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Segeberg Die Sprache, der Schlüssel zum Erfolg
Lokales Segeberg Die Sprache, der Schlüssel zum Erfolg
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18:28 28.12.2013
Jafar Mohammadi (24) hat beim WZV eine Ausbildung angeboten bekommen, Fahime Heydari (20) darf im Frühjahr zu einem Intensiv-Sprachkursus und für Töchterchen Setayesh wird ein Kitaplatz gesucht.
Bad Segeberg

Vor dreieinhalb Jahren sind Fahime Heydari (20) und Jafar Mohammadi (24) aus Afghanistan geflüchtet und nach vielen Widrigkeiten in Segeberg gelandet (wir berichteten). Das Paar aus Afghanistan will eigentlich nur eins: „Die Sprache lernen, arbeiten und ein schönes Leben führen.“ In Deutschland. Ohne Angst. Doch leicht wird es ihnen nicht gemacht.

Ihr Asylverfahren ist noch immer nicht abgeschlossen. Das bedeutet, dass sie immer noch nicht arbeiten dürfen und keinen Anspruch auf einen geförderten Sprachkursus haben. Aber die beiden wollen sich integrieren und kämpfen dafür. Und zumindest für Jafar scheinen die Früchte der Bemühungen in greifbarer Nähe, er hat das Angebot, nächstes Jahr eine Ausbildung zum Mechatroniker beim WZV zu beginnen.

Der Schlüssel zum Erfolg ist die Sprache. Auch für die Arbeitserlaubnis. Derzeit besucht Jafar einen weiterführenden Deutschkursus an der Grone-Schule in Lübeck in Verbindung mit einem Praktikum bei einem Karosseriebauer. Der Kursus, ein Projekt der IHK mit finanzieller Unterstützung vom Land, dauert noch bis März. Durch den Lehrgang, die Arbeit und ein mehrmonatiges Praktikum zuvor beim WZV ist Jafar schon sehr sicher in der Sprache geworden. Doch der 24-Jährige ist wissbegierig und will mehr und besser Deutsch lernen. Dabei hilft ihm Friederike Dreessen. Die 19-Jährige ist seit September Sprachpartnerin von Jafar und Fahime. Einmal in der Woche besucht sie das Paar in Klein Gladebrügge und spricht mit ihnen Deutsch. „Wir essen dann was Leckeres und reden über alles mögliche.“ Sogar Vergleiche zwischen Koran und Bibel wurden schon angestellt. Außerdem schreiben sie sich über Facebook. „Das klappt richtig gut“, sagt Dreessen.

„Ich frage immer, was Fredi macht“, sagt Jafar. Alles, was von außen kommt, saugen er und Fahime auf wie ein Schwamm. Denn trotz aller Erfolge fühlen sich Jafar und Fahime einsam auf dem Land. Im Dorf fehlen ihnen die privaten Kontakte. Jafars Arbeitskollegen kommen auch nicht aus Bad Segeberg. „Sie fahren Auto“, sagt er. Und meint, die Kollegen pendeln. Er selbst aber ist nicht mobil. Von einem eigenen Wagen kann Jafar, gelernter Automechaniker, vorerst nur träumen. Am liebsten hätten Jafar und Fahime „Fredi“ jeden Tag bei sich. Aber das geht natürlich nicht, das wissen die beiden auch.

„Wir brauchen viel mehr Sprachpartner“, betont Friederike Dreessen, die den beiden auch helfen will, mehr Anschluss an das Dorfleben in Klein Gladebrügge zu bekommen. Der Sprachkursus allein jedenfalls reicht für die Flüchtlinge oft nicht aus, wenn sie ihre neuen Kenntnisse danach nicht auch anwenden können. Das wird an Fahime deutlich, die seit dem Deutschkursus an der VHS mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Setayesh viel zu Hause ist, während Jafar sein Praktikum macht und die Schule besucht. „Fahime war in der Prüfung besser als ich“, sagt Jafar, der dafür besser oder zumindest sorgloser spricht. Fahime fehlt das Training, ihr Selbstbewusstsein in die Sprachkenntnisse nehme ab, hat auch Gisela Dell von der Migrationssozialberatung der Diakonie festgestellt. Sie betreut das Paar. „Fahime braucht eine Perspektive“, sagt Dell. Und die gibt es zum Glück: Im Frühjahr kann auch Fahime nach Lübeck an die Grone-Schule zum Intensivkursus gehen. Ihr Praktikum möchte die 20-Jährige in einem Friseursalon absolvieren oder in einem Kindergarten. Außerdem soll die kleine Setayesh in die Kita. Sprachpartnerin Friederike Dreessen hat aber auch schon nach wenigen Wochen beobachtet: „Fahime flüchtet viel seltener ins Persische und lässt Jafar seltener übersetzen.“

Wenn jetzt noch das Asylverfahren abgeschlossen wird und beide einen gesicherten Aufenthalt in Deutschland erhalten, kann 2014 für Fahime und Jafar den Durchbruch bringen.

Nadine Materne

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