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Die Mitfahr–App: Trampen per Handy

Bad Segeberg/Rohlstorf/Wensin Die Mitfahr–App: Trampen per Handy

Getrampt wird heutzutage kaum noch, aber ab 2018 gibt es eine hochoffizielle, vom Kreis Segeberg empfohlene und vergleichsweise diskrete Gelegenheit, mitgenommen zu werden. Ein sogenanntes „Mitnahmenetzwerk für den ländlichen Raum“.

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Alexandra und ihr Onkel Andreas Lange testen die Mitfahrbank in Bad Segeberg. Jetzt fehlt nur die Mitfahr-App auf dem Handy.

Quelle: Fotos: Glombik/fotolia/pd*/materne*

Bad Segeberg/Rohlstorf/Wensin. Ältere werden sich noch erinnern. Daumen ’raus und trampen – das gehörte noch in den 80er Jahren zum Straßenbild. Getrampt wird heutzutage kaum noch, aber ab 2018 gibt es eine hochoffizielle, vom Kreis Segeberg empfohlene und vergleichsweise diskrete Gelegenheit, mitgenommen zu werden. Ein sogenanntes „Mitnahmenetzwerk für den ländlichen Raum“. Wem sich bei dem Verwaltungschinesisch schon die Fußnägel hochrollen: Es geht darum, Opa Otto oder den freundlichen Syrer von nebenan im eigenen Auto mitzunehmen, wenn man ohnehin schon fährt. Früher klappte das per Zuruf übern Gartenzaun, heute – weil alle nur noch aufs Smartphone starren – richtet man dafür eine App ein. Denn wer ohne Auto auf dem Land lebt, ist verloren. Schulbusse fahren meist nur morgens und mittags, sonst sieht es mau aus. Die Alten ziehen in die Städte, sonst werden sie abgehängt.

LN-Bild

Längst nicht alle Gemeinden haben sich schon für das kreisweite Netzwerk ausgesprochen.

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EU-Förderung

Ein attraktives Angebot, das die einzelnen Gemeinden nichts kosten soll: Das Mitnahmenetzwerk, das per Online-Plattform, App und Telefonzentrale Fahrer und Mitfahrer auch für Kurzfahrten zusammenführen soll, wird mit EU-Fördergelder in Höhe von knapp 145 000 Euro bezuschusst. Ingesamt soll das dreijährige Projekt 250 000 Euro kosten.

Im Sommer wird sich entscheiden, wer nach der EU-weiten Ausschreibung den Zuschlag für das Online-Portal bekommt. Das 250000 Euro teure Projekt soll Anfang 2018 starten, sagt Arne Hansen, Bürgermeister von Klein Gladebrügge, Kreistagsabgeordneter und Initiator dieses Projekts. Mit Hilfe einer App oder – wer kein Smartphone hat – Telefon werden Fahrer und Mitfahrer zusammengebracht.

Doch damit das dreijährige Projekt anläuft, müssen die Gemeinden dafür offensiv Werbung betreiben, sich kümmern. Denn digital ist nicht alles. Damit das Online-Portal ein Erfolg wird, werden wichtige Treffpunkte in den Orten mit Bänken und Informationstafeln eingerichtet. Die Sitzbänke werden vom Kreis gesponsert, sagt Hansen. In Bad Segebergs Südstadt kann man sich schon jetzt auf eine „Mitfahrbank“ setzen und hoffen, dass einer seine Wagentür öffnet. Doch bei dem neuen Mitnahmesystem, sei, so Hansen, die „soziale Sicherung größer“, weil sich die Fahrer offiziell anmelden müssen.

Man könne per Telefon oder Handy sogar Mitnahmezirkel organisieren, wenn zum Beispiel „nur die Mütter im Ort mein Kind zum Fußball mitnehmen sollen“. Das neue System verspreche gerade Sicherheit für Frauen.

Wer einen Fahrtwunsch zum Beispiel nach Bad Segeberg oder Wahlstedt hat, bekommt direkt auf das Handy die Information oder einen Anruf. Wenn Oma Erna aus Garbek regelmäßig mittwochs zum Bad Segeberger Markt möchte, erhalte sie immer dann, wenn es eine Mitfahrmöglichkeit gibt, eine Benachrichtigung. Genauso, wenn sie nur an einem bestimmten Tag nach Nehms zum Hausarzt möchte.

Übrigens: Es geht hier nicht um Geld, aber wer einen Benzingeldzuschuss oder Fahrtkostenanteil wünscht, muss das mit seinem Fahrgast aushandeln, das sei rechtlich in Ordnung, so Hansen. Wichtig sei vor allem, dass die Dorfbewohner, die ständig mit dem Auto unterwegs seien, sich zur Mitnahme ihrer Mitmenschen bereit erklärten. „Das ist Nachbarschaftshilfe und lebt vom Mitmachen.“

45 Gemeinden haben ihre Anmeldung für das Mitnahmesystem schon abgegeben. Alle Kommunen seien bereits vom Kreis dazu aufgefordert worden. Gerade wenn sie vom Busverkehr schlecht versorgt werden, profitierten sie von dem Mitnahmenetzwerk, so Hansen. Jörg Buthmann, Bürgermeister in Wensin, erwartet eine Entscheidung seiner Gemeinde nach der Sommerpause. „Ich selbst kenne drei Bewohner, die daran Interesse haben könnten, weil sie selbst nicht motorisiert sind.“ Viele Ältere ohne Führerschein in seinem Dorf müssten auch mal zum Arzt. Auch Rohlstorf Bürgermeister Dirk Johannsen hält das alles für eine „coole Idee“. Er werde schon mal das Thema „Mitfahrbank“ in die kommende Gemeindevertretung einbringen. „Wir sind dabei.“

 Wolfgang Glombik

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