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Der unvergessene Winnetou der 80er

Bad Segeberg Der unvergessene Winnetou der 80er

Klaus-Hagen Latwesen legte den Grundstein für den heutigen Erfolg der Karl-May-Spiele. Die Haare sind mittlerweile vornehm weiß geworden, ein paar mehr Falten hat er. Aber ansonsten scheinen die Jahre Klaus-Hagen Latwesen nicht viel ausgemacht zu haben. 30 Jahre ist es jetzt her, dass er das letzte Mal als Winnetou am Kalkberg geritten ist, doch der Schauspieler und Regisseur sieht in seinem gelben Polo-Shirt schlank und drahtig aus wie eh und je.

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Latwesen neben Shatterhand-Darsteller Jürgen Lederer in der Inszenierung „Unter Geiern“ von 1984. Natürlich mit echtem Geier.

Hamburg. Die Haare sind mittlerweile vornehm weiß geworden, ein paar mehr Falten hat er. Aber ansonsten scheinen die Jahre Klaus-Hagen Latwesen nicht viel ausgemacht zu haben. 30 Jahre ist es jetzt her, dass er das letzte Mal als Winnetou am Kalkberg geritten ist, doch der Schauspieler und Regisseur sieht in seinem gelben Polo-Shirt schlank und drahtig aus wie eh und je. Lächelnd öffnet der inzwischen 77-Jährige das schmiedeeiserne Tor zu seinem Refugium, ganz versteckt in einer Seitenstraße in Hamburg-Altona. „Das hier war früher mal ein Hotel“, erzählt Latwesen und deutet auf die umgebenden Wände seines mit Gras und Efeu bewachsenen Innenhofs. Anfang der 80er Jahre hat er das heruntergekommene Anwesen gekauft und im Laufe der Zeit zu einem Schmuckstück ausgebaut. Das alte Hotel an der Straße bewohnt heute Sohn Mischa, Latwesen und seine Frau das ehemalige Weinlager. Nicht zuletzt wegen des Hauses stehe er heute gut da, müsse im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen nicht mehr zwingend arbeiten, sagt Latwesen.

LN-Bild

Klaus-Hagen Latwesen legte den Grundstein für den heutigen Erfolg der Karl-May-Spiele.

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Zur Person

Klaus-Hagen Latwesen wurde am 26. Juni 1940 in Hagen geboren. Neben den Karl-May-Spiele inszenierte er zahlreiche Bühnenstücke, arbeitete als Schauspieler, Drehbuch-Autor und Stunt-Choreograph. In der 70er Jahren spielte er in Kinofilmen an der Seite von Curd Jürgens und Heinz Erhardt.

Für viele Menschen in Bad Segeberg dürfte das eine beruhigende Nachricht sein. Denn nicht wenige waren damals traurig und betroffen, als Latwesen, der als Intendant, Autor und Hauptdarsteller wie kaum jemand sonst prägend für die Karl-May-Spiele war, praktisch über Nacht vor die Tür gesetzt wurde. Und auch jetzt noch wird der Name Latwesen in der offiziellen Geschichtsschreibung der Spiele nur unter ferner liefen genannt; in der NDR-Doku über die Historie der Spiele, die vor wenigen Wochen lief, kam er gar nicht vor.

Ärgert ihn das? „Nein, es stört mich inzwischen nicht mehr. Mit dieser Phase habe ich abgeschlossen“, sagt Latwesen. „Obwohl ich die Früchte meiner Arbeit trotzdem noch gerne länger genossen hätte“, fügt er nach kurzem Nachdenken hinzu.

Von diesen Früchten profitiert Bad Segeberg dafür noch immer. Denn zu Beginn der Ära Latwesen hatten die Spiele fast vor dem Aus gestanden. Die Besucherzahlen schleppten sich unterhalb der 100

000er-Marke dahin, nicht wenige Verantwortliche in der Stadt hatten die Lust an den Spielen verloren. Eine Nutzung des Stadions ausschließlich als Konzertbühne erschien einigen als das vielversprechendere Modell für die Zukunft.

