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Segeberg Als die Kleinbahn durch die Stadt ratterte
Lokales Segeberg Als die Kleinbahn durch die Stadt ratterte
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19:25 11.01.2019
Kleinbahn Bad Segeberg Quelle: KALKBERG-ARCHIV
Bad Segeberg

Es ist heute der schönste grüne Schleichweg mitten durch Bad Segeberg. Und Bad Segebergs Radfahrbeauftragter Udo Nickel prüft – wie jetzt in den LN berichtet – sie zur schnellen Fahrradroute aufzuwerten. Schon jetzt fahren hier Kinder mit Rädern zur Schule, hat sich hier ein beliebter Spazierweg entwickelt. Aber nur wenige wissen, dass hier 50 Jahre lang, bis zum Jahr 1961, Züge verkehrten. Die Kleinbahntrasse war einst eine wichtige Verkehrsader zwischen Bad Segeberg und Kiel. Hier zuckelte eine Bahn mit Charme und Gemütlichkeit.

Heutzutage wäre es eine touristische Attraktion. Doch aus und vorbei. Die Kleinbahnstrecke wurde 1911 eingeweiht und im Dezember 1961 geschlossen. Im Frühjahr 1962 wurden schon die Gleise abmontiert. Alteisen. Aus der Bahnstrecke wurde eine Wanderstrecke. Vor dem Krieg fuhren hier noch Dampflokomotiven, so eine Art „Rasender Roland“, entlang. In Bad Segeberg gab es gleich mehrere Haltepunkte. Sogar die Klein Niendorfer hatten ihren eigenen Bahnhof. Bis 1937 waren sie noch selbstständige Gemeinde, dann schluckte sie Bad Segeberg.

Die Kleinbahn-Gleise werden in Bad Segeberg 1962 abgebaut. Quelle: KALKBERG-ARCHIV

Doch die Geschichte des Dorfes wird vor dem Vergessen bewahrt, dafür steht der Geschichtskreis Klein Niendorf. Chronist und Heimatforscher Hans-Werner Baurycza arbeitet hier mit, er hat eines der wenigen Fotos von dem Klein Niendorfer Bahnhof in seinem Kalkberg-Archiv. Der Bahnhof steht längst nicht mehr. Dort befindet sich heute das Einkaufszentrum mit dem Netto-Discounter, dem Budnikowsky Drogeriemarkt und dem Fahrradgeschäft an der Dorfstraße (seinerzeit noch Niendorfer Weg) Ecke Ziegelstraße. Die nächste Haltestelle gab es dann auf Höhe des Ihlsee-Strandbades.

Heute steht hier der Netto-Markt: Der Bahnhof Klein Niendorf (rechts) ist längst abgerissen. Quelle: KALKBERG-ARCHIV

Die Kleinbahn hatte ihren Bad Segeberger Bahnhof übrigens nahe am heutigen Haltepunkt der Nordbahn. Die Strecke führte entlang der heutigen Bahntrasse der Bundesbahn nach Neumünster und bog dann auf Höhe der heutigen Möbel-Kraft-Einfahrt in Richtung Kiel ab und überquerte dann die Hamburger Straße, berichtet Baurycza. Es muss eindrucksvoll gewesen sein, wenn die Kleinbahn die Hamburger Straße zwischen den Wohnhäusern überquerte. Die Bahnbrücke befand sich auf Höhe der heutigen Einfahrt zu Möbel Kraft. Es gab anfangs viele Bad Segeberger, die die Bahn nutzen, um nach Kiel zu kommen. Laut Fahrplan von 1948 fuhr die Bahn zum Beispiel morgens um 8.40 Uhr los und kam um 10.55 Uhr im Kieler Kleinbahnhof an. Es war auch eine Lebensader der Dörfer – bis die B 404 in den Fünfzigerjahren gebaut wurde. Auto und Bus verdrängten die schnucklige Bahn.

Die Kleinbahn hielt auch direkt am Ihlseestrandbad. Quelle: KALKBERG-ARCHIV

Dabei war die Kleinbahn auch für Bad Segeberg so eine Art Stadtbus. Die jungen Segeberger fuhren mit der Kleinbahn bis zum Ihlsee, um dort zu baden, berichtet Baurycza. Ja, direkt an der Badestelle gab es eine Bahnhaltestelle. Hin und wieder hatte ein verschlafener Lokführer vergessen, dort zu halten, hat Baurycza von Zeitzeugen gehört, dann mussten die Fahrgäste in Groß Rönnau aussteigen. Die Fahrt von Hans-Werner für 30 Pfennig zur Badeanstalt war für Schüler ganz schön teuer. „Es war für uns ein Erlebnis mit der Bahn zu fahren“, berichtet Baurycza. Ein Highlight war die Eisenbahnbrücke an der Hamburger Straße. Manchmal warteten Kinder auf den großen Moment. „Für uns war es fantastisch, wenn die Schienenbusse da ’rüber ratterten. Es klopfte mächtig, auch wenn der Zug eher gemächlich fuhr.“

Ansonsten war klar, dass diese Kleinbahn keine Zukunft hatte: Die Strecke war eingleisig, die Bahnübergänge waren ohne Schranken, die Schwellen lagen fast ohne Schotterbett auf der Erde. Die Kleinbahn sei damals schleichend eingestellt worden, erinnert sich Chronist Baurycza. Erst wurde der Personenverkehr eingestellt, dann wurden auch keine Güter mehr an die Dörfer gefahren. Die Bahnanlieger waren offenbar nicht erleichtert, als die Kleinbahn plötzlich aufhörte. Baurycza: „Es gab Leute, denen fehlte etwas, weil sie sich in 50 Jahren an die Zuggeräusche gewöhnt hatten – plötzlich war da Stille.“

Kleinbahn-Geschichten gesucht!

Wer weiß etwas über die Kleinbahn? Wer hat Fotos, alte Fahrpläne oder sonstige Überbleibsel, die an die Kleinbahn von Bad Segeberg und den Bahnhof von Klein Niendorf erinnern? Chronist Hans-Werner Baurycza und der Klein Niendorfer Geschichtskreis würden sich auch über Erzählungen von Zeitzeugen freuen. Viele Bürger verbanden damals mit der Bahn besondere Geschichten. Manchmal mussten Reisende helfen, eine Kuh von den Gleisen wegzuschieben, damit der Zug weiter fahren konnte. . . Wer hier etwas beisteuern möchte, kann sich auch an die Lübecker Nachrichten (Tel. 04551/965516) wenden.

Wolfgang Glombik

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