Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Die Königin der bunten Tüte
Lokales Segeberg Die Königin der bunten Tüte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:28 24.11.2016
Leticia Spormann, Darwin Iniguez und Daniel Schierhorn spielten bei der Lesung Gloria Estefans „Conga“.
Anzeige
Bad Segeberg

. Zur Begrüßung spielte Kirchemusiker Andreas Maurer- Büntjen ein Orgel-Potpourri, das vom „Griechischen Wein“ zur „Tagesschau-Melodie“ überleitete und damit den Bogen spannte zu Linda Zervakis, die normalerweise aus dem Fernseher in die Wohnzimmer der Nation lächelt. Am Dienstag aber ließ sie 100 Zuhörer in der Marienkirche daran teilhaben, wie sie selbst als kleines Mädchen aus dem Fenster des Kiosks geschaut hat, den ihre Eltern in Hamburg- Harburg betrieben haben.

„Als sie anfragte, ob ich das alles nicht mal aufschreiben wolle, habe ich Nein gesagt.Linda Zervakis

Und was sah sie da? „Migranten, Arbeitslose und Leute, die zum Frühstück Kräuterschnaps trinken“, las Zervakis aus ihrem Buch vor, das in einer herrlich erfrischenden und ehrlichen Sprache geschrieben ist. Mit ihr schafft die „Tagesschau“-Sprecherin, dass Zuhörer und Leser gleichermaßen schnell in ihre Welt eintauchen können.

„Ich war bei Radio 1 in einer zweistündigen Talksendung und habe vom Kiosk meiner Eltern erzählt“, beginnt Linda Zervakis den Abend, für den sie durch den Feierabendverkehr von Hamburg nach Bad Segeberg geeilt war. Gehört hatte diese Sendung eine Lektorin des Rohwoldt-Verlages. „Als sie anfragte, ob ich das alles nicht mal aufschreiben wolle, habe ich Nein gesagt. Irgendwann kam sie vorbei – und dann habe ich überlegt“, erzählt Zervakis, die auf einer kleinen Bühne mit dem Altar im Rücken neben einer Stehlampe in einem Sessel saß.

„Meine Eltern sind die klassischen Gastarbeiter. Sie waren Anfang 20, als sie aus Griechenland kamen. Sie hatten vor, nur kurz zu bleiben. Dann aber ist es ein bisschen länger geworden“, erzählte Zervakis, die mit ihren Brüdern schon früh einen Einblick bekam, dass das Leben nicht nur Sonnenseiten hat. Besonders nicht, als der Vater arbeitslos wurde. Vom Arbeitsamt folgte dessen Abstieg zum Sozialamt.

Der Vater war verzweifelt. „Bis Otto, der Schnapskönig in unserem Viertel, die Idee hatte, mein Vater sollte seinen Kiosk übernehmen.“ Die Schnapsidee entwickelte sich und wurde Realität. Fortan hatte jedes Familienmitglied feste Aufgaben, während sich Familie Zervakis wie im „Backstage-Bereich“ der deutschen Gesellschaft fühlte. „Vom Spitzenpolitiker im Maßanzug bis zum verwirrten Professor im Schlafanzug, vom steinreichen Hanseaten im nagelneuen Jaguar bis hin zum arbeitslosen Alkoholiker auf einem alten Zündapp-Mofa: Wir hatten für alle Kunden eine Kleinigkeit über“, erzählte Zervakis, die für die Zuhörer eine Buddel Ouzo mitgebracht hatte und mit ihnen auf ihr Buch „Königin der bunten Tüten“ anstieß.

Bunte Tüten gab es am Ende vom Orgelbauverein, der die Lesung veranstaltet hatte, für jeden Besucher sowie für Zervakis und die Musiker, die mehr als die 100 Zuhörer verdient gehabt hätten.

Petra Dreu

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bürger entscheiden am 19. Februar 2017.

23.11.2016

In Bad Segeberg werben Bäckereien und BBZ für das Frauen-Hilfetelefon.

23.11.2016

. Nun hält er die Kaffeemaschine in der Hand: Wie berichtet, gewann Holger Müller (Wahlstedt) beim Gewa-Gewinnspiel der LN einen Kaffee-Vollautomaten.

23.11.2016
Anzeige