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Segeberg Die süßen Rüben gehen auf eine weite Reise
Lokales Segeberg Die süßen Rüben gehen auf eine weite Reise
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18:22 09.11.2013

Grau türmen sich die Wolken am Horizont auf, ein Viertel eines Regenbogens ist zu sehen. Ein Rübenroder fährt über den Acker, wühlt Erde auf und wirft seitlich das Grün der Zuckerrüben aus. Ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem die Zuckerrübensaat — blaue Kügelchen, die wie Liebesperlen aussehen — in die Erde gebracht wurde. Nun ist Martin Kiel auf den Feldern von Landwirt Heiko Rahlf unterwegs und erntet die Rüben.

Eine ausgeklügelte Technik versteckt sich in der Rodemaschine. So genannte Schlägel, die wie kleine Windmühlenblätter aussehen, rotieren und schlagen den Zuckerrüben die Blätter ab. Da der Blattansatz dabei nicht erfasst wird, ist hinter die Schlägel ein Nachköpfsystem geschaltet: Messer schneiden Blattansatz und etwa zwei Zentimeter des Rübenkopfes weg. Erst dann kommen die Rodeschare zum Einsatz und holen die Rüben aus der Erde. „Möglichst sauber, frei von Blättern und mit intakter Spitze wünscht sich die Zuckerfabrik die Rüben“, sagt Kiel und hält eine „gute“ Rübe mit langer Spitze und geköpftem Oberteil in der Hand. Etwa in den unteren zehn Zentimetern habe die Rübe den meisten Zuckergehalt, in den Blättern gar nichts, erklärt er.

Da beim Roden große Brocken Erde an der Rübe verbleiben, laufen die Zuckerlieferanten durch ein Reinigungssystem, das aus Walzen und Sternsieben besteht. Anschließend transportiert ein Rübenelevator die Zuckerrüben in den Bunker des Roders. Ist dieser voll, werden die Rüben während der Fahrt auf einen Muldenkipper umgeladen. Dieser fährt an den Ackerrand, schüttet sein Gut aus — eine Rübenmiete entsteht. Eine Woche lang lagern die Rüben auf dem Haufen, dann kommen Laster und fahren die Rüben in die Zuckerfabrik nach Uelzen ab. „Es ist dann eine Verlademaus vor Ort, die ähnlich wie ein Rübenroder aussieht. Diese Maschine verlädt die Rüben direkt auf Lkw, die auf der Straße stehen. In fünf Minuten sind 25 Tonnen Rüben auf dem Laster“, sagt Landwirt Rahlf. Etwa 100 Tage dauert die Kampagne, wie Zuckerrübenernte und Anlieferung genannt werden. Diese Zeitspanne wird von der Zuckerfabrik in drei Liefertermine eingeteilt. Jeder Anbauer erhält in drei Jahren jeweils einen der drei Termine. „Wir haben dieses Jahr den mittleren Termin, ich muss die Rüben in der 45. Woche liefern. Im kommenden Jahr haben wir den späten Termin, die 52. Woche, also zwischen Weihnachten und Silvester“, erklärt Rahlf. Die späte Lieferung bedeute für den Landwirt, dass zum einen die Rüben bis Mitte November im Boden bleiben können und zum anderen, dass die „Liebesperlen" im Frühjahr in leichteren Boden gebracht werden können. Denn nächstes Jahr haben die Rüben mehr Zeit zum Wachsen.

Bahn um Bahn lenkt Kiel den Rübenroder über das Feld. Es werden immer sechs Rübenreihen gleichzeitig geerntet, etwa ein Hektar pro Stunde bei einer guten Rodequalität, so Kiel. Er erinnert sich an seine Kindheit, in der es einreihige Roder gegeben habe, die an einen Schlepper gehängt wurden. Ein Mann habe den Traktor gefahren, ein zweiter habe den Roder gelenkt. Dabei sei immer nur eine Reihe Zuckerrüben geerntet worden. „Für einen Hektar hat man damals einen Tag gebraucht.“ Während Kiel die Rüben erntet, grubbert Rahlf die abgeerntete Fläche. Im Anschluss fährt sein Sohn Helge über das Feld und bringt Winterweizen ein. „Ist die Zuckerrübenernte beendet, ist auch die Getreidebestellung abgeschlossen. Dann beginnt die ruhigere Zeit des Jahres“, sagt Rahlf. Doch nun ist erst einmal Mittagspause. Schwiegertochter Anne hat das Essen aufs Feld gebracht. Im Stehen lassen sich die Männer Braten, Kartoffeln und Brokkoli schmecken.

Silvie Domann

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