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Segeberg Die „Grenzgänger“ bewegen sich entlang der eigenen Krankheit
Lokales Segeberg Die „Grenzgänger“ bewegen sich entlang der eigenen Krankheit
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10:20 31.08.2016
In der Kunsthalle Flath hatten die „Grenzgänger“ ihre letzte öffentliche Aufführung mit Texten von Erich Fried. Es ging um eine Auseinandersetzung mit den Polen Sprache, Stimmung und Emotion. *Fotos: Kullack/Dreu
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Bad Segeberg

Dass sie sich von ihrer Krankheit – sie heißt Morbus Parkinson – nicht stören lassen, ist Quatsch. Natürlich „stört“ diese Nervenkrankheit. Aber Theaterspielen hilft, sagt Bernd Braun, Leiter der Regionalgruppe der Deutschen Parkinson-Vereinigung und Mitglied der Theatergruppe „Die Grenzgänger“. Da machen ausschließlich an Parkinson erkrankte Menschen mit. Das nächste Treffen findet am Sonntag, 11. September, ab 14 Uhr in der Bad Segeberger Jugendakademie, Marienstraße 31, statt.

Die Leitung der Grenzgänger hat der Bad Segeberger Theaterpädagoge Thomas Minnerop. „Mit dem Lernen langer Texte ist es bei den meisten nicht mehr so weit her – und so entfallen große Stücke, es gibt keine langen Dialoge. Aber wir erarbeiten uns Stücke, die den Fähigkeiten der Teilnehmer angemessen sind“, sagt Minnerop. Viel Bewegungstheater werde in der neuen Saison dabei sein, am Ende soll ein kleines Bühnenstück stehen. Zuletzt hatten die „Grenzgänger“2013 in der Villa Flath eine Performance mit Texten von Erich Fried aufgeführt, unterstützt vom Harfenisten Stefan Battige.

Parkinson sei eben eine neurogenerative Erkrankung, die unaufhaltsam voranschreite, sagt Bernd Braun (65), der die Diagnose bereits vor über zehn Jahren mitgeteilt bekam. Drei Jahre später, 2008, übernahm er die Leitung der Regionalgruppe.

Der Tremor, das motorische Zittern vor allem der Hände, lasse sich in den ersten zehn Jahren ganz gut mit Medikamenten kontrollieren, sagt Braun. Im Laufe der Zeit würden die motorischen Störungen aber stärker, teilweise dominant, und für Patienten wie Angehörige immer schwerer zu ertragen. Die Theaterarbeit helfe hier durch den ganzheitlichen Zugang zum eigenen Körper, zu den eigenen Emotionen und zu den kognitiven Leistungen. „In der Freude am gemeinsamen Tun und dem Entdecken ungeahnter Fähigkeiten wird nicht nur die eigene Beweglichkeit verbessert, die psychische Verfassung wird insgesamt modifiziert“, sagt Braun.

Alle Interessierten sind willkommen, Bernd Braun ☎ 0173/ 69 14264

Lothar Hermann Kullack

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