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Die neuen Burger-Meister

Bad Segeberg Die neuen Burger-Meister

Unternehmer wollen die Segeberger mit Edel-Burger locken: Gleich zwei Neueröffnungen binnen einer Woche gab es in der Stadt. „Neo – the urban kitchen & bar“ ist in den Alten Bahnhof eingezogen, und Am Markt speist man bei der „B&B Burgermanufaktur“.

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So sehen die Burger der neuen Generation aus: Mirco Müller, Betriebsleiter des „Neo“, vor dem Alten Bahnhof mit einem Double-Cheeseburger. FOTOS: JAN WULF

Bad Segeberg. Wenn man sich zum Abendessen auf gestapelte Euro-Paletten setzen soll, klingt das erst mal nicht nach Gemütlichkeit. Wenn auf den Holzpaletten aber dicke Polster liegen, man an maßgeschreinerten Echtholztischen sitzt und Industrielampen von der Decke baumeln – dann ist das Urban-Design. Industrie-Stil. Der Ausdruck der Großstadt. Jetzt ist dieser in Bad Segeberg eingezogen. Und mit ihm Fastfood, das eigentlich gar keines mehr ist.

Aber der Reihe nach. Es gibt neues Leben im Alten Bahnhof. „Neo – the urban kitchen & bar“ ist dort jetzt zu Hause. Für das Lübecker Unternehmen ist es der erste Standort außerhalb der Hansestadt.

Das Konzept bleibt das gleiche: Mit qualitativ hochwertigen Hamburgern und einer modernen Einrichtung will die Edel-Burger-Schmiede die Kunden locken. „Die Menschen legen beim Essen inzwischen mehr wert auf Qualität und sie wollen wissen, wo genau ihr Essen herkommt“, erklärt „Neo“-Betriebsleiter Mirco Müller das Konzept und gleichzeitig den Trend der Delux-Hamburger, die seit einigen Jahren Deutschland erobern.

Bislang aber eben nur Großstädte. „Warum sollen die Menschen in kleineren Städten oder auf dem Land nicht auch das Bedürfnis nach gutem Essen haben?“, fragt Müller. Die Zutaten seiner Burger kommen aus der Region. „Wer es genau wissen will, dem kann ich exakt sagen, von welchem Landwirt das Rind kommt sowie wann und wo es geschlachtet wurde“, sagt „Neo“-Küchenchef Matthias Perkun. Er ist stolz darauf, dass das Fleisch, aus dem die Patties gemacht werden, Entrecôte-ähnlich seien, nahezu Steak-Qualität hätten. Der Teig für die Brötchen werde in der eigenen Küche hergestellt, genauso wie die Limonaden und der Eistee. „Alles handmade“, betont Perkun. Das hat seinen Preis: Zwischen 8,30 Euro (Veggie-Burger) bis 12,80 Euro (Double Cheeseburger), jeweils inklusive Steak-Pommes, müssen die Kunden löhnen. „Die Menschen wissen inzwischen, dass gutes Essen auch etwas kosten muss“, ist sich Chef Müller sicher, der über die nicht ganz einfache Lage der Immobilie an der B 206 weiß. „Es ist eine Herausforderung hier.“ Das Restaurant „Luzifer“, erster Mieter nach der 2010 beendeten Restaurierung des Bahnhofs, eröffnete erst im März 2015 nach einer fast einjährigen Pause neu – bereits im September desselben Jahres schmissen die Unternehmer aber dann endgültig das Handtuch.

Ortswechsel. Am Markt in Bad Segeberg bei der „B&B Burgermanufaktur“ sitzen die Gäste auf Baumstämmen, die mit Fell bezogen sind. Birkenstämme wachsen aus dem Boden. Kuhfell und Kunstrasen hängen an den Wänden. Das Design erinnert an das der Kette „Hans im Glück“, Pioniere und Marktführer der Edel-Burger-Branche, die sich binnen kürzester Zeit zu einem Millionenbusiness entwickelt hat. Die Musik in der Manufaktur ist lauter und moderner, als man es von Restaurants gewöhnt ist. Die Speisekarte sind Zettel, die an einem Clipboard hängen. Die Bestellung wird angekreuzt, die Bedienung sammelt die Zettel dann wie die Lehrerin nach einer Klassenarbeit ein. Die Burgermanufaktur ist das jüngste „Baby“ von Fabian Bork. Der 47-Jährige betreibt bereits seit sechs Jahren den Immenhof in Schackendorf, seit über zwei Jahren auch den Que-Danceclub in der Rosenstraße. Vor acht Wochen unterzeichnete er den Mietvertrag, binnen vier Wochen entkernte er das ehemalige „Busch Junior“, sanierte es und richtete es neu ein. Am Mittwoch war Eröffnung. „Ich habe eine hohe Affinität zu jungen Leuten. Die habe ich auch mit einbezogen, als es zum Beispiel um die Speisekarte ging“, erzählt Bork. Halloumi Pattys (halbfester Käse) oder Pommes mit Chili con Carne stehen drauf. Oder Burger mit Camembert und Preiselbeeren oder Ziegenkäse. Aber auch der klassische Hamburger oder Chickenburger. „Die Branche hat erst spät den Mut gefasst, gegen die Fastfood-Riesen anzutreten. Dabei können wir es besser“, ist Bork überzeugt. Mit Mut meint aber auch er natürlich die Preise. Zwischen 5,90 und 8,90 kosten die Burger in der Manufaktur. Dafür setzt der Gastronom ebenfalls auf frisches Rindfleisch und Zutaten aus der Region, die Brötchen kommen vom Bäcker nebenan.

McDonald’s und Co. sehen in den kleinen Burger-Schmieden bislang noch keine richtige Konkurrenz. Die Mega-Konzerne halten die neue Generation der Burger für ein Nischenprodukt. Die Segeberger können nun mitentscheiden, ob sie es bleiben.

Riesiger Markt

12 Milliarden Euro setzten die 100 größten Anbieter der Systemgastronomie laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Jahr 2014 um. Ein Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei wird dieser Wert laut Dehoga sogar stark durch Umsatzverluste von McDonald’s und Burger King gedrückt. Ohne die beiden größten Unternehmen ergeben sich Mehrerlöse von 5,2 Prozent für die übrigen 98.

Die Top-Ten der größten Anbieter in Deutschland: 1. McDonald’s, 2. Burger King, 3. LSG Lufthansa, 4. Autobahn Tank & Rast, 5. Nordsee, 6. Yum!, 7. Subway, 8. Aral, 9. Ikea, 10. Edeka.

 Jan Wulf

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