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„Die Zukunft hat viele Namen“

Wahlstedt „Die Zukunft hat viele Namen“

Einbürgerungsfeier für Segeberger aus Polen, Thailand und Lettland, aus Mexiko, Kroatien und Dänemark.

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Sahat Wanikiat aus Thailand und seine Frau Waltraud sind seit 1975 verheiratet: „Ich habe die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt, weil ich eine große Liebe für das Land empfinde“, so der 70-Jährige.

Quelle: Fotos: Hiltrop

Wahlstedt. „Ich erkläre feierlich, dass ich das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten und alles unterlassen werde, was ihr schaden könnte.“ 19 Männer und Frauen wurden in diesen Tagen im Kreis Segeberg deutsche Staatsbürger. Zum ersten Mal waren Landrat Jan Peter Schröder, Rolf Meenen von der Ausländer- samt Helmut Rose und seiner Kollegin von der Einbürgerungsbehörde nach Wahlstedt in die Begegnungsstätte gekommen, um ihnen das Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung abzunehmen.

LN-Bild

Einbürgerungsfeier für Segeberger aus Polen, Thailand und Lettland, aus Mexiko, Kroatien und Dänemark.

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Vom Aus- zum Inländer

240 Einbürgerungen gibt es im Schnitt jedes Jahr im Kreis Segeberg.

80 Einbürgerungen wurden bisher 2016 im Kreis Segeberg vorgenommen. 5,3 Prozent betrug 2014 der Anteil der Schleswig-Holsteiner ohne deutschen Pass. (hil/Quelle: Statistikamt)

„Das passt, da wir hier in Wahlstedt schon seit den 50er-Jahren ein buntes Völkchen aus vielen Nationen sind“, begrüßte Bürgermeister Matthias Bonse die Neubürger. Im Hintergrund: Europas Sterne auf blauem Tuch, daneben die schwarz-rot- goldene Deutschlandfahne sowie die von Schleswig-Holstein und des Kreises Segeberg. Alles zusammen ein wirklich würdiger Rahmen, betonte Landrat Schröder, dass das alles eben viel mehr sei, als ein reiner Verwaltungsakt, „wie die Ausstellung eines Angelscheins“. Dann zitierte er Victor Hugo mit den Worten „Die Zukunft hat viele Namen“.

Mal mit fester Stimme, mal andächtig, mal aufgeregt sprachen die Segeberger mit fremdem Pass schließlich die Formel, dann gab es die Urkunden. Jeder einzelne von ihnen hat seine ganz eigene Geschichte. Manda Schultz aus Wahlstedt zum Beispiel. Die gebürtige Kroatin lebt schon seit 43 Jahren hier, ist seit 40 Jahren verheiratet und arbeitet seit 34 Jahren beim Pumpenhersteller Grundfos.

Ihre Kinder haben von Geburt an die deutsche Staatsbürgerschaft. „Wir wollten das schon lange machen. In Kiel sagte man uns aber, dass das sehr kompliziert sei und wir lieber so lange warten sollten, bis Kroatien Mitglied der EU ist. Zehn Jahre ist das her. Nun ist es endlich soweit“, sagt Ehemann Horst und drückt seine Frau. „Wir sind doch alle eine Familie, gehören zusammen. Dann sollten wir auch alle einen Pass haben“, unterstreicht Manda Schultz.

Waltraud Wanikiat lächelt: „Nun habe ich einen deutschen Mann, ganz ungewohnt.“ 70 Jahre ist der Ingenieur Sahat Wanikiat aus Norderstedt alt und dürfte damit der älteste in der Runde sein. 1968 studierte er in Deutschland, lernte seine Frau kennen, sie heirateten, gingen ein paar Jahre gemeinsam in seine Heimat Thailand und kehrten 1975 nach Norddeutschland zurück. Den Pass seines Geburtslandes aufgeben, das kam für ihn nicht in Frage, und so brauchte es über 40 Jahre und ein Abkommen zwischen Deutschland und Thailand, mit dem die doppelte Staatsbürgerschaft möglich gemacht wurde.

Wie lange so ein Verfahren sonst dauern kann, davon wissen die Mexikanerin Laura Mertens und ihr Mann Matthias ein Lied zu singen: „Allein zu heiraten, war schon ein echter Akt“, so die beiden aus Kaltenkirchen. Ein dicker Aktenordner und fast ein Jahr habe es vom „Willst Du“ bis zur Unterschrift unter die Heiratsurkunde gedauert. „Ich muss nicht die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen, ich will das“, unterstrich Laura Mertens diesen „special moment“, den auch der Däne Jan Uwe Christensen und seine Frau, die Lettin Zanete, nach über 20 Jahren im Land haben: „Wir sind Europäer. Es war nie Option, eine Staatsangehörigkeit abzugeben, sondern die deutsche dazu. Ausschlaggebend war, das Wahlrecht in dem Land ausüben zu können, in dem wir zu Hause sind.“

Heike Hiltrop

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