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Segeberg Der „schönste Ausflug“: Kinder entdecken das Landleben
Lokales Segeberg Der „schönste Ausflug“: Kinder entdecken das Landleben
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20:25 06.07.2013
Von Silvie Domann
Die Kälbchen haben es den Schülern angetan. Kaum hat das Kalb eine Hand im Mund, beginnt es zu saugen. Quelle: Fotos: Silvie Domann
Aukamp

Zwischen Grassilage herstellen und der Getreideernte hat Landwirt Heiko Rahlf etwas freie Zeit. Die nutzt er, um Kindern die Landwirtschaft näher zubringen.

„Wir sind ein offener Hof, deshalb dürfen Fremde beim Melken zusehen oder auch mal ein Ferkel auf den Arm nehmen“, sagt der 58-Jährige. Heute ist eine fünfte Klasse der Gemeinschaftsschule Rhen aus Henstedt-Ulzburg zu Besuch. Klassenlehrerin ist Schwiegertochter Anne Rahlf, die in Latzhose und Gummistiefeln die Kinder begrüßt. In drei Gruppen haben sich die Kinder aufgeteilt. Eine ist gerade unterwegs zum Schweinestall. „Iii, stinkt das hier“, schallt es einstimmig durch den Stall. Schnell verstecken die Mädchen und Jungen ihre Nasen hinter Tüchern oder T-Shirts und atmen flach. Doch dann kommt das Angebot, ein Ferkel zu streicheln und auf den Arm zu nehmen. Vor allem die Mädchen verlieren schnell ihre Scheu und bemerken den intensiven Geruch nicht mehr. „Die Ferkel fühlen sich ganz weich an, die Mutter ganz rau“, stellt Anna fest. Außerdem müsse man die Ferkel richtig halten, sonst würden sie laut quieken, sagt Antonia und möchte, dass ihr Ferkel „Güntherchen“ heißen soll.

Gern würde sie es mitnehmen, doch da ihr erklärt wird, dass es die Größe nicht lange behält, setzt sie das Tier zurück in die Bucht. „Die Tragezeit einer Sau beträgt drei Monate, drei Wochen und drei Tage“, sagt Rahlf und fragt, ob die Kinder wüssten, wie viele Tage das seien. Es wird wild gerechnet, 114 Tage ist das Ergebnis.

„Wir machen die Hofführung gern, denn Kinder sollen nicht glauben, dass Kühe lila sind“, sagt Rahlf. Das tun die 26 Mädchen und Jungen zwar nicht, aber dass zum Beispiel aus einem Weizenkorn Mehl wird, können sich die meisten nicht vorstellen. Und so wird spontan Mehl hergestellt. „Es gibt verschiedene Techniken. Entweder die Körner direkt aufschlagen und dann reiben oder zwischen zwei Steinen zerreiben“, erklären Tobias, Shanice und Eric. Die drei haben die Körner bereits zu Schrot gemahlen, ein wenig Mehl ist auch dabei. Mittags wird gepicknickt, die Kinder haben sich Essen mitgebracht. „Es ist schade, dass die Kinder so wenig Beziehung zu Landwirtschaft und Natur haben“, sagt Sohn Thorge Rahlf. Er habe gar nicht fassen können, dass die Kinder noch nie Schwalben gesehen hätten. Auch seien sie noch keinen Hügel hinuntergekullert, das nutzen sie nun.

Für drei besonders fleißige Schüler, die immer ihre Hausaufgaben gemacht haben, wartet eine Überraschung. Sie dürfen Trecker fahren oder reiten. Carina und Marco haben sich für den Traktor entschieden, Lilly für das Pferd. „Das war cool, allerdings ein wenig schwierig zu steuern“, erzählt Carina.

Angetan sind die Mädchen und Jungen von den Kälbern. Sie nuckeln sofort an den Fingern und sabbern die Hände der Kinder voll. Doch das stört diese nicht, sie können sich gar nicht von den Kälbchen trennen. Doch dann ist noch einmal ihre Muskelkraft gefragt. „Wisst ihr, wie man Butter macht?“, fragt Margret Rahlf. Milch schütteln oder stampfen sind die ersten Antworten, dann kommt Sahne schütteln. Und richtig, zu zweit schütteln die Schüler ein Marmeladenglas mit Sahne, die meisten haben nach etwa 20 Minuten einen gelben Butterkloß im Glas. Dann kommt der Höhepunkt des Tages, beim Melken zusehen und vielleicht einmal selbst melken. „Denn Milch kommt nicht vom Supermarkt“, so Rahlf. Einige mutige Kinder ergreifen die Zitzen und versuchen Milch herauszupressen. Einigen gelingt das. „Oh, die ist ja ganz warm“, rufen sie überrascht aus, als die weiße Flüssigkeit über ihre Arme läuft. „Das liegt an der Körpertemperatur der Kuh“, erklärt Lehrerin Andrea Langemak.

Glücklich, zufrieden und erschöpft bedanken sich die Kinder bei Familie Rahlf für den Tag auf dem Bauernhof. „Das ist der beste Ausflug überhaupt“, sind sich die Kinder einig. „Das ist das Schönste für mich, da weiß ich, dass es richtig ist, den Hof zu öffnen und Aufklärungsarbeit zu leisten“, sagt Rahlf.

Für Kindergruppen bietet Familie Rahlf Hofführungen an. Weitere Informationen unter Telefon 04555/467.


Das Jahr

des Bauern

Hoher Energiebedarf
Hochleistungs-Milchkühe haben, ähnlich wie Spitzensportler, einen hohen Energiebedarf. Täglich benötigen sie 50 Kilogramm Futter und 100 Liter Wasser. Ihr Erhaltungsbedarf liegt bei knapp 40 Megajoule. Weitere 3,17 Megajoule sind nötig, um einen Liter Milch (mit einem Fettgehalt von vier Prozent und einem Eiweißgehalt von 3,4 Prozent) zu produzieren. Dabei muss die Kuh 200 Liter Blut durchs Euter pumpen. Bei einer Milchleistung von durchschnittlich 27 Litern hat eine Kuh einen Energiebedarf von etwa 124 Megajoule. Für einen Menschen werden durchschnittlich 2000 Kilokalorie (entsprechen 8,37 Megajoule) angesetzt. sd    

Silvie Domann

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