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Die ewig aktuelle Frage: Wie kam Uwe Barschel ums Leben?

Bad Segeberg Die ewig aktuelle Frage: Wie kam Uwe Barschel ums Leben?

Er sei hochintelligent und fleißig gewesen, habe aber charakterliche Mängel gehabt. So beschrieb Heiko Hoffmann, Ex-Fraktionschef der CDU in Kiel, den damaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel in der Segeberger Gesprächsrunde „Mord oder Selbstmord?“

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Auf dem Podium (von links) Heinrich Wille, Manfred Ertel und Professor Rainer Burchardt.

Quelle: Fotos: Kullack

Bad Segeberg. Eine schlüssige Antwort darauf, wie es dazu kam, dass Schleswig-Holsteins Ministerpräsident am 11. Oktober 1987 tot in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel „Beau-Rivage“ aufgefunden wurde, konnte die Runde vor gut 60 Zuhörern nicht geben – warum sollte ihnen auch etwas gelingen, an dem sich 30 Jahre lang ganze Armeen von Ermittlern, Wissenschaftlern und Journalisten abgearbeitet hatten? Professor Rainer Burchardt, Initiator und Leiter der „Segeberger Gespräche“ und zu Barschels Zeiten NDR-Korrespondent in Kiel, hatte wirkungsvolle Akteure eingeladen, die kein Blatt vor den Mund nahmen: Heinrich Wille, damals bei der Lübecker Staatsanwaltschaft mit dem Fall Barschel betraut und danach Oberstaatsanwalt. Dazu Manfred Ertel, dessen erste Spiegel-Berichte über „Barschels schmutzige Tricks“ eine Lawine losgetreten hatten. Und als Überraschungsgast begrüßte Burchardt Heiko Hoffmann, von 1979 bis 1985 Chef der CDU-Landtagsfraktion und von 1985 bis 1988 Innenminister.

 

LN-Bild

Heiko Hoffmann war damals CDU- Fraktionschef, später Innenminister.

Wille räumte ein, Barschel gar nicht gekannt zu haben – zu seinem Fall wurde der Mann, der sich selbst gern „MP“ nennen hörte, erst durch dessen Tod. Ertel hatte Barschel zuvor auch im privaten Rahmen getroffen, Hoffmann aber kannte den einstigen Jung-Karrieristen seiner Partei seit 20 Jahren. Barschel habe keine wirklichen Freunde gehabt und sei ein Mann gewesen, der sich selbst in seiner Rolle als Mensch nicht angenommen habe, war Hoffmanns Einschätzung. Ertel vertritt die These, Barschels Tod sei   ein „instrumentalisierter Selbstmord mit Hilfe einer anderen Person“ gewesen.

Burchardt sagte zwar über Barschel: „Wer ihn näher kennengelernt hatte, wusste: So ein Mensch bringt sich nicht um, so einer wird ermordet“ – am Ende aber stützte er mit manchen Beobachtungen doch die Selbstmord-Theorie. Da seien zum Beispiel jene vier, fünf Zettel gewesen, die man nach Barschels Tod in seinem Hotelzimmer gefunden hatte. Mit seinen Notizen habe er bewusst versucht, falsche Fährten zu legen. So habe er in einer Notiz behauptet, „drei bis vier Mal“ per Auto das Flughafengelände umrundet zu haben, um die Journalisten abzuschütteln. Das aber wäre unbeobachtet gar nicht möglich gewesen: Der Genfer Flughafen liegt direkt an der französischen Grenze, die man bei jeder „Umrundung“ hätten passieren müssen.

Heinrich Wille hatte für seine Mord-Theorie einige Indizien anzuführen. Da sei etwa die Tatsache, dass die vier tödlichen Gifte Barschel in zwei Gaben verabreicht wurden. Da seien die Abriebspuren auf den Läufern im Flur, die eindeutig von den Schuhen Barschels stammten und auf eine körperliche Auseinandersetzung deuten. Nicht unbemerkt, so Burchardt, solle bleiben, dass dieser Kriminalfall vor 30 Jahren in der Mafia- und Waffenhändler-Hauptstadt Genf geschehen sei.

Von Lothar Hermann Kullack

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