Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 17 ° wolkig

Navigation:
Der „Wald-Tüv“ zu Gast beim Grafen

Pronstorf Der „Wald-Tüv“ zu Gast beim Grafen

Wie nachhaltig werden die 400 Hektar Waldflächen in Pronstorf bewirtschaftet? Das wurde jetzt überprüft.

Voriger Artikel
Vom Volkssport zum Auslaufmodell
Nächster Artikel
Erdkabel: Mindestabstand ist entscheidend

Holzeinschlag: Der Eingriff wird in zwei Jahren nicht mehr zu sehen sein. Der Platz wird nun Lebenraum für Fichtensetzlinge.

Quelle: Fotos: Domann

Pronstorf. Spechtklopfen schallt durch den Wald, ein Hase flitzt über den Weg, die Sonne scheint. Naturidylle pur. Doch heute ist sie nur Nebensache für eine Gruppe von Herren, die durch den 25 Hektar großen Bornkamp streift. Gutachter Niels Pluscyk von der Zertifizierungsstelle DinCerto überprüft, ob Hans Casper Graf zu Rantzau bei der Bewirtschaftung seiner knapp 400 Hektar großen Waldflächen die Standards des PEFC-Zertifikats einhält und umsetzt.

LN-Bild

Wie nachhaltig werden die 400 Hektar Waldflächen in Pronstorf bewirtschaftet? Das wurde gestern überprüft.

Zur Bildergalerie

Seit 2004 nimmt Graf zu Rantzau am freiwilligen Wald-Zertifizierungssystem teil. 2010 wurde er das erste Mal überprüft. Es geht um Nachhaltigkeit: per se bereits im deutschen Waldgesetz verankert.

„Die Idee der Nachhaltigkeit stammt von Hans Carl von Carlowitz, der 1713 ein Buch zur Nachhaltigkeit geschrieben hat“, erzählt der Graf. Carlowitz hatte den Zusammenhang zwischen Abholzung der Wälder und Verelendung der Bevölkerung erkannt und darauf gedrängt, dass nur so viel Holz geschlagen wird, wie auch durch Aufforstung nachwachsen kann. „Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Waldbestand in Schleswig-Holstein aufgrund der Reparationsleistungen an die Engländer auf vier Prozent reduziert“, so der Graf. Derzeit sind etwa 173400 Hektar des Landes mit Wald bewachsen (elf Prozent).

Das PEFC-Zertifikat beinhaltet nicht nur die nachhaltige Waldbewirtschaftung, sondern auch die Nachhaltigkeit in der weitergehenden Produktionskette. „Wenn der Kunde das PEFC-Logo sieht, weiß er, dass das Produkt nachhaltig hergestellt wurde, das Holz nicht aus Raubbau oder Nationalparks stammt, Arbeitssicherheit und Arbeitnehmerrechte eingehalten wurden“, erklärt der Gutachter. Das heiße im Umkehrschluss nun aber nicht, dass kein Zertifikat auf eine nicht nachhaltige Bewirtschaftung schließe, so Graf zu Rantzau und erklärt, dass die Zertifizierung freiwillig sei und höhere, ideelle Ziele verfolge.

„Wir verdienen keinen Cent mehr an zertifiziertem Holz. Ich möchte dem Kunden signalisieren, dass er mit dem Kauf eines Produktes mit PEFC-Label etwas für die Nachhaltigkeit tut“, sagt Graf zu Rantzau. Und er gibt zu, dass die Waldbesitzer im Norden (privat, Bund und Land oder Körperschaftswälder) eher das Schlusslicht bei der Anzahl der PEFC-Zertifikaten bilden. Denn die Zertifizierung kostet den Waldeigentümer Geld. „18 Cent pro Hektar und Jahr“, erklärt PEFC-Regionalassistent Sebastian Schlag.

