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Segeberg Die Welt der Jugend im Comic
Lokales Segeberg Die Welt der Jugend im Comic
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07:08 04.07.2017
Zeichnungen, Street Art, Fotos – bearbeitet und kombiniert mit Comicelementen: Die Collage für die Einladung zur Ausstellung Comic und Co ab 13. Juli in der Kunstschmiede Tischler in Trappenkamp zeigt einen Eindruck der Vielfalt der Arbeiten der am Projekt beteiligten Jugendlichen.
Trappenkamp

Sprechblasen, einfache Formen, fantasievolle Geschichten – das macht Comics aus. Eine verspielte Kunstform, mit der sich viel erzählen lässt, die aber nur eine kleine Hemmschwelle im Hinblick auf das eigene Können hat. Man muss nicht zwingend ein talentierter Zeichner sein, um sehenswerte Ergebnisse zu erhalten. Das beweisen nun mehr als 100 Jugendliche aus Trappenkamp mit einem knapp ein Jahr andauerndem Comicprojekt. Ihre Ergebnisse werden ab 13. Juli in der Ausstellung Comic und Co. in der Kunstschmiede Tischler gezeigt.

Mehr als 100 Trappenkamper Jugendliche erzählen ihre Geschichten in fantasievollen Comics – und stellen diese aus.

„In den Geschichten wird Gestern mit Heute verbunden, werden Grenzen überwunden und neue Freund-

schaften geschlossen.Sigrun Drapatz

Künstlerin

Zeichnungen, Fotografien, Animationen, kleine Objekte: „Wir haben viel experimentiert“, sagt die Berliner Künstlerin und Initiatorin des Projekts, Sigrun Drapatz. An Projekttagen in den beiden Trappenkamper Schulen und in mehreren Workshops im Jugendzentrum waren auch zahlreiche Flüchtlingskinder beteiligt. Ihr gemeinsames Thema: „Ausziehen, Einziehen, Umziehen“.

„Es sollte ein verspieltes Thema sein“, erklärt Sigrun Drapatz. Mit dem aber alle etwas anfangen können. Bei den ganz Kleinen ging es um Hausgeister: „Stell dir vor, du ziehst um und es ist schon jemand da“, erläutert sie. Im fünften und siebten Jahrgang der Richard-Hallmann-Schule entwarfen die Schüler nach einigen Vorübungen ihre eigene Comic-Geschichte auf einem DIN-A-3-Bogen.

Überrascht war Drapatz, wie wenig die Kinder im Projekt bisher mit Comics zu tun hatten. In Berlin sei das ganz anders. Dafür konnten die Jugendlichen ihrer Kreativität freien Lauf lassen. „Es gab keine Vorlagen“, betont Drapatz. „In den Geschichten wird das Gestern mit dem Heute verbunden, werden Grenzen überwunden und neue Freundschaften geschlossen.“

In den Flüchtlingsklassen wurde viel mit Fotos gearbeitet: „So sollten die Jugendlichen den Körper zu ihrem Kopf zeichnen“, erklärt Sigrun Drapatz. Natürlich geht es bei ihnen auch um Flucht, und wie sie nach Trappenkamp gekommen sind. Mit dem Auto, per Boot oder Flugzeug. . .

Die Arbeit mit Flüchtlingen lag für Drapatz nahe. Es waren zwei geflüchtete Syrer, Comic-Zeichner, die sie in Berlin kennengelernt hat und mit denen die Idee vor über einem Jahr entwickelt wurde – Comic, das sei die Sprache der Jugend. Das Projekt in Trappenkamp zu verwirklichen, einem Ort, der einst von Flüchtlingen gegründet wurde, in dem Drapatz’ Eltern noch immer leben, drängte sich für sie auf. „Wir waren mit einigen Kindern auch im Bunkermuseum, um zu zeichnen.“ Damals flüchteten die Menschen mit Bollerwagen – was haben sie heute dabei?

Als sich Drapatz im vergangenen Sommer um eine Finanzierung über das Projekt „Künste öffnen Welten“ bewarb (und schließlich auch erhielt), startete das Team das Projekt zunächst auf eigene Faust. Die beiden Profi-Comiczeichner mussten aus persönlichen Gründen zwar aussteigen, dafür holte Drapatz die Hamburger Illustratorin Anne-Katrin Ströh ins Boot. Außerdem den jungen Trappenkamper Syrer Saad Alhabas, der insbesondere bei den Workshops im Jugendzentrum bei der Verständigung half. „Am Anfang wurde viel Arabisch gesprochen, mit der Zeit aber kam immer mehr Deutsch dazu“, sagt Drapatz. Sie ist überzeugt davon, dass das Projekt zumindest den Flüchtlingen auch bei der Sprachentwicklung geholfen hat.

Ein großer Teil der Arbeiten entstand im Jugendzentrum in ständig wechselnden, gemischten Gruppen. Eine Herausforderung: „Das Extremste war eine Gruppe zwischen sechs und 30 Jahren“, berichtet Drapatz. Hier aber wurde dafür stärker experimentiert, „das Comic in den Raum gedacht“. Einige der entstandenen Objekte sind auch ab nächster Woche bis Ende Juli in der Schmiede zu sehen. Außerdem kurze Animationsfilme.

 Nadine Materne

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