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Segeberg „Die Akten waren in Ordnung, nur die Realität sah anders aus“
Lokales Segeberg „Die Akten waren in Ordnung, nur die Realität sah anders aus“
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00:00 23.10.2012
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Segeberg

Nach ihrer Schilderung war der Keller nach dem Auszug der Familie völlig verkotet, alle Stufenmatten mussten ausgetauscht werden. „Die Wand war mit Kot verklebt“, so die Vermieterin. Vermutlich wurde der Dreijährige, der zeitweise in dem Keller eingesperrt war, nach oben getragen und habe dabei mit den Händen an die Wand gefasst, so die Vermieterin. Der Müll, der Schmutz, der Gestank – das sei „ganz sicher“ für die Kinder gesundheitsgefährdend gewesen.

Weder die Vermieterin noch ihr Mann seien von Gutachter oder Jugendamt befragt worden, wie es gewesen sei, als das Kind am 13. Juni in ihrem Haus aufgefunden wurde. Es habe auch, wie berichtet, keine Begehung des Hause gegeben, obwohl die Vermieterin dafür offen gewesen sei. „Weder Jugendamt, Gutachter noch Politik haben sich für objektives Material interessiert.“ Die Akten mögen in Ordnung gewesen sein, „nur die Realität sah anders aus“.

Gutachter Reinhart Wolff betonte gestern auf Nachfrage, dass das sofort nach dem Auffinden ärztlich untersuchte Kind keinerlei körperliche Verletzungen gehabt habe und „auch im Temperament munter war“. Festgestellt wurden aber „Entwicklungsstörungen in sprachlicher Hinsicht“. Wolff schloss aus, dass es zu den chaotischen Verhältnissen und extremen Verschmutzungen im Haus auch noch sexuellen Missbrauch gegeben habe. Die Familienmitglieder hingen einerseits sehr zusammen, aber es habe auch Schläge gegeben, die jedoch von den Familienhelfern thematisiert worden seien, so der Gutachter. Zu den Vorwürfen der Vermieterin, dass sie gar nicht zu dem Fall befragt worden sei, betonte Wolff, dass die Untersuchung unter mächtigem Zeitdruck gestanden habe. Auch die Schulen konnten wegen der Ferien nicht erreicht werden. Wolff: „Wir haben die gutachterliche Stellungnahme in schneller Zeit erarbeitet.“

Im Internet nachzulesende Vorwürfe, die jetzt auch Gesprächsthema unter Politikern sind, Wolf habe Kindesmissbrauch in wissenschaftlichen Beiträgen vor Jahren verharmlost, wies dieser gegenüber den LN scharf zurück. Er sei „gegen derartige Hetze“ gerichtlich vorgegangen. Wolf: „Ich bin der einzige Wissenschaftler gewesen, der die althergebrachten Methoden im Umgang mit sexueller Misshandlung in Frage gestellt hat.“ Erfolgreich habe er sich gerichtlich gewehrt, „die Skandalisierer geben nun Ruhe“. Er sei zu diesem Thema nicht von Kreistagsabgeordneten gefragt worden, hätte dazu aber gerne Auskunft gegeben.

Warum haben sich Gutachter und Jugendamtsleitung nicht vor Ort am Bussardweg informiert? Landrätin Jutta Hartwieg betonte gegenüber den LN, dass man sich anhand von Bauplänen ein Bild der Räume habe machen können. Die genaue kriminalistische Untersuchung und Zeugenbefragung sei von Staatsanwaltschaft und Polizei geleistet worden.

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