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Segeberg Die Neue im Boot
Lokales Segeberg Die Neue im Boot
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22:58 17.05.2018
Das Vereinsteam hat eine Neue ins Boot geholt.
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Bad Segeberg

Für freiwillige Helfer ist eine direkte Ansprechpartnerin allemal ein Gewinn. Denn nur für ihre Anliegen ist sie da. Jetzt sind regelmäßige Sprechzeiten beim Verein am Kirchplatz eingerichtet worden.

 

Gabriele Abel ist die neue Koordinatorin. Der Verein am Kirchplatz bietet jetzt regelmäßige Sprechzeiten an rund ums Ehrenamt. Quelle: Fotos: Irene Burow

„Steine, die uns in den Weg gelegt werden, nehmen wir gern, um die Tür offen zu halten“, witzelt Schatzmeisterin Sophie Baierl in diesem Zusammenhang. Und auch die Frau, die unter anderem das koordinieren wird, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich weiß, wovon ich rede, wenn es um Ehrenamt und Flüchtlingsarbeit geht“, sagt Gabriele Abel. Die Bad Segebergerin begleitet selbst einen Afghanen und kennt das Prozedere um Erstaufnahmen, Abschiebung und Integration. „Es ist immer schön, wenn die Zusammenarbeit funktioniert. Ich kenne die Abläufe in der Verwaltung und weiß, dass bis Oberkante Unterlippe gearbeitet wird.“ Sie macht aber auch klar: „Ich lasse mich nicht so schnell abwatschen. Notfalls kann ich auch das Zauberwort Untätigkeitsklage hervorholen.“

Hinter ihr liegen 30 Jahre im öffentlichen Dienst: Für sie ein interessanter Wechsel, wie sie erzählt. Die Intention und die Stimmung im Verein gefallen ihr gut. Sie war gerade Gleichstellungsbeauftragte in Bargteheide, als die Flüchtlingswelle anrollte. In vier intensiven Jahren haben dort gut 300 Helfer viele Angebote entwickelt wie Deutschkurse, Behördenlotsen, Kleiderkammer oder Familienpaten. Die Initiative mündete schließlich im Verein „Bunte Vielfalt – Bargteheide Stadt und Land“. Zuletzt war Gabriele Abel im Kreis Stormarn zudem für ein Jahr Ehrenamtskoordinatorin, sorgte dafür, die vielen Flüchtlingsinitiativen im Kreis zu vernetzen.

„Das war mir zu weit weg. Ich wollte wieder zurück an die Basis und mit den Leuten direkt zu tun haben.“ In Bad Segeberg ist sie die Nachfolgerin von Karin Seidel-Neutzling. Im Verein, so sagt sie, müsse sie in große Schuhe hineinwachsen. „Es gibt richtig viel zu tun. Alle haben das Bedürfnis nach Koordination.“ Und meint damit nicht unbedingt den Bedarf an mehr Seminaren oder Infoblättern.

„Viele sind erschöpft. Es geht nicht mehr um Unterbringung, sondern um Integration. Man muss einen langen Atem haben. Die Verfahren dauern manchmal zwei bis drei Jahre. Man läuft immer und immer wieder gegen Wände, bei Institutionen und in der Gesellschaft. Das frustriert. Das macht etwas mit den Menschen, die sich kümmern.“ Sie will ihnen Mut machen, sie aufbauen und einen Raum bieten zum Auftanken. „So hat sie uns rumgekriegt“, sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende, Jana Oelschlägel, lachend.

Der Grund für ihr Engagement: „Das erweitert den Horizont. Man sieht Dinge, die man sonst nicht sieht“, sagt Abel. Jana Oelschlägel pflichtet ihr bei: Die Ablehnung von Flüchtlingen habe in der Regel damit zu tun, dass die Menschen einander nicht kennen. „Sobald die sich treffen, ändert sich das“, ist ihre Erfahrung. „Und das ist etwas, was wir leisten können“, sagt die Neue im Boot, die auch in der Initiative Südstadt aktiv ist.

Ein neues Projekt hat sie schon im Hinterkopf: eine Zusammenarbeit zwischen dem Familienzentrum Südstadt, der Kita Südstadt sowie den Migrationsbeauftragten des Kreises. „Ich möchte den Nachwuchs noch mehr reinholen. Kinder und Jugendliche leisten wertvolle Arbeit. Die Älteren organisieren Integration. Aber die jungen Menschen, die leben das.“

Die Sprechzeiten sind eingerichtet am Dienstag von 16 bis 18 Uhr (vor allem für Berufstätige) sowie donnerstags von 10 bis 12 Uhr (eher für Nicht-Berufstätige). Nicht nur Vereinsmitglieder können sich melden, alle Ehrenamtler sind im Vereinsbüro am Kirchplatz willkommen. Der Verein „Alleineinboot“ besteht derzeit aus etwa 160 zahlenden Mitgliedern, 60 von ihnen sind aktiv dabei.

 Von Irene Burow

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