Zu den PEFC-Standards gehören unter anderem, dass nicht mehr Holz geschlagen wird als nachwächst und das an dem Platz, an dem Bäume gefällt werden, auch neue wieder aufgeforstet werden. „Hier sieht man das gut“, so Pluscyk und zeigt auf eine Fläche, die mit Fichtensetzlingen frisch aufgeforstet ist. Das Ungewöhnliche: Die Baumspitzen tragen Schafwollflocken. Sie sollen den Fraß durch Hirsch und Reh verhindern.

Knapp ein Viertel des Baumbestands sind Nadelbäume, der Rest Laubbäume. Überwiegend Ahorn, Buche und Eiche. Wird nicht eingegriffen, verschwindet der Fichtenbestand, denn aufgrund des Lichtmangels unter den großen Fichten können sich diese nicht verjüngen. „Der Graf muss künstlich eingreifen, um den Nadelwaldanteil im Bestand zu erhalten“, erklärt Pluscyk.

Ein Stück weiter stehen gerade gewachsene Eichen mit einem Durchmesser von 55 Zentimetern, ihr Alter etwa 75 Jahre. „Wenn die 120 Jahre alt sind, dann haben sie einen Durchmesser von 80 Zentimetern.

Wir haben keinen Altersklassenwald mehr, sondern die Zielstärkengröße steht im Vordergrund“, so Graf zu Rantzau. Außerdem dienen die Eichen als Saatguternte-Bestand — wieder ist ein PEFC-Standard erfüllt. Ebenso deckt die Bewirtschaftung verschiedene Bedarfe für die holzverarbeitende Industrie.

Und auch Totholz ist im Wald vorhanden und bietet Insekten eine Lebensgrundlage. „Wir haben hier sicher Juchtenkäfer“, sagt Graf zu Rantzau. Die geschützten Krabbeltiere verzögerten übrigens einst massiv den Bau des Milliardenprojekts Stuttgart 21.

Siegel für Nachhaltigkeit

Laub- und Nadelbaum stilisiert, umgeben von einem Kreis, darunter die Buchstaben PEFC und eine klein geschriebene Nummer. So sieht das Logo für die Produkte aus Holz aus, die nachhaltig hergestellt wurden. Vor allem veredelte Waren wie Papier und Möbel tragen das Logo, bei Brenn- und Bauholz ist es selten. Die Buchstaben sind die Abkürzung für die englische Bezeichnung „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ und bedeuten „ein Programm für die Bestätigung von Forstzertifizierungssystemen“.

Der Verein PEFC Deutschland wurde 1999 gegründet und entwickelt den „Wald-Tüv“. Derzeit beteiligen sich 36 nationale Gremien, weltweit sind 262 Millionen Hektar zertifiziert. In Deutschland haben etwa 7,3 Millionen Hektar Waldfläche den „Wald-Tüv“ bestanden, damit sind rund zwei Drittel der deutschen Wälder zertifiziert. In Schleswig-Holstein tragen etwa 67000 Hektar Wälder das Nachhaltigkeitssiegel (knapp ein Drittel der Gesamtwälder). Jährlich werden die PEFC-Standards von unabhängigen Gutachtern überprüft, im Bereich der Privatwaldbesitzer allerdings nur stichprobenartig per Losverfahren. sd

Von Silvie Domann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Juli 2017.

Sollte das Fliegen von Drohnen am Strand verboten werden?

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt.

Wie wollen wir wohnen, wenn wir einmal älter geworden sind? WG, ein Zimmer bei den Kindern, Servicewohnen, Seniorenheim? Die LN haben sich verschiedene Modelle im Kreis Segeberg angesehen. Zum Auftakt haben wir mit Experten gesprochen und Segeberger nach ihren Vorstellungen gefragt. mehr

  • Lifestyle
    Unser Lifestyle-Portal

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

  • Hochzeitszauber

    Alles zum Planen Ihrer Hochzeit - Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwoch... mehr

  • Events & Veranstaltungen

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Reisetipps
    Unser Reiseportal

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

Karl-May-Spiele

Nachrichten zu den Karl-May-Spiele am Kalkberg in Bad Segeberg.

Kinokritik

Kurz und knapp erklärt, ob sich ein neuer Film lohnt oder nicht.