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Segeberg Deutschlands Baumvater: Silvius Wodarz
Lokales Segeberg Deutschlands Baumvater: Silvius Wodarz
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21:36 31.07.2018
Vor allem wollte er Kinder für die Natur begeistern: Silvius Wodarz beantwortet geduldig die Fragen einer Kindergartengruppe über Wald, Natur und Bäume. Quelle: Fotos: Silvius-Wodarz–stiftung (hfr)/hil*
Wahlstedt

Keimzelle der Initiative war der „Umweltschutzverein Wahlstedt“, den der frühere Forstdirektor und Leiter der Lehranstalt für Fortwirtschaft in Bad Segeberg bereits 1972 gegründet hatte und bis 2011 ehrenamtlich führte. Die Natur insgesamt, aber vor allem der Wald und die Bäume, lagen Wodarz immer am Herzen. Als er 1988 ein Gespräch mit dem Journalisten Hans-Peter Möhl von der Deutschen Presseagentur (DPA) führte, meinte Wodarz, da es den „Vogel des Jahres“ und die „Blume des Jahres“ doch schon gebe, sei ein solcher Ehrentitel doch auch für Bäume angebracht. Im weitere Gespräch der beiden Männer wurde die Idee dann sehr konkret und ein erster Baum, der geehrt werden sollte, war ebenfalls schnell gefunden: die Stieleiche.

Der „Baum des Jahres“ ist in der gesamten Bundesrepublik ein Begriff. In diesem Jahr feiert die Aktion ihr 30-jähriges Jubiläum. Nicht denkbar wäre sie ohne den Wahlstedter Forstbeamten Dr. Silvius Wodarz. Aus der Idee des „Deutschen Baumvaters“ entwickelte sich eine ganze Bewegung.

Möhl schrieb seinen Artikel über die Ausrufung der Stieleiche zum Baum des Jahres 1989 und traf damit offenbar einen Nerv. Ende 1988, die Debatte um das „Waldsterben“ war noch in aller Munde, das Thema Umweltschutz beschäftigte zunehmend auch die Politik, wurde der Artikel in etlichen Zeitungen der Republik abgedruckt, es liefen Beiträge in Radio und Fernsehen.

War es in den ersten beiden Jahren offenbar noch Wodarz’ Entscheidung, welches Gehölz zum Baum des Jahres ausgerufen wurde (1990 war es die Rotbuche), bekam die Aktion 1991 ein unabhängiges Fundament: Auf Initiative des Umweltschutzvereins Wahlstedt gründete man das „Kuratorium Baum des Jahres“, dem verschiedene Naturschutzvereine, Verbände, Stiftungen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens angehörten und dem Silvius Wodarz als Präsident vorsaß. Zum Jubiläum des 20. Baums des Jahres (2008: die Walnuss) ging das Kuratorium in die „Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ über, die bis heute – nach geheimer Abstimmung innerhalb des Kuratoriums – jedes Jahr den neuen Baum des Jahres ausruft. Schirmherr ist der jeweilige Bundesumweltminister.

Aus der Öffentlichkeit hat sich der inzwischen 87 jährige Wodarz, der heute in Marktredwitz im Fichtelgebirge lebt, weitgehend zurückgezogen. Durch sein Wirken gelang es ihm aber in den vergangenen drei Jahrzehnten, die Menschen in Deutschland für das Thema Wald zu interessieren und sich mit seinem Schutz auseinanderzusetzen. Dabei folgte er dem Motto: „Bäume braucht man nicht zu erfinden, man muss sie nur entdecken.“ Den Menschen müssten „im übertragenen Sinn Bäume in die Herzen gepflanzt werden, um damit gedankliche Veränderungen anzustoßen“, sagte er einmal.

Der Naturschützer beließ seinen Einsatz für den Wald deshalb nicht beim „Baum des Jahres“. Unter anderem wirkte Wodarz als Motor für zahlreiche Pflanzaktionen mit dem Ziel, die Artenvielfalt von Bäumen in Deutschland zu erhöhen. Eine davon ist eine Baumallee an beiden Seiten der Autobahn von Aachen nach Köln, an der alle Bäume des Jahres von 1989 bis 2014 stehen. Im Blick hatte Silvius Wodarz vor allem auch die Kinder. Auf seine Initiative hin wurden und werden Waldfeste, Jugendwaldspiele, Exkursionen oder Wettbewerbe an ungezählten Schulen und Kindergärten in der Republik veranstaltet. „Kinder brauchen Natur und Natur braucht Kinder“, so Wodarz dazu.

Der aktuelle Baum des Jahres 2018 ist die Ess- oder Edel-Kastanie. Vor mehr als 2000 Jahren soll dieser Baum von den Römern nach Germanien gebracht und kultiviert worden sein. Hier im Norden ist die Esskastanie allerdings recht selten zu finden, sie wächst zumeist in Gebieten, in denen auch Wein angebaut wird. Auch ihre schmackhaften Früchte, die Maronen, die in Suppen, für Bratenfüllungen, Süßspeisen oder geröstet als „Heiße Maroni“ genutzt werden, sind in hiesigen Küchen bisher kaum anzutreffen.

Gerade jetzt bei Hitze brauchen Bäume tätige Hilfe

Die anhaltende Trockenheit mit außerordentlich hohen Temperaturen wirkt sich zusehends negativ auf Bäume und Grünanlagen aus. Zwar sind die Bauhöfe im Kreis schon seit mehreren Wochen für die künstliche Bewässerung im Einsatz. Nur reicht das allein nicht aus. Nach Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld hat jetzt auch Bürgermeister Stefan Bauer aus Henstedt-Ulzburg die Bevölkerung aufgerufen, sich an der Bewässerung zu beteiligen: „Bei der extremen Trockenheit wäre es eine große Hilfe, wenn die in Wohngebieten befindlichen Straßenbäume, die sich genau vor den Haustüren befinden, ab und zu ein paar Eimer oder Gießkannen voll Wasser durch die Anwohnern erhalten würden.“

Oliver Vogt

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