Latwesen erkannte dagegen das Potenzial, gab den angestaubten Spielen wieder ihren Glanz zurück. „Ich war der Ansicht, dass wir die ganze Geschichte ein bisschen mehr wie Film aufziehen mussten“, erinnert sich Latwesen. Ritte zwischen den Zuschauerreihen, fliegende Adler, Stunteinlagen, Gesangsnummern, Filmmusik als Szenenunterlmalung, eine Prise Comedy, Feuerwerk – „das gab’s vorher alles nicht“, sagt Latwesen. Wenngleich vieles noch improvisiert war. Professionelle Bühnenbildner, Requisiteure oder Pyrotechniker hatte man nicht, das Budget der Spiele lag bei gerade einmal 500 000 D-Mark (heute sind es 4,5 Millionen Euro). Ein alter Trecker, der bei städtischen Bauhof vor sich hin rostete, wurde so zur ansehnlichen Western-Lok. „Es war immer mein Ziel, interessante Spiele für das Publikum zu machen.“

Und die Menschen kamen wieder, es wurde Geld verdient am Kalkberg. 1986 zählten die Spiele bereits 165000 Besucher bei 47 Vorstellungen (heute sind 72). Damals ein Rekordergebnis. Bessere Pressearbeit und cineastisch gestaltete Plakate, auch das ein Novum, trugen ein Übriges bei.

Dabei setzte der Intendant nie auf Stars. „Für mich war das Ensemble der Star und jeder Darsteller ein gleichwertiger Teil davon.“ Deswegen hätten alle auch die gleiche Gage bekommen, um Neid gar nicht erst aufkommen zu lassen. Nur wer in seiner Rolle Stuntszenen zu absolvieren hatte – und das sollten die Darsteller unter Latwesens Intendanz möglichst selbst tun – erhielt eine Zulage. „Ich denke noch immer, die Menschen kommen wegen Karl May nach Bad Segeberg. Wenn sie ein bekanntes Gesicht aus dem Fernsehen entdecken, freuen sie sich zwar. Ausschlaggebend ist das aber nicht.“

Mit einer großen Ausnahme: Pierre Brice. „Der Karl-May-Star schlechthin“, sagt Latwesen. Obwohl der Film-Winnetou letztlich der Grund für Latwesens Abgang war, war er es auch, der Brice nach Bad Segeberg holen wollte. 1986 bot sich dazu die Gelegenheit. Die Spiele standen glänzend da und Brice’ Engagement bei den Festspielen in Elspe war nicht verlängert worden. „Da hätten wir ihn haben können, er hatte mir schon zugesagt.“ Mit Brice als Winnetou wollte Latwesen aber Intendant und Autor bleiben. „Auch neben ihm den Shatterhand zu spielen, hätte ich mir vorstellen können.“

Die verlangte Gage von rund 300000 Mark scheuten Stadt und Kalkberg GmbH aber. Zumindest 1986 noch. Ein Jahr später sah alles anders aus. Ohne Latwesen einzubeziehen, hatte die Verantwortlichen der Kalkberg GmbH mit Brice verhandelt, ihn als neuen Winnetou nach Bad Segeberg geholt, ihm weitreichende Mitspracherechte für die Inszenierung eingeräumt. Latwesen hingegen habe man zum Gespräch einbestellt und ihm eröffnet, dass 1987 seine letzte Saison in Bad Segeberg sein würde. „Schon auf dem Heimweg, habe ich die Nachricht von der ,großen Sensation‘ in Bad Segeberg und meinem Rauswurf dann im Radio gehört.“ Statt mit einer Würdigung und Anerkennung seiner Leistung endete die Ära Latwesen vor dem Arbeitsgericht. In den Jahren danach hatte er sich zwei Mal noch um die Intendanz beworben. „Da war ich aber von vornherein chancenlos.“

Fans haben Klaus-Hagen Latwesen hingegen nicht vergessen: Von der Karl-May-Stiftung und dem Karl-May-Verlag wurde ihm 2006 für seine Verdienste um das Erbe des berühmten Schriftstellers der Ehrenpreis „Scharlih“ verliehen. Eine kleine, späte Genugtuung.

Die Spiele sieht sich Latwesen trotzdem noch jedes Jahr an. „Das ist alles sehr gut gemacht, keine Frage“, lobt der Bühnenprofi. Dass in den Stücken inzwischen „im Dutzend billiger gestorben“ werde, die Comedy bisweilen übertrieben sei und sich viele Elemente jedes Jahr wiederholen gefalle ihm hingegen weniger. Etwas mehr Experimentierfreude würde den Spielen seiner Ansicht nach gut tun.

Und wenn alles anders gekommen, er nach 1987 in Bad Segeberg geblieben wäre. Würde er heute immer noch die Karl-May-Spiele inszenieren? „Das kann ich nicht sagen. Aber ich bin sicher, ich hätte noch immer Spaß daran.“

 Oliver Vogt

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