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Segeberg Die Freundschaft zur Stadt Ahja hält schon zwölf Jahre
Lokales Segeberg Die Freundschaft zur Stadt Ahja hält schon zwölf Jahre
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20:27 06.07.2013
Von Ursula Kronlage
Annelore und Eckhardt Seyer fahren am 8. Juli los in Richtung Estland, ausgestattet mit Spenden und Grüßen vom Freundeskreis Ahja. Quelle: Fotos: urs

Das Wohnmobil ist fast fertig gepackt, Schränke und Schubladen sind bis in den letzten Winkel belegt. „Eigentlich könnten wir jetzt schon losfahren“, bemerkt Annelore Seyer (58) und schaut zufrieden auf den blitzblanken Fiat Sunlight. Doch bis Freitag musste sie noch die Ausstellung „20 Jahre Segeberg — Pölva“ im Kulturhaus Remise in Bad Segeberg offen halten. Aber kommenden Montag geht es los. „Von Kiel aus mit der Fähre nach Klaipeda und von dort mit dem Wagen weiter nach Pölva“, schildert sie. Eine weite Tour. Das kann Ehemann Eckhardt (68) nur bestätigen.

„Wir fahren mit der Fähre 23 Stunden, und dann noch acht weitere bis zum Ziel“, sagt er. Das Ziel ist Ahja in Estland, eine Stadt mit 1100 Einwohnern, dort wohnen ihre Freunde Asta und Ilmar Tagel.

Der Kontakt ist entstanden durch den Freundeskreis Ahja, der seit rund zwölf Jahren besteht und dem etwa 20 Itzstedter Familien angehören. Er wird vor allem durch das Engagement des Ehepaares Seyer getragen. Sie reisen jedes Jahr nach Estland, bringen haltbare Lebensmittel, Süßigkeiten, Kleidung und anderes dorthin und halten Kontakt zu den Menschen in Ahja. Die Fahrt wird fest eingeplant. „Wir sind so gern in Estland, es ist ein schönes Land“, schwärmt Annelore Seyer.

Mitunter wundert sie sich, dass sich der Freundeskreis schon so lange hält. Und zwischendurch, das räumt sie ein, gab es auch schon mal eine Durststrecke. Wie fing es eigentlich an? Wie entwickelte sich die Beziehung zwischen Itzstedt und Ahja? Als sie begründet wurde, lief schon lange die Patenschaft zwischen dem Kreis Segeberg und dem estnischen Kreis Pölva (wir berichteten). Um weitere Kontakte zwischen hüben und drüben zu knüpfen, fragte der Kreis 2000 schriftlich bei der Gemeinde Itzstedt an, ob sie Interesse habe an einer Partnerschaft zu einer Gemeinde in Estland im Kreis Pölva. Nach ersten Besuchen durch offizielle Delegationen verständigten sich die Itzstedter im Juni 2003 auf die Gründung eines Freundeskreises unter Federführung des damaligen Bürgermeisters Jürgen Schwerdtfeger. Auch Annelore Seyer, Hilke Reese, Joachim Schlüter und Hans Karl Straßburger gehörten zum Vorstand. Der Monatsbeitrag: ein Euro pro Familie. Das ist bis heute geblieben.

Noch im selben Jahr ging ein Hilfstransport von Itzstedt nach Ahja. Der Freundeskreis hatte Kleidung, Kinderwäsche, Spielzeug und vieles mehr gesammelt. „75 Kartons wurden gepackt und mit einem 7,5 Tonner transportiert“, erinnert sich Annelore Seyer. Den Lkw stellte seinerzeit Günter Kasten vom Freundeskreis zur Verfügung. Die Sozialstation Itzstedt schickte ein Krankenbett mit Motor mit, das Altenheim Hinz spendete Gehwagen und Hörgeräte, Joachim Schlüter ergänzte die Lieferung um Armaturen, Toilettenbecken und Duschwannen. „Außerdem kamen noch 20 Fahrräder dazu“, zählte Annelore Seyer auf. Die Hilfs- und Spendenbereitschaft war enorm.

Die Bereitschaft, etwas zu geben, den Menschen in Ahja zu helfen, ist geblieben und wird auch von Itzstedter Vereinen und Verbänden geteilt. So brachten ein paar abenteuerlustige Sponsoren des Freundeskreises im Januar 2004 ein ausgemustertes Feuerwehrfahrzeug der Gemeinde nach Estland. Mit dabei: Eckhard Seyer, Karsten Feist aus Itzstedt und Joachim Schlüter aus Kayhude. „Die Fahrt werden wir nie vergessen“, sagt Eckhard Seyer noch heute, denkt an Schnee und Kälte. Und die Einwohner von Ahja werden es den Itzstedtern wohl ewig danken, dass sie ihr LF 8 nach Estland geschickt haben.

Denn als im Oktober 2007 das Gutshaus in Ahja in Flammen aufging, schützte das Fahrzeug, das neben dem Gebäude stand, die angrenzende Scheune vor den Flammen. Der Wiederaufbau des Gutes wurde damals mit vier Millionen Euro veranschlagt.

Zu den jährlichen Aktionen für Ahja gehört auch der Itzstedter Flohmarkt in jedem Mai. Mit dem Erlös werden dringend benötigte Sachen für die Esten gekauft. Für nächstes Jahr steht der Flohmarkt-Termin auch schon fest: Der 10. Mai soll es sein. „Elf Anmeldungen haben wir schon“, freut sich Annelore Seyer und ist sicher, dass weitere dazu kommen.

„Es ist so ein schönes Land mit netten Menschen.“
Annelore Seyer, Freundeskreis Ahja

Ursula Kronlage

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