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Die Schaffner vom Bahnhof Nahe

Nahe Die Schaffner vom Bahnhof Nahe

In Richters Garten gibt es die Eisenbahn, die früher durch den Ort fuhr, noch — als wetterfestes Modell.

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Für Technik-Freak Jochen Richter gibt es kein unlösbares Problem auf der wunderschönen Eisenbahnanlage.

Quelle: Fotos: Spreer

Nahe. Die Richters aus Nahe sind Eisenbahner mit Leib und Seele. Marianne hält mit ihrem Sohn Jochen in Ehren, was ihrem verstorbenen Mann Heinz eine Herzensangelegenheit war: seine Modelleisenbahn in Übergröße. Auf etwa zwölf mal acht Metern haben sie gemeinsam in ihrem Garten eine wunderbare Eisenbahnlandschaft aufgebaut. Eine Vielzahl von Gebäuden und Details gibt wieder, womit sich Heinz Richter seine letzten Berufsjahre befasst hat: Er war der letzte Chef des Bahnhofs von Nahe. Und der findet sich natürlich auch in Richters Garten wieder.

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Tür zu! Nicht mal auf dem Plumpsklo hat man seine Ruhe.

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Und zwar derart naturgetreu, dass der Besucher nur staunt. Der Bahnhof ist längst abgerissen, heute steht dort ein Supermarkt. Bis in die 70er Jahre hat hier noch der Zug gehalten. „Wir haben vorm Abriss alles fotografiert, damit wir Vorlagen hatten“, sagt Marianne Richter (81). Vom Klohäuschen (in dem jemand sitzt — das sieht man, wenn man das Dach anhebt), über das Stationsschild bis zum Lattenzaun mit Rosenrankgitter steht in ihrem Garten alles so, wie es früher „in echt“ war. Und das Bahnhofsschild hat sie auch retten können. Es war über tausend Umwege in Freiburg gelandet und ist von dort wieder zu den Richters zurückgekommen — aber das ist eine eigene Geschichte.

„Auch das Gebäude haben wir nach Originalplänen nachgebaut“, sagt Marianne Richter. Mit einer unglaublichen Akribie hat das Ehepaar gewerkelt: Gekauft wurden weiße Kunststoffplatten, die ziegelrot angestrichen wurden. Um die hellen Fugen zustandezubringen, wurde die rote Farbe mit einem kleinen Nagel und mit Hilfe eines Lineals wieder abgekratzt — fertig war die Steinfassade, ein irrer Aufwand. Aber das Ergebnis ist perfekt.

Als die LN dort waren, hatte die Technik gemuckt. Zwischen den Schienen der Lehmann-Groß-Bahn (LGB) haben Ameisen Sand aufgewühlt, das irritiert die Technik. „Man müsste das alles mal absaugen“, schimpft Sohn Jochen. Er hat die 20 Jahre alte Bahn inzwischen digitalisiert — was seine Mutter nun davon abhält, die Züge zu steuern. Sie kommt mit der neuen Technik nicht zurecht. Jochen, der gerade einen Hexenschuss hat, muss erst einen Kurzschluss beseitigen. „Er hat ja alles umgebaut . . .“, moniert seine Mutter, die sich technisch „total ausgebootet“ fühlt. Dabei hat Jochen es nur gut gemeint. Dank seiner Anstrengungen können alle sechs Lokomotiven und rund 70 Waggons zugleich fahren — wenn die Ameisen nicht wären.

Mariannes Lieblingsobjekt in der Anlage ist ihr Elternhaus aus dem Jahr 1874 — es steht immer noch in Nahe. „Das hat mein Mann alles exakt ausgemessen, die Haustür, die Fenster, alles genau nachgebaut.“ Auf der Modellbahn ist dies ihr Lieblingsplatz. „2000 haben wir Omas Haus gebaut“, sagt sie. En miniature. „Da hat mir mein Mann eine kleine Bank davorgesetzt“, erinnert sie sich heute noch dankbar an seine Detailliebe. Aber auch den Bahnhof von Grabau, den Lokschuppen von Barmstedt und den Wasserturm von Wakendorf hat Heinz Richter im Modell „weiterleben“ lassen. An alle Details wurde gedacht. Als Ruheständler erst fing er mit diesem Hobby an.

Den Anstoß hat seine Marianne gegeben. 1994 hatte sie bei einem Bekannten eine LGB-Lok gesehen. „Da habe ich mir gedacht: Das ist doch mal ein Geschenk für meinen Mann.“ Daraus hat sich dieses Hobby entwickelt, das zur Familienpassion wurde. Von April bis Oktober steht die Anlage mit 70 Metern Schienen im Garten. Demnächst wird sie wieder demontiert — „eine Riesenarbeit“, so Marianne Richter. Alles wird in Kartons verstaut.

Jedes Jahr wird die Eisenbahnlandschaft neu aufgebaut, mit immer wieder neuen, raffinierten Details: Da ist der Ganter, der einen Radfahrer verfolgt und ihn in den Hintern kneift, eine gesellige Gruppe, die am Kiosk Kaffee trinkt, eine Draisine, auf der sich einige Menschen abmühen. Überall stehen alte Autos, sind Fußgänger unterwegs, Tiere bevölkern die Szenerie. „Die Elstern holen sich immer mal wieder die kleinen Plastikschweine“, bemerkt die Seniorin schmunzelnd. Schwund, das ist nun mal so. Und ab und zu trabt „Emma“, ihr Hund, über die Gleise, fegt mit dem Schwanz Figuren um. Das muss sie abkönnen — die Anlage.

LGB: Jeder Eisenbahnliebhaber kennt diese Firma
Die Lehmann-Groß-Bahn (auch Lehmann-Garten-Bahn genannt) ist eine wetterfeste Gartenmodellbahn mit einer Spurweite G von 45 Millimetern, im Maßstab 1:22,5. Sie wurde seit 1968 bis zur Übernahme durch Märklin im Jahre 2007 vom Nürnberger Modellbahnhersteller Ernst Paul Lehmann Patentwerk (EPL) hergestellt.

Inzwischen gehört LGB der Firma Simba Dickie. Wie das Unternehmen auf seiner Internetseite erklärt, ergänzten sich „das Produktportfolio und die Zielsetzung beider Unternehmen ideal“.

In der fast 130-jährigen Unternehmensgeschichte entwickelte sich die LGB von einer kleinen familienbetriebenen Spielzeugmanufaktur in Brandenburg zu einem weltweit bekannten Produzenten von innovativem Blechspielzeug. Ab 1968 widmete sich das Unternehmen der ersten Großbahn in der Baugröße G, was in den darauffolgenden Jahren weltweit zu erheblichem Wachstum führte. LGB ist die weltweit meistverkaufte Gartenbahn für drinnen und draußen. Insgesamt gibt es über 600 Modellbahn-Artikel dieser Baugröße. spr

Christian Spreer

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