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Dieter Schmidt kämpft für das Flath-Erbe

Bad Segeberg Dieter Schmidt kämpft für das Flath-Erbe

Eine Initiative fordert ein Konzept für das Vermächtnis des Bildhauers. Dieter Schmidt (79) will es bewahren.

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Ein Archiv über die Werke von Otto Flath wird vom Vorsitzenden des Beirats, Dieter Schmidt, verwaltet. Er hat auch eine Initiative mitgegründet, in der alle Freunde der Flath-Kunst mitwirken können. Ziel ist es, das Werk des Bad Segeberger Künstlers öffentlich zugänglich zu halten.

Quelle: Glombik

Bad Segeberg. Unter Punkt 27 heißt es nüchtern in der Tagesordnung „Grundstücksangelegenheit Bismarckallee“. Dieses Thema der Stadtvertretung am Dienstag hat es in sich, soll aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt werden. Die Stadt will das Flath-Grundstück an die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein verkaufen. Diese plant dort, wie berichtet, den Neubau von Saal- und Bürogebäude. Die Kunsthalle Flath soll abgerissen werden. Damit verlieren 50 Figuren — teilweise über sechs Meter hoch — des 1987 verstorbenen Bildhauers Otto Flath, ihre Heimat. Inzwischen hat sich eine Flath-Initiative gebildet, die vor allem erreichen will, dass darüber nicht in geheimer Sitzung abgestimmt wird. Sie fordert die Stadt auf, vor einem Verkauf erst ein Zukunftskonzept für das Erbe des Künstlers zu entwickeln. Dieter Schmidt wirkt in dieser streitbaren Initiative mit, ist auch Vorsitzender im Flath-Stiftungsbeirat.

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Verschwindet jetzt alles? Noch ist unklar, wo die teilweise großen Skulpturen hinkommen, wenn die Flath-Halle abgerissen wird.

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Dem fast 80-Jährigen geht es um alles. Um das Erbe von Flath, um den Ruf Bad Segebergs, wie die Stadt mit Kunst umgeht, um den Umgang mit ihrem Ehrenbürger. Die alten Skulpturen möchte die Stadt am liebsten loswerden. „Die wollen das Werk von Ehrenbürger Otto Flath in einem Container einlagern“, will Dieter Schmidt von einem städtischen Mitarbeiter gehört haben.

Er lässt sich nichts anmerken, lächelt dünn. Flath gilt in seiner Heimatstadt nichts mehr, spätestens, als ein Professor der Universität Kiel sich höchst abfällig über dessen Bildhauerkunst geäußert hatte. Ein anderer Professor der Uni habe über dieses vernichtende Urteil seines Kollegen die Hände „über dem Kopf zusammengeschlagen“, weiß Schmidt. Doch zu spät. Blitzschnell sprach sich das Urteil herum. Die Kunstlehrer kommen nicht mehr wie früher in die Flath-Halle, um ihren Schüler die Holzfiguren zu zeigen. In den 70er und 80er Jahren wurde der alte Bildhauer von den Schüler noch fast ehrfürchtig bestaunt, wenn er am Holz gearbeitet hat. Und heute? Die Achtung ist offenbar dahin. Ein Stadtvertreter habe gegenüber Schmidt gewitzelt, die Figuren seien doch gutes Brennholz.

Das tut weh. Der 79-Jährige schiebt im Büro der Flathhalle schwere rote Akten ins Regal. Es ist das Künstler-Archiv. Alles ist dokumentiert. „Es gibt kaum einen Künstler, bei dem der Nachlass noch so gut erhalten ist“, sagt Schmidt mit Stolz in der Stimme. „In über 70 Kirchen Schleswig-Holsteins stehen seine Werke.“ Auch in der Luther-Kirche in Lübeck. Dort wirkte der Märtyrer Pastor Karl Friedrich Stellbrink bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo 1942. Der habe damals die Flath-Figur „Deutsche Familie“ in seine Kirche geholt.

Und es gibt sie auch heute noch, die treuen Flath-Fans. Zehn Ehrenamtliche helfen am Wochenende in der Kunsthalle, wenn die Besucher kommen. Schmidt zeigt Einträge im Gästebuch. „Flaths wunderbare Holzplastiken knüpfen an Barlachs Werk an“, schreiben Besucher aus Hamburg. Antje Janßen aus Wolfenbüttel notiert: „Ein Wiedersehen nach 33 Jahren. Die Skulpturen haben mich damals wie heute tief beeindruckt.“ Und voller Wut heißt es im Sommer von dem kurze Zeit später verstorbenen Hans-Christian Schumacher: „Otto Flath bleibt unvergessen — trotz aller Nachstellungen.“

Schumacher selbst war vor Jahren Testamentsvollstrecker von Flath. Dieter Schmidt macht regelmäßig Führungen: „Die Gruppen sind immer ganz begeistert.“ Doch dann wirkt er resigniert: Gegen Bürgermeister Dieter Schönfeld komme er nicht an. „Wenn der sich etwas vorgenommen hat, zieht er das durch.“ Er appelliert an die Stadtvertreter, das Grundstück nur mit der Auflage zu verkaufen, dass dort auch eine Ausstellungsfläche für die Flath-Figuren eingeplant werde. Sonst würde die Skulpturen-Sammlung auseinandergerissen, die Figuren bei Ebay versteigert oder irgendwo gelagert. Es ist das letzte Aufgebot, das für das Vermächtnis einsteht: Die Flath-Anhänger sind alt und krank. Der Stiftungsvorstand sei nicht einmal komplett, habe in diesem Jahr nicht einmal getagt.

Der „schreckliche Umgang“ der Segeberger mit ihrer Kultur setze sich fort, so Schmidt. Beim alten Kurhaus am See, das 1968 abgerissen worden war, habe sich damals auch keiner gerührt. „Haut es weg“, sei der Tenor gewesen. Schmidt: „Heute fassen sich alle an den Kopf, wie man so etwas Schönes zerstören konnte.“ Genauso werde es der Stadt mit dem verkannten Otto Flath geschehen.

Ein umfangreiches Werk in über 50 Jahren
40 Altäre, über 3000 Skulpturen und etwa 10 000 Aquarelle und Zeichnungen schuf Otto Flath (1906 bis 1987) in über 50 Jahren. Er gestaltete vor allem religiöse Themen, meist in Lindenholz. Sehr häufig sind seine Figuren und Gesichter durch Schleier und andere Textilien verbunden. Die Skulpturen tragen deutlich sichtbare Schnitzmesser- und Beitelspuren. Das entspricht dem Expressionismus. 1972 ließ der Bildhauer und Elfenbeinschnitzer eine große Ausstellungshalle hinter seinem Atelier und der Villa in der Bismarckallee 5 bauen. Er benötigte Platz für seine über 3000 Holzplastiken und etwa 10 000 Zeichnungen und Aquarelle.

Nach seinem Tod 1987 wurde das Gebäude in Kunsthalle Otto-Flath umbenannt.

Wolfgang Glombik

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