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Der erste Ton aus dem Saxophon

Bad Segeberg Der erste Ton aus dem Saxophon

LN-Mitarbeiterin Heike Hiltrop berichtet von ihrer Probestunde mit dem Musiklehrer Dirk Zygar.

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Das Mundstück zwischen den Lippen, wird der S-Bogen auf dem Finger balanciert, um Gefühl für die richtige Technik zu bekommen.

Quelle: Fotos: Hiltrop (2)

Bad Segeberg. „Sie haben doch als Kind sicher Blockflöte gespielt. Das ist wie Fahrradfahren. Das verlernt man nicht, und dann klappt das mit einem Saxophon auch.“ Das erste Gespräch mit Dirk Zygar: motivierend. Der 52-Jährige ist Musiker. Und er bringt an der Kreismusikschule Segeberg mehr oder weniger begabten Menschen das Saxophonspielen bei.

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LN-Mitarbeiterin Heike Hiltrop berichtet von ihrer Probestunde mit dem Musiklehrer Dirk Zygar.

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Was einen Musiker in spe so bei einer Probestunde erwartet, soll ein Selbstversuch zeigen. Der Termin steht. Eine gute halbe Stunde wird sich Dirk Zygar für mich Zeit nehmen.

Ein Fenster im Obergeschoss der Villa Flath in Bad Segeberg steht weit offen, Musik dringt nach draußen. Saxophon — ein tolles Instrument: Der Sting-Song „Englishman in New York“ mit Jazzmusiker Branford Marsalis kommt mir in den Sinn, oder Saxophon-Legende John Coltrane, das Intro zu Dire Straits‘ „Your Latest Trick“. Die Nummer mit der Blockflöte ist bei mir über 40 Jahre her, die Talentfreiheit, was das Singen angeht, allgegenwärtig.

Und meine erste Saxophonstunde beginnt damit, dass ich an einem flachen Hölzchen lutsche. Das kleine, aber sehr entscheidende Teil sei der Grund dafür, dass das Saxophon zu den Holz- und nicht zu den Blechblasinstrumenten gehört, sagt Dirk Zygar, und er plaudert über den Erfinder und die Beschaffenheit des Instruments.„Das Rohrblatt muss feucht sein, damit es in Schwingungen versetzt werden kann.“ Wie viele Musikerkollegen unterrichtet auch er. Spielgelegenheiten seien seltener geworden. „Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen — wer bestellt sich schon eine Band?“, bedauert der Hamburger.

Und so sei das Unterrichten für ihn eine gute Gelegenheit, vor allem Kinder und Jugendliche, denen sonst die musikalischen Vorbilder fehlten, mit Live-Musik in Kontakt zu bringen. Aber auch Wieder- und Späteinsteiger kämen zu ihm. Lehrbücher hat er geschrieben, gerade arbeitet er an einem didaktischen Werk.

„Unterrichten ist für mich kein Nebenjob. Das ist eine wichtige Aufgabe“, sagt Zygar, während er mein spucknasses Rohrblatt mit Hilfe eines Metallrings an ein schwarzes Mundstück spannt. Das wiederum ist am sogenannten S-Bogen, dem oberen, extra aufzusteckenden Teil des Instruments, befestigt. Ausführlich erklärt Zygar mir, worauf dabei zu achten ist, damit jeder Schüler später selbst korrekt Hand anlegen kann.

Der Hinweis auf das richtige Atmen — „aus dem Bauch heraus“ — folgt. Nach der richtigen Atem- folgt die richtige Blastechnik: Gemeinsam pusten wir imaginäre Kerzen in verschiedenen Entfernungen aus, steuern den erzeugten Luftstrom. Das Mundstück locker zwischen den Lippen haltend, balanciert Dirk Zygar den S-Bogen auf dem Zeigefinger. „Wir haben hier einen Muskelring“, sagt er und deutet mit der anderen Hand auf die Oberlippe. „Der Unterkiefer muss ganz locker bleiben. Nun blasen wir wie eben geübt hinein.“ Ein angenehmer, satter Ton ist das Ergebnis meines Gegenübers. Kurz darauf lässt ein Geräusch die Wände der altehrwürdigen Villa Flath erzittern, das irgendwo zwischen rostiger Kellertür und nächtlichem Katzenjammer angesiedelt ist. Ein bisschen peinlich ist mir mein erster Saxophonton schon. Der Lehrer bleibt gelassen. „Ach, manche bekommen in ihrer ersten Stunde gar keinen Ton heraus.“ Tröstlich!

Während ich noch darüber nachdenke, was mir lieber gewesen wäre, steckt Zygar Korpus und S-Bogen zusammen, hängt sein Saxophon an den Gurt, den er um den Hals trägt, und hilft mir, mit meinem Instrument Gleiches zu tun. Die richtige Position von rechtem Daumen und den Fingern beider Hände wird zur nächsten Aufgabe. Zeige-, Mittel- und Ringfinger heben und senken sich von den Perlmuttknöpfen — so wie es mir Zygar erklärt. Es folgt Gleiches mit der rechten Hand. Nach ein paar schrägen Ausrutschern erfüllt mein erster richtiger Saxophonton die Luft. Genau gesagt ist es ein Ein-Ton-Duett mit dem Lehrer. Sein gleichzeitiges Spiel hilft, unterstützt. Wir bauen auf drei Töne aus. „Das klappt doch schon sehr gut“, motiviert mich mein Gegenüber und ergänzt die eben gespielten Töne zu einem Lied . . . „Alle meine Entchen“. Ehrfürchtig höre ich zu.

Mit regelmäßigem Üben, besser dreimal in der Woche kurz als einmal lang, sowie Unterricht könne etwas aus mir und dem Saxophon werden, sagt der Mann mit der Engelsgeduld am Ende meiner ersten Unterrichtsstunde. Es haben sich noch zwei weitere Schnupperstunden-Schüler angemeldet, die im Laufe des Tages vorbeischauen, kratzige Töne produzieren. Nein, sagt Dirk Zygar, es mache ihm gar nichts, das mit anzuhören. „Ich habe meine Erfolgserlebnisse, wenn ich die Fortschritte sehe.“

Echte Könner am Saxophon dagegen gibt es am 21. Mai in St. Marien mit dem „Berlepsch-Quartett“ zu hören, dem auch Musiker und Arrangeur Dirk Zygar angehört.

Heike Hiltrop

Patent auf das Instrument im Jahre 1846

Adolphe Sax , der als Antoine Joseph Sax am 6. November 1814 in der wallonischen Provinz Namur, im Ort Dinant an der Maaß, geboren wurde, verdankt das Saxophon seinen Namen. Zunächst arbeitete der belgische Instrumentenbauer in der Werkstatt seines Vaters. Dann begann er, ein völlig neues Instrument zu entwickeln, ging nach Paris und vollendete sein Saxophon — und das gleich in mehreren Größen, etwa als Alt-, Tenor- und Sopran-Saxophon. 1846 erhielt er in Frankreich das Patent. Das Instrument zählt wegen seines Rohrblattes zu den Holzblasinstrumenten.

Während der Segeberger Kulturtage ab dem 17. September bietet die Kreismusikschule wieder die Gelegenheit, sich nach Herzenslust musikalisch auszuprobieren: Saxophon, Klarinette, Klavier, Streichinstrumente oder Gesang stehen dann unter anderem zur Wahl. Auf Anfrage bietet die Kreismusikschule jedoch auch im laufenden Betrieb Probestunden an. Das komplette Kursusangebot der Kreismusikschule, die beim Verein für Jugend- und Kulturarbeit des Kreises Segeberg (vjka) angesiedelt ist, und alle weiteren wichtigen Informationen finden sich im Internet unter www.vjka.de

LN

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