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Digitale Welt statt verstaubte B-Pläne

Bad Segeberg Digitale Welt statt verstaubte B-Pläne

Bad Segeberg will seine Bebauungspläne digitalisieren lassen und ins Netz stellen. Jährliche Kosten dafür: 7500 Euro. Bad Segeberg soll Vorreiter in Sachen Digitalisierung und Bürgerservice werden.

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Groß wie eine Schultafel: Stadtplaner Ute Heldt Leal und Nico Krempe zeigen einen Bebauungsplan aus dem Aktenregal.

Quelle: Glombik

Bad Segeberg. Fehmarn hat es, Scharbeutz hat es, Eutin auch: Bald soll auch Bad Segeberg Vorreiter in Sachen Digitalisierung und Bürgerservice werden. Bebauungspläne sollen die Bürger jetzt bequem zu Hause auf dem Laptop studieren können, der Gang ins Rathaus ist nicht mehr nötig. Doch für einige Stadtvertreter sind gerade die jährlichen Pauschalkosten von 7500 Euro für den privaten Internetdienstanbieter viel zu hoch.

„Die Digitalisierung von Bebauungsplänen ist heute überall Standard, wir dürfen doch das Bauen in unserer Stadt nicht unnötig erschweren.“ Petra Kröger (CDU-Stadtvertreterin)

Ein Traumhaus soll es werden. Villa, Blockhaus oder Wohnblock? Ein-, zwei- oder gar dreistöckig? Flach- oder Satteldach? Was ist die Grundflächenzahl? Was eine Baulinie oder gar Baugrenze? Steht alles im Bebauungsplan. Über 200 davon hat die Stadt Bad Segeberg oben im Bauamt des Rathauses. Dort kann man sich die betreffenden Akten von einem Bauamtsmitarbeiter zeigen lassen. Und wenn das für den Bauwilligen nun alles „Böhmische Dörfer“ sind, hilft der Rathauskollege und erklärt – sofern er Zeit hat. Bebauungspläne sind wichtig. Hier wird die städtebauliche Entwicklung und Ordnung gesteuert, hier kann man auch kontrollieren, ob der liebe Nachbar sich beim Bauen an die Regeln hält.

Und wer sich für ein Baugrundstück interessiert, kann schon mal studieren, ob auf der benachbarten Wiese Hochhäuser geplant sind, die eines Tages das eigene Grundstück beschatten. Jetzt plant die Stadt Bad Segeberg den Zugriff auf die B-Pläne zu erleichtern, sie zu digitalisieren und Karten und Texte dazu ins Netz zu stellen. Nebenbei ist es auch arbeitserleichternd für die Rathausmitarbeiter, die nicht bei jeder offenen Frage erst die verstaubten Akten aus dem Regal fischen müssen. Für Investoren und Architekten könnte die Bauleitplanung via Internet auch ein Türöffner sein: Seht her, was wir hier in Bad Segeberg alles an Baumöglichkeiten bieten!

So überzeugt fand sich eine Digitalisierungs-Mehrheit in der Stadtvertretung von 17 gegen acht Stimmen. Die Stadt hat auch schon einen Anbieter aufgetan. Der verlangt für die entsprechende Bearbeitung der über 200 Bebauungspläne rund 15 000 Euro. Der Haken: Jährlich werden 7500 Euro „Wartungspauschale“ fällig, denn die Pläne müssen aktualisiert, Änderungen eingepflegt werden.

Für Stadtvertreter Wolfgang Juhls (Unabhängige) reicht es aus, wenn sich der interessierte Bürger im Ratshaus kundig macht. Auch Architekten sei das zuzumuten. Und der Investor aus München könne sich ja Pläne zuschicken lassen. Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) warb dagegen für die digitale Welt: So ein Plan sei „groß wie eine Schultafel“, die Verwaltung habe auch Kosten, wenn B-Pläne – „einige Kollegen sind da richtig geschickt drin“ – gefaltet und verschickt werden müssten. Juhls sah die Gefahr, dass die Stadt sich über viele Jahre an einen Anbieter binde, jährlich zur Kasse gebeten werde. Im Ergebnis sei das keine Verteuerung, weil die Arbeit ohnehin in der Stadtverwaltung gemacht werden müsse, entgegnete Schönfeld. Auch Annelie Eick (Grüne) sah die drohenden zusätzlichen Kosten. Hingegen warnte Petra Kröger (CDU) Skeptiker: „Das ist heute Standard, wir dürfen das Bauen in unserer Stadt nicht unnötig erschweren.“ Dirk Wehrmann (SPD) befürchtete gar einen Wettbewerbsnachteil, „wenn wir es nicht tun“. Man könne nicht erwarten, dass Investoren von weither anreisten, um sich verstaubte Pläne im Rathaus anzusehen. Und wer konkrete Frage habe, der werde auch weiterhin im Rathaus beraten.

 Wolfgang Glombik

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