juden mit den Texten umgingen.

Der Fisch im Gemüse ist fertig und Tochter Ilme (17) und Freundin Anna-Lena Sarau (20) decken den Tisch im Freien. „Papa kocht gut. Es ist vor allem für die großen Feiertage zuständig, das Essen ist immer sehr lecker“, sagt Ilme.

Das findet auch Stahnkes Schwiegervater, Ludwig Lührs (86), der sich zur Mittagsrunde dazugesellt, es ist ein Drei-Generationen-Haus. Denn in Gemeinschaft schmeckt Essen einfach besser, vor allem mit Blick auf den Neversdorfer See.

Silvie Domann

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