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Segeberg Die Ahnengalerie der Kalkberg-Winnetous
Lokales Segeberg Die Ahnengalerie der Kalkberg-Winnetous
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16:27 13.08.2016
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Bad Segeberg

Der Erste: Jungschauspieler Hans-Jürgen Stumpf (r.) schlüpfte 1952 zur ersten Ausgabe der „Winnetou-Festspiele“ in die Rolle des Apachenhäuptlings – elf Jahre bevor Pierre Brice in seiner Paraderolle die Leinwand eroberte. Ein riesiger Erfolg. 100 000 Besucher sahen die 15 Vorstellungen, eine geraffte Version von Winnetou I. bis III.

Der Bayer: 1953 übernahm Volksschauspieler Gerhard Lippert die Silberbüchse. Der erst 16-Jährige stand damals noch am Anfang seiner Karriere. Zu seinem Schaden war das Engagement nicht. Nach Karl May spielte Lippert in etlichen TV-Produktionen mit: von „Derrick“ über „Timm Thaler“ bis zum „Bergdoktor“. Das Freilicht-Theater ließ den heute 79-Jährigen aber nicht los; in der 1980er Jahren trat er oft bei den Luisenburg-Festspielen auf.

Der Norddeutsche: 1954 entschied man sich wieder für einen etwas älteren Winnetou. Der in Hamburg geborene Horst Vincon war 27, als er die Rolle übernahm. Damals wie heute hieß das Stück „Der Schatz im Silbersee“, Karl Mays wohl berühmtester Indianerroman. Vincon blieb dem Norden danach treu, arbeitete ab 1969 als Schauspieler und Regisseur an den Städtischen Bühnen in Lübeck und verfasste mehrere niederdeutsche Theaterstücke.

Der Doppelte: Der 1942 geborene Günther Hoffmann war der erste Darsteller, der mehr als einmal als Winnetou in Bad Segeberg auftrat: 1957 in „Winnetou“ und 1958 in „Der Schatz im Silbersee“. Ein Jahr später feierte Hoffmann als Sigi Bernhard in dem Oscar-nominierten Antikriegs-Drama „Die Brücke“ seinen größten Erfolg. Leider blieb es für den gelernten Tonassistenten auch der einzige. Mit Ausnahme einiger kleiner Rollen wurde es später ruhig um ihm.

Der Langzeitige: Mit Heinz-Ingo Hilgers kam 1961 der erste Winnetou, der seine Rolle – mit zwei Unterbrechungen – über ganze acht Saisons treu blieb. Zeit seines Lebens blieb er seiner Paraderolle als Apachenhäuptling treu, sprach den Winnetou auch in zahlreichen Hörspiel-Produktionen. Hilgers starb 2004 im Alter von 77 Jahren.

Der Theatermann: Bevor Heinz-Ingo Hilgers dauerhaft auf den Winnetou gebucht war, trat 1962 (Hilgers spielte da den Wokadeh) Manfred Böhm in der Rolle an – allerdings nur für eine Saison. Böhm stand in den Jahren und Jahrzehnten danach als Nebendarsteller in diversen Tatort-Produktionen vor der Kamera. Einen Namen machte sich Böhm aber vor allem als Theaterschauspieler. Unter anderem an den Staatstheatern Wiesbaden, Karlsruhe und Stuttgart.

Der Unbekannte: Viel ist nicht überliefert über den Schauspieler Werner Wachsmuth, der 1971 nach Heinz-Ingo Hilgers für ein Jahr als Interims-Winnetou in die Mokassins stieg. Zwar war Wachsmuth auch 1972 dabei, allerdings in einer Nicht-Wildwest-Inszenierung von „In den Schluchten des Balkan“. Wachsmuth arbeitete ansonsten als Theaterschauspieler in Detmold und in Saarbrücken. Deutlich vor seiner Zeit starb er 1977 in Saarbrücken – mit 37.

Der Nackte: Unter den 13 war er der wohl bislang authentischste Indianer. Thomas Schüler, 1976 bis 1980 als Winnetou am Kalkberg, war bekannt dafür, dass er jede Vorstellung mit freiem (durchtrainiertem) Oberkörper spielte und seine Rolle entsprechend sportlich anlegte. Als Österreicher war er zudem der erste „Ausländer“, der den Winnetou in Bad Segeberg verkörperte. Vor fast genau einem Jahr, am 9. August 2015, starb Schüler im Alter von 67 Jahren.

Das Multitalent: Klaus-Hagen Latwesen spielte 1973 und 1975 sowie von 1981 bis 1987 den Winnetou und war zugleich Intendant, Regisseur und Autor. Zwar hatte Latwesen mit „Winnetou, der rote Gentleman“ 1982 den größten Flop in 65 Jahren zu verantworten (46 000 Zuschauer), mit kurzweiligen, actionreichen Inszenierungen legte er danach aber den Grundstein für die Spiele, wie sie heute sind.

Der Wahre: Film-Winnetou Pierre Brice dürfte in den Augen von Millionen immer der einzig wahre Apachenhäuptling bleiben. Ob der Franzose auch der beste Kalkberg-Winnetou war, daran scheiden sich zwar noch immer die Geister. Sein Engagement (1988 bis 1991) erwies sich aber als Coup: Die Spiele knackten erstmals die 300<TH>000-Besucher-Marke. Brice starb am 6. Juni 2015 mit 86 Jahren.

Die Institution: Hätte ihn das fortgeschrittene Alter nicht zum Aufhören gezwungen, in den Augen vieler Fans hätte DEFA-Indianer Gojko Mitic gerne ewig weitermachen können. 15 Mal – 1992 bis 2006 – verkörperte der Serbe den Winnetou am Kalkberg. Einsamer Rekord. Pierre Brice wird zwar immer der größte bleiben. Als „Winnetou der Herzen“ hat sich aber auch Gojko Mitic unvergessen gemacht.

Der Nachfolger: Nach Rekord-Winnetou Mitic trat TV-Star Erol Sander 2007 ein schweres Erbe an – und machte seine Sache hervorragend. Auf Anhieb wurde das Publikum mit dem Deutsch-Türken warm. Mit über 320 000 Besuchern setzte Sander 2009 sogar eine neue Rekordmarke. Warum es nach 2012 nicht für ihn weiterging, ist bis heute nicht bekannt. Angeblich gab es Streit um die Gage.

Von Oliver Vogt

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