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Segeberg Die Segeberger Erdbeben-Jäger
Lokales Segeberg Die Segeberger Erdbeben-Jäger
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20:51 04.01.2018
Ingenieur Detlef Schulte-Kortnack zeigt die Metallkiste, in der die ganze Technik für die Erdbebenüberwachung verstaut ist. Quelle: Fotos: Petra Dreu
Bad Segeberg

Egal, ob irgendwo auf der Welt die Erde bebt oder Raketen für Erschütterungen sorgen, den vier Seismographen, auch Seismometer genannt, in und um Bad Segeberg entgeht nichts. Bereits seit dem 20.

Gibt es seismische Aktivitäten im Raum Bad Segeberg? Dieser Frage geht derzeit das Institut für Geowissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität Kiel nach, das sein Datennetz um neue Messstationen in Bad Segeberg, Klein Gladebrügge und Stipsdorf erweitert hat.

Dezember 1995 steht eins der Messgeräte in den Kalkberghöhlen, das dort vom Hamburger Institut für Geophysik aufgestellt wurde. Positioniert ist der Kasten auf dem harten Feldgestein und liefert seitdem zuverlässig seine Daten und zeichnet jede noch so kleine Erschütterung auf.

Auch das „Mini-Erdbeben“, das am 29. Oktober 1997 die Bürger von Quaal beunruhigt hatte, ist dem empfindlichen Messgerät nicht entgangen. Nur für zwei Sekunden hatte damals die Erde um 20.58 Uhr Ortszeit gebebt. Ganz kurz und auch nicht besonders heftig waren die Erschütterungen zu spüren, die aber ausreichten, dass Bürger bei der Polizei anriefen und ihre Häuser besorgt auf Risse kontrollierten. Damals ging der Seismologe Jürgen Klüßmann vom Hamburger Institut davon aus, dass sich im Segeberger Salzstockgebiet ein Einsturz ereignet hatte. Die genaue Lage vermutete er etwa drei bis vier Kilometer nordöstlich von Bad Segeberg, also zwischen den Dörfern Stipsdorf und Quaal.

„Mit nur einem Seismometer kann man nicht genau genug bestimmen, wo exakt sich die Erschütterung ereignet hat. Mit mehreren Geräten aber ist das möglich“, erzählt der Geophysiker Christian Weidle.

Anfang Dezember war er mit seinem Kollegen, dem Techniker und Ingenieur Detlef Schulte-Kortnack in und um Bad Segeberg unterwegs, um die Daten von drei neuen Seismometern auszulesen. Erst im Juli letzten Jahres waren diese vom Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität in Kiel aufgestellt worden und liefern seitdem zuverlässig Daten über jede noch so kleine Erschütterung.

In Klein Gladebrügge, Stipsdorf und auf dem Gelände des Wege-Zweckverbandes sind die eher unscheinbaren Messgeräte installiert, die ihre Daten an das Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover senden. Die Bundesbehörde hat die Aufgabe, in ihrem Datenzentrum seismische Daten aus ganz Deutschland zusammenzutragen. Von dort aus werden die öffentlich zugänglichen Daten zum weltweiten Sammelzentrum in Denver (USA) übermittelt.

Zu den am stärksten gefährdeten Erdbebenregionen gehören Indonesien, Philippinen, Japan, USA, Mexiko, Peru und Chile. Aber auch Nordindien, Nepal und China sind immer wieder durch Erdbeben getroffen worden. In Europa hat die Erde besonders oft in Italien, Griechenland und in der Türkei gebebt. Eins der schrecklichsten Erdbeben ereignete sich am 12. Januar 2010 auf Haiti. Mit einer Stärke von 7.0 hatte es für mehr als 300000 Todesopfer gesorgt.

„Von diesen Gebieten sind wir weit entfernt, das ist schon richtig. Aber Erschütterungen gibt es schließlich auch bei uns“, erklärt Christian Weidle mit Verweis auf das kurze Beben zwischen Stipsdorf in Quaal. „Wenn man seine Störzone genau kennt, kann man sie besser überwachen, kartieren und einschätzen“, ist der Geophysiker überzeugt.

Ein Faktor, der für die seismischen Daten besonders wichtig ist, ist die Zeit. Deshalb sind die neuen Messgeräte in Bad Segeberg, Stipsdorf und Klein Gladebrügge mit GPS-Antennen bestückt, über die sie ihre Zeit ausrichten. „Das ist für alle Messungen wichtig. Wenn die Zeit nicht gleich wäre, würde die Auswertung aller Daten extrem schwierig“, erklärt Weidle.

Die seismischen Messstationen registrieren auch Erschütterungen durch vom Menschen verursachte Ereignisse, wie beispielsweise Kernwaffentests. Voraussagen lässt sich ein Erdbeben durch die viele Technik nicht, aber die in Bad Segeberg aufgezeichneten Daten tragen zum Gesamtbild aller erdbebengefährdeten Gebiete bei.

Erdbeben und ihre Stärke

Die von Charles Francis Richter entwickelte Richterskala ist die bekannteste Messskala für Erdbeben. Messen aber kann sie nur Erdbeben bis zur Stärke (Magnitude) 6,5. Wissenschaftler haben inzwischen andere Skalen entwickelt, mit denen Werte weit oberhalb der Magnitude 6,5 gemessen werden können. Das stärkste regionale Erdbeben der letzten 20 Jahre hatte das Bundesamt für Geowissenschaften in der niederrheinischen Bucht mit 4,5 gemessen.

Petra Dreu

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