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Segeberg Die Offensive für neue und bessere Radwege in Segeberg
Lokales Segeberg Die Offensive für neue und bessere Radwege in Segeberg
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20:10 21.06.2018
Das soll es bei neuen Velorouten nicht mehr geben: Radwege, die durch Baumwurzeln zerstört werden. Quelle: Fotos: Glombik
Bad Segeberg

Kürzlich wurde das neue Kreis-Radverkehrskonzept in Klein Gladebrügge einem großen Plenum mit Bürgermeistern und Verwaltungsmitarbeitern vorgestellt. Nach Regionalkonferenzen, Umfragen, Fachworkshops will man nun in die Umsetzung der Pläne gehen. Diagnose: Es gibt zu wenige Radwege. Und selbst wenn sie vor Jahren gebaut wurden, sind sie aktuell oft in einem schlechten Zustand. Der Kreis-Ingenieur für Radwegebau, Oliver Pielstiker, stellt klar, dass er Radwege nur neu bauen und sanieren wird, wenn gleichzeitig dafür gesorgt werde, dass nicht nach fünf Jahren schon Baumwurzeln den Asphalt hochdrücken und den Weg zerstören.

Segebergs Landrat radelt zur Arbeit, die halbe Bad Segeberger Stadtverwaltung ist mit Bike unterwegs. Auch sonst erfährt das Rad in Bad Segeberg und Umgebung – trotz äußerer schlechter Bedingungen – viel Rückenwind. Der Kreis geht in die Offensive, will sanieren und Radwege neu bauen.

Beispiele für derartige Holperstrecken gibt es genug. Hier nur zwei: Der Radweg zwischen Bad Segeberg und Fahrenkrug ist in einem extrem schlechten Zustand, und auch der zwischen Quaal und B 432 war wenige Jahre nach dem Bau total zerklüftet. Wurzeln der direkt daneben gepflanzten Bäume haben ihn so beschädigt, dass Radfahrer wieder vermehrt die Straße benutzen. Oliver Pielstiker will jetzt bei der Sanierung derartiger Radwege einen Wurzelschutz einsetzen. Das ist eine Art Folie, die parallel zur Veloroute 80 Zentimeter eingefräst wird, um das Wurzelwerk abzuhalten.

Wurzeln alter, geschützter Bäume dürfen nicht abgeschnitten werden, um den Bestand nicht zu gefährden. Stattdessen werden Brückenteile aus Beton über den kaputten Radweg mit Wurzel gelegt. Die Baumwurzeln werden vorher freigelegt und können im Zwischenraum unter der „Radbrücke“ keinen Schaden mehr anrichten. Das sei eine erprobte, zuverlässige Technik, so Pielstiker. „Ich möchte auch an neuen Radwegen noch Bäume pflanzen können.“ Mit dem Wurzelschutz müsse man sich für die Zukunft keine Gedanken machen. Nicht alle Radwege an Kreisstraßen werde man auf diese Weise sofort sanieren können. Geplant seien Bereiche an der K 52 Richtung Rickling, die K 61 Richtung Negernbötel und ein Bereich der K 87 gen Wahlstedt. In die Förderung des Radverkehrs will der Kreis jährlich drei Millionen Euro investieren.

Auch neue Velorouten seien geplant. Zum Beispiel bei Weede an der Kreisstraße 4. Pielstiker würde kreisweit gerne pro Jahr zwei Neubauprojekte umsetzen und vier weitere „anwerfen“. Denn ohne Grunderwerb von Landwirten gehe es dabei meist nicht. Wenn Gemeinden hier schon Vorverträge mit Grundstücksbesitzern getroffen haben, „können Maßnahmen schnell vorgezogen werden“, empfiehlt Pielstiker. In Weede sei hier alles abgeklärt, die Strecke könne noch 2019 gebaut werden.

Der Kreis fördert auch Radwege an Gemeindestraßen mit 75 Prozent. Jährlich stehen dafür zwei Millionen Euro bereit: Hier hat übrigens die Kreisstadt durch schnelle Planung die Nase vorn. Die Radwegsanierung an der Hamburger Straße ab B 206-Auffahrt bis Ortsausgang sei so gut wie genehmigt.

Ein Anwalt für Bad Segebergs Radfahrer

Er wird auf jeden Fall Pionierarbeit leisten müssen, denn die Verbesserung des Radverkehrs ist ein weites Feld in der Kreisstadt deren löchriges Radwege-Netz fast schon sprichwörtlich ist. Udo Nickel betont, dass er nicht nur Radfahrer, sondern auch Auto- und Kradfahrer sei und so die Problematik aus verschiedenen Perspektiven kenne. Er möchte sich für einen fairen Umgang aller Verkehrsteilnehmer einsetzen.

Warum nicht einen großen Fahrradgottesdienst bei der Kirche St. Marien?, trug er gleich einen Vorschlag vor. Er hat als Motorradfahrer jüngst am größten Motorradgottesdienst der Welt in Hamburg teilgenommen. Ähnliches – natürlich im kleineren Rahmen – könne er sich auch für Bad Segeberg vorstellen, aber eben auf dem Fahrrad. Gerade bei Schulwegen für radfahrende Schulkinder möchte Nickel ansetzen, der selbst noch schulpflichtige Kinder hat. Hier gebe es nach seinen Erfahrungen großen Gesprächs- und Planungsbedarf. Vorrangige Themen: Ziegel- und Kurhausstraße.

Nickel möchte zusammen mit der Verwaltung ein Radwege-Kataster erstellen. Ansonsten sei Aufklärung wichtig. Gerade Ältere stiegen oft auf ein E-Bike um. „Viele vergessen dabei Geschwindigkeit und Pflicht, hier einen Helm aufzusetzen.“ Nickel will den Fokus auf die Sicherheit richten. Für ihn gehe es nicht nur um mehr Fahrradwege, sondern auch um weniger Kanten. So lege er Wert auf mehr Barrierefreiheit. Sofort nach Amtsantritt will der Ausbildungsleiter des Ergon-Ausbildungszentrums das Gespräch mit den Schulen suchen, um etwas für mehr Fahrsicherheit zu erarbeiten.

Die Berufungsdauer für den Fahrradbeauftragten beträgt fünf Jahre, die Aufwandsentschädigung beläuft sich auf 250 Euro im Monat. Zuletzt hatte eine weitere Bewerberin zurückgezogen. Einzige Mitbewerberin um dieses Amt war deshalb Davina Gras, die Bad Segeberg zur Fahrradstadt weiterentwickeln möchte, sich im Ausschuss aber nicht durchsetzen konnte. wgl

Wolfgang Glombik

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