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Segeberg Diebestour endete vor Gericht
Lokales Segeberg Diebestour endete vor Gericht
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20:13 11.04.2017

Es war Ende Mai des vergangenen Jahres, als Ralf F. (22, alle abgekürzten Namen geändert) aus Henstedt-Ulzburg seinen Kumpel Viktor K. (20) gegen Mitternacht per Handy zu einem Treffen einlud. Man könnte auch sagen: Er stiftete ihn dazu an, sich an einem Diebeszug zu beteiligen. Das gerichtliche Nachspiel fand jetzt vor dem Jugendgericht in Norderstedt statt.

„Bock, was zu reißen? Wollen wir Geld machen ?“, zitierte Richterin Claudia Naumann eine der über den Nachrichtendienst WhatsApp übermittelten Botschaften, mit denen der nächtliche Rundgang nach Auffassung der Anklage seinen Anfang nahm. Die beiden jungen Männer zogen demnach durch mehrere Wohnstraßen in Henstedt-Ulzburg, brachen zunächst einen Schuppen auf und stahlen ein Damenrad und ein Mountainbike. Anschließend entwendeten sie zwei Rennräder, die bis heute verschwunden sind. Per Fahrrad wurde der Weg fortgesetzt. Stets soll Ralf F. die treibende Kraft gewesen sein, während Viktor K. Handlangerdienste leistete.

Laut Anklage schlitzte F. mit einem scharfen Küchenmesser insgesamt fünf Cabrio-Dächer auf, stieg jeweils in die Autos und durchwühlte sie gründlich. Dem bereitstehenden Kumpel reichte er das Diebesgut heraus: Navigationsgeräte, Brillen, Zigaretten und Handys. In einem Fall wurde aus einem offenen Wagen das Navi gestohlen. Insgesamt summierten sich die Taten auf acht Diebstähle. Der Gesamtschaden beläuft sich auf etwa 15000 Euro.

Im Prozess sind beide Angeklagten im Großen und Ganzen geständig, der wortgewandt und selbstbewusst auftretende Ralf F. beruft sich jedoch auf große Erinnerungslücken, hervorgerufen durch Alkohol und Drogen. Zwar wurden bei dem Angeklagten gegen Morgen mehr als ein Promille Alkohol im Blut gemessen, er sei aber in der Tatnacht – wie es in der Akte heißt – „in hohem Tempo auf dem Fahrrad“ vor der Polizei geflohen und sei nach seiner Festnahme in der Lage gewesen, präzise Fragen zu beantworten ohne erkennbare Ausfallerscheinungen.

Die von Ralf F. gefahrene Mitleidsmasche zog bei der Richterin nicht. „Meine Freundin hatte Schluss gemacht. Ich stand auf der Straße und hatte Stress, weil meine Gesellenprüfung bevorstand“, sagte der junge Mann, der inzwischen wieder bei seinen Eltern wohnt und die Prüfung zum Sanitäranlagenmechaniker bestanden hat. Ralf F. ist bereits mehrmals einschlägig vorbestraft und deutete an, dass er auf eine Verurteilung nach Jugendrecht hoffe. „Sie waren zur Tatzeit 21. Jetzt trifft sie die volle Härte des Gesetzes“, machte die Richterin dem Henstedt-Ulzburger klar. Der Angeklagte, der nach dem Eindruck des Staatsanwaltes keinerlei Reue gezeigt habe und die Schuld nur bei anderen suche, wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss der Angeklagte den entstandenen Schaden in monatlichen Raten zu je 500 Euro abzahlen.

Viktor K., der ebenfalls noch zu Hause wohnt und ohne Schulabschluss und Arbeit dasteht, wird nach Jugendrecht zu einem zweiwöchigen Arrest verurteilt und muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

mka

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