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Segeberg Die Flugshow am Kalkberg
Lokales Segeberg Die Flugshow am Kalkberg
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15:40 15.08.2016
Beinah jedes Jahr werden am Kalkberg Jung-Uhus groß.
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Bad Segeberg

Aufregung herrscht auf der Terrasse des Noctalis-Fledermauszentrums. Auf der Dachkante des blauen Gebäudes hat sich einer der drei Jung-Uhus platziert.

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Drei Junge hat das Bad Segeberger Uhu-Pärchen auch in diesem Jahr großgezogen – regelmäßig lassen sich die imposanten Vögel am Kalkberg blicken und liefern abends oft ein echtes Spektakel ab – Bis September ist das noch zu beobachten.

Aufgeplustert sitzt er da, die bernsteinfarbenen Augen weit auf. Geschäftsführer Florian Gloza-Rausch hat seine Kamera schon im Anschlag und erwischt den eindrucksvollen Vogel auch noch beim Abflug Richtung Kalkberg-Stadion. „Die sitzen hier richtig gern“, sagt der Fledermausforscher und deutet auf die Felswand auf der anderen Seite. Dort, im hinteren Bereich der Karl-May-Kulisse, hocken die anderen beiden Jung-Eulen. Derzeit lassen sich die Vögel am Kalkberg gut beobachten. Aber nicht mehr lange, denn die Jungen suchen sich in wenigen Wochen ihre eigenen Reviere.

„Am besten sieht man die Uhus natürlich von unserer Terrasse aus“, sagt Gloza-Rausch amüsiert. Stundenlang hocken die Uhus oftmals auf Vorsprüngen in der Felswand gegenüber. Aber auch von der unteren Aussichtsplattform am Kalkberg bieten sich gute Blicke auf die Tiere, gibt der Noctalis-Geschäftsführer einen Tipp. Am besten mit Fernrohr. Wer die Vögel in Aktion sehen möchte, hat dafür bei den abendlichen Karl-May-Vorführungen gute Chancen. Dort liefern die Jung-Uhus nicht selten eine echte Flugshow ab. „Es hat schon Leute gegeben, die gefragt haben, ob das dazu gehört“, sagt der Fledermaus-Experte.

Das können auch Helga und Helmut Finke bestätigen. Das Rentnerpaar lebt an der Oberbergstraße. Ihr Garten direkt an der Felskante zum Stadion bietet einen der besten „Uhu-Beobachtungsposten“. „Und dann fliegt der von dort drüben hier rüber und zurück“, erzählt der 78-Jährige mit ausladenden Armbewegungen. Vom Gartenzaun aus blickt er direkt in den rückwärtigen Bereich der Karl-May-Kulisse, das Stadionrund zur linken und nach rechts bis zur Marienkirche. Unter einem Busch direkt über der Kulisse hat sich das Uhu-Weibchen ihren Brutplatz ausgesucht. Die drei Jungtiere sind quasi mit Karl May aufgewachsen und finden das Spektakel offensichtlich spannend. „Weil es vor Jahren Bedenken gab, dass die Tiere sich gestört fühlen, haben wir im rückwärtigen Bereich Kästen als Brutplatz aufgehängt“, berichtet Gloza-Rausch. Doch offenbar will es die Uhu-Dame gar nicht so ruhig, sondern sitzt gern lieber mittendrin im Geschehen. Das verwundert Gloza-Rausch eigentlich nicht. So brüteten viele Uhus auch in Kieswerken. Manchmal sogar direkt neben dem Förderband.

Ganz umsonst wurden die Kästen am Kalkberg aber nicht aufgehängt. Die jungen Uhus nutzen sie quasi als „Jugendzimmer“. Als sie flügge geworden sind, haben die Jung-Uhus hier oft gesessen und nach Futter gerufen, erzählt Gloza-Rausch. Inzwischen sind sie gut selbst unterwegs beim Jagen.

Der Brutplatz am Kalkberg ist inzwischen etabliert. Seit einigen Jahren kehrt das Weibchen immer wieder hierher zurück. Und bringt regelmäßig drei Junge durch – zur Freude von Finkes, die bereits „von unseren Gästen“ sprechen, weil sie öfter bei ihnen im Garten hocken. „Dann sitzen sie manchmal wie die Orgelpfeifen auf dem Zaun“, berichtet Helga Finke. Oder auf dem Schornstein des Nachbarn.

Sogar auf dem Fahnenmast im eigenen Garten habe schon einer gesessen. „Dass der sich da halten kann“, staunt die alte Dame. Ihr Enkel habe einmal ein Foto von einem Uhu machen können – aus nur einem Meter Entfernung. „Der ist nicht abgehauen.“ So mutig wie in diesem Jahr seien die Tiere bisher noch nie gewesen, findet sie.

„Uhus haben keine Scheu, sie wissen, dass sie kraftvoll sind“, erklärt Gloza-Rausch. Und sie haben gelernt, dass sie vom Menschen wenig zur befürchten haben. Inzwischen machen die Jung-Uhus auch weitere Ausflüge und seien schon auf dem Campingplatz gesichtet worden. „Mit der Krähenkolonnie in der Stadt haben die Uhus eine gute Nahrungsquelle“, sagt Gloza-Rausch. Auch Igel und Hasen gehören zur Beute. Für die Fledermaus sei der Uhu dagegen kein Feind. „Das ist dem Uhu zu aufwändig“, sagt Gloza-Rausch. Zu klein seien die heimischen Fledermäuse.

Noch bis etwa Mitte September können die Uhus am Kalkberg beobachtet werden. „Dann suchen sich die Jungtiere eigene Reviere“, sagt Gloza-Rausch. Aber schon im Winter könne man wieder die Balzrufe der Alttiere am Abend hören. Und wenn dann im Frühjahr die Krähen Scheinangriffe in Nestnähe fliegen, um den Uhu zu vertreiben, dann „wissen wir auch, dass er wieder brütet“.

350 Brutpaare im Land

Vor etwa 150 Jahren war der Brutbestand des Uhus in Schleswig-Holstein fast ausgelöscht – er galt als schädlich. 1982 starteten der Landesverband Eulenschutz und die Landesregierung in Schleswig-Holstein mit der Wiederansiedlugn des Uhus. Bis 2002 wurden über 600 gezüchtete Jung-Uhus ausgewildert. Auch die Segeberger Altvögel sind aus diesem Programm entstanden. Inzwischen gibt es im Land über 350 Uhu-Brutpaare.

 Nadine Materne

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