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Segeberg Die versunkenen Schären von Bad Segeberg
Lokales Segeberg Die versunkenen Schären von Bad Segeberg
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11:15 16.03.2017
Nichts mit Hüpfen: Nur wenige Kunst-Steine sind noch unter der Wasseroberfläche zu sehen. Das Ufer eignet sich zum Relaxen. Quelle: Fotos: Glombik
Bad Segeberg

Kalkberg, Seepromenade, Marienkirche – und jetzt neu – der versunkene Schärengarten: Bad Segeberg kann mit einer magischen Besucherattraktion aufwarten.

Planer haben sich bei Anlage des Spielplatzes am See-Ufer verschätzt – Betonteile versacken im Schlamm – Neues Spielgerät als Trostpflaster.

„Da kann man doch keine Kinder ins Wasser lassenBernd Hoffmann

See-Experte

In Jahrhunderten werden sich Archäologen fragen, was die Bad Segeberger damals geritten hat, Betonteile in ihrem See zu versenken. Dabei wollte der Planer nur einen See-Spielplatz für Kinder einrichten. Doch die Hüpfsteine dafür sind im Morast versunken.

2013 beim Bau der Segeberger Uferpromenade waren von Lastwagen über 170 Kubikmeter Sand für den geplanten Schärengarten am Südufer des Sees geschüttet worden. Etwa 40 große „Kunststeine“, zu kleinen Inseln zusammengesetzt, waren in die entstandene Flachwasserzone gesetzt worden. Kinder und junggebliebene Erwachsene sollten dort von Stein zu Stein hüpfen – ein Spaß für die ganze Familie. Über 14 000 Euro soll die Aktion gekostet haben.

Tatsächlich haben in den vergangenen zwei Jahren schon viele Kinder den neuen Spielplatz entdeckt. Doch immer mehr entpuppt sich die gutgemeinte Attraktion als völlige Fehlkonstruktion – oder als Lehrstunde in Physik. Denn die Steine versinken – ganz im Gegensatz zu den Prophezeiungen von Boden-Gutachter und Landschaftsplaner immer tiefer im Ufersand. Nur im ufernahen Bereich können die Podeste den Enten noch als Inseln für ihre Hinterlassenschaften dienen. Die anderen Brocken sind kaum noch im trüben Seewasser auszumachen.

Dabei gab es Warnungen. Der damalige Bauausschussvorsitzende und See-Kenner Bernd Hoffmann (BBS) hatte früh vor dem Vorhaben am Südufer gewarnt. „Das ist dort die matschigste und schmutzigste Ecke am Segeberger See“, sagte er gestern den LN. Dort einen Spielplatz anzulegen, habe keinen Sinn. „Da kann man doch keine Kinder ins Wasser lassen.“ Schon bei den Planungen im März 2012 hatte er dagegen argumentiert, schon weil in der Nähe der „Schiedgraben“ in den See mündet, der Boden alles andere als standfest sei.

Wer baut, weiß: Es gibt Gewährleistung, wenn etwas schiefläuft, ein Bodengutachter die Standfestigkeit falsch einschätzt. Grundsätzlich könnte die Anlage mit den Kunststeinen saniert werden, sagt Bauamtsleiterin Antje Langethal. Doch ob die Steine dann länger so liegen blieben? Die Hand möchte sie dafür nicht ins Feuer legen. Langethal hat deshalb empfohlen, in den Schärengarten nicht noch mehr Geld hineinzustecken.

Die genaue Ursache für das Absacken der Steine sei für sie und die Experten unklar. Die Stadt-Politiker wollen nun keine Regress-Ansprüche gegen den verantwortlichen Landschaftsarchitekten oder Gutachter geltend machen. Langethal: „Das bringt meist nichts, ein juristisches Vorgehen hat wenig Aussicht auf Erfolg.“ Meist ende so etwas im Vergleich. Jetzt hat der Landschaftsplaner sich bereiterklärt, der Stadt ein neues Spielgerät im Wert von 4500 Euro zu spenden – als Ausgleich. Es soll möglichst am Ufer beim versunkenen Schärengarten aufgebaut werden.

 Wolfgang Glombik